Zukunft der Bahn Lokführer streiten mit Transnet über Grube

Zwei Gewerkschaften haben ihr Ja zum designierten Bahnchef Grube gegeben. Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft GDL, dagegen kritisiert der Kurs scharf. Interview

ZEIT ONLINE: Herr Weselsky, die Gewerkschaften Transnet und GDBA, die mit ihnen in Konkurrenz stehen, haben am Montag den designierten Bahnchef Rüdiger Grube mit einem Memorandum auf das alte Mehdorn-Geschäftsmodell festgenagelt: Es soll weiter einen "integrierten Konzern" geben, auch die internationale Ausrichtung des Unternehmens soll in Teilen fortgesetzt werden. Ärgert Sie das?

Claus Weselsky: Um es klar zu sagen: Ich halte das für vermessen. Seit wann bestimmen die Gewerkschaften und nicht der Eigentümer – die Bundesregierung und auch das Parlament – über die Zukunft der Bahn? Dennoch sollte man das nicht überbewerten. Dieses Memorandum hat keinen juristischen Wert. Sollte Herr Grube andere Pläne mit der Bahn verfolgen, kann er das immer noch tun.

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ZEIT ONLINE: Was ist Ihre Erklärung dafür, dass vor allem Transnet so vehement für den alten Mehdorn-Kurs eintritt?

Weselsky: Transnet hat ein Interesse daran, dass das Unternehmen so groß wie möglich bleibt, denn nur so kann sie ihre politische Bedeutung erhalten. Deshalb tritt sie dafür ein, dass die Bahn ein international agierender Logistikkonzern bleibt – egal, ob dieses Geschäftsmodell sinnvoll ist oder nicht. Ich frage mich allerdings, welch' Geistes Kind eine Gewerkschaft ist, die nach mehr Internationalisierung ruft.

ZEIT ONLINE: Was ist eigentlich genau mit dem viel beschworenen "integrierten Konzern" gemeint?

Weselsky: Das müssen Sie die fragen, die diesen Begriff im Mund führen. Im Kern geht es darum, eine Aufspaltung des Konzerns zu verhindern, die de facto mit der Trennung von Netz und Betrieb bereits vollzogen ist. Das Argument der Transnet hierfür ist ziemlich fadenscheinig: Würde das Unternehmen gespalten, fiele der konzerninterne Arbeitsmarkt weg, heißt es. Das halte ich für eine Schutzbehauptung, um zu erreichen, dass die Bahn in ihrer jetzigen Größe Bestand hat – und die Geschäftspolitik von Mehdorn im Wesentlichen unter dem neuen Chef weitergeht.

ZEIT ONLINE: Was war denn am Geschäftsmodell von Mehdorn so falsch?

Leser-Kommentare
  1. 1. GDL

    Die GDL erscheint intelligenter als die anderen beiden Gewerkschaften. Wenn die Bahn privatisiert werden soll, dann nur die Zugbetreiber und nicht die Infrastruktur. Das geht ohne Trennung der DB AG nicht. Nur wenn die Infrastruktur beim Bund bleibt und von Personen- und Güterverkehr getrennt wird, kann es auf der Schiene einen gerechten Wettbewerb geben.

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    Überhaupt nichts und weiterhin für das Modell einer erfolgreichen, preiswerten und in sich geschlossenen Bürgerbahn á la Schweiz (was die Bahnbenutzer und der Großteil der Bürger wollen) weiter ad adsurdum geführt.

    Eine sogenannte "Privatisierung" wäre das genaue Gegenteil davon und die Ergebnisse privatisierter Bahnen kann man im Ausland zur Genüge bewundern.

    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

    Danach sind dann wieder die Steuerzahler gefragt, um die Scherben teuer aufzukehren.

    Auch die Berliner S-Bahn entwickelt sich immer mehr zur Katastophe.

    Überhaupt nichts und weiterhin für das Modell einer erfolgreichen, preiswerten und in sich geschlossenen Bürgerbahn á la Schweiz (was die Bahnbenutzer und der Großteil der Bürger wollen) weiter ad adsurdum geführt.

    Eine sogenannte "Privatisierung" wäre das genaue Gegenteil davon und die Ergebnisse privatisierter Bahnen kann man im Ausland zur Genüge bewundern.

    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

    Danach sind dann wieder die Steuerzahler gefragt, um die Scherben teuer aufzukehren.

    Auch die Berliner S-Bahn entwickelt sich immer mehr zur Katastophe.

  2. Überhaupt nichts und weiterhin für das Modell einer erfolgreichen, preiswerten und in sich geschlossenen Bürgerbahn á la Schweiz (was die Bahnbenutzer und der Großteil der Bürger wollen) weiter ad adsurdum geführt.

    Eine sogenannte "Privatisierung" wäre das genaue Gegenteil davon und die Ergebnisse privatisierter Bahnen kann man im Ausland zur Genüge bewundern.

    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

    Danach sind dann wieder die Steuerzahler gefragt, um die Scherben teuer aufzukehren.

    Auch die Berliner S-Bahn entwickelt sich immer mehr zur Katastophe.

    Antwort auf "GDL"
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    • Chali
    • 08.04.2009 um 6:37 Uhr

    Das hängt mit der Terminologie zusammen:
    Eine "echte Privatisierung" - im Sinne von Wolfgang63 - schafft Wettbewerb - und genau das wird doch niemand wollen! Stellen Sie sich doch nur einmal vor: ein Unternehmen, dass etwas unternimmt! In der Realwirtschaft! Wo sollen denn da 25% Eigenkapital-Rendite herkommen? Wie? Was!! Ja!?!

    Es denkt ja niemand daran, etwa die Speditionsanteile der Bahn zu "privatisieren": Auf dem Logistik-Bereich herrscht Wettbewerb, und was für einer!

    Die "sogenannte Privatisierung" schafft - wie PPP allgemein - private Monopole durch Abschaffung des Wettbewerbs; sichere Anlage-Möglichkeiten für die 10% unserer Mitbürger, die Geld anzulegen haben, auf Kosten der verbleibenden 90%.
    Und, da gebe ich Ihnen recht:
    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

    • Chali
    • 08.04.2009 um 6:37 Uhr

    Das hängt mit der Terminologie zusammen:
    Eine "echte Privatisierung" - im Sinne von Wolfgang63 - schafft Wettbewerb - und genau das wird doch niemand wollen! Stellen Sie sich doch nur einmal vor: ein Unternehmen, dass etwas unternimmt! In der Realwirtschaft! Wo sollen denn da 25% Eigenkapital-Rendite herkommen? Wie? Was!! Ja!?!

    Es denkt ja niemand daran, etwa die Speditionsanteile der Bahn zu "privatisieren": Auf dem Logistik-Bereich herrscht Wettbewerb, und was für einer!

    Die "sogenannte Privatisierung" schafft - wie PPP allgemein - private Monopole durch Abschaffung des Wettbewerbs; sichere Anlage-Möglichkeiten für die 10% unserer Mitbürger, die Geld anzulegen haben, auf Kosten der verbleibenden 90%.
    Und, da gebe ich Ihnen recht:
    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

  3. Das hätte man doch auch von Journalisten erwarten können, daß sie dahinterkommen, daß die "Sanierung" der DB durch Mehdorn einfach eine Verlagerung des Geschäftes auf schienenfremde Gebiete war,verbunden mit Mehreinnahmen durch die Schröpfung der "Besteller" der Nahverkehrsleistungen, sprich die öffentliche Hand, und durch ständige Fahrpreiserhöhungen!
    Die tatsächliche Fahrleistung der Bahn ist seit 10 Jahren gleichgeblieben (ca. 35 Md. Personenkilometer), und gleichzeitig wurde das Schienennetz ruinös vernachlässigt und die Anschaffung von Wagenmaterial sträflich hinausgezögert.
    SO kann man natürlich leicht "Gewinne" schreiben.
    Aber es braucht einen Gewerkschafter, daß die Tatsachen einmal ausgesprochen werden.

    • Chali
    • 08.04.2009 um 6:37 Uhr

    Das hängt mit der Terminologie zusammen:
    Eine "echte Privatisierung" - im Sinne von Wolfgang63 - schafft Wettbewerb - und genau das wird doch niemand wollen! Stellen Sie sich doch nur einmal vor: ein Unternehmen, dass etwas unternimmt! In der Realwirtschaft! Wo sollen denn da 25% Eigenkapital-Rendite herkommen? Wie? Was!! Ja!?!

    Es denkt ja niemand daran, etwa die Speditionsanteile der Bahn zu "privatisieren": Auf dem Logistik-Bereich herrscht Wettbewerb, und was für einer!

    Die "sogenannte Privatisierung" schafft - wie PPP allgemein - private Monopole durch Abschaffung des Wettbewerbs; sichere Anlage-Möglichkeiten für die 10% unserer Mitbürger, die Geld anzulegen haben, auf Kosten der verbleibenden 90%.
    Und, da gebe ich Ihnen recht:
    An Privatisierungen haben nur die Leute was von, die diese vorbereiten und umsetzen - also Anwälte, Banken und geneigt lobbyistische Politiker.

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