Geldpolitik "Die Notenbanken müssen die Schleusen öffnen"

In der gegenwärtigen Krise müssen die Zentralbanken mit Macht gegensteuern, sagt Ex-EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing im Interview. Zugleich aber muss die Inflation in Schach gehalten werden.

ZEIT ONLINE: Herr Issing, die Wirtschaft bricht ein. Wie sollen die Zentralbanken reagieren?

Otmar Issing: Wenn die Krise da ist, müssen die Notenbanken die Schleusen öffnen.

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ZEIT ONLINE: Können sie damit die Rezession besiegen?

Issing:  In einer schweren Krise wird in der Regel ein großer Teil des Geldes, das die Notenbank bereitstellt, gehortet. Die Liquidität bleibt also ungenutzt liegen. Der geldpolitische Übertragungsmechanismus funktioniert nicht, die Multiplikatoren sinken. Aus diesem Grund ist dann auch die Fiskalpolitik gefragt.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Issing: Der Staat muss Geld ausgeben.

ZEIT ONLINE: Viele Zentralbanken kaufen jetzt Staatsanleihen und andere Wertpapiere auf, um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Birgt der Kurs Risiken?

Issing: Je weiter sich die Notenbank in Bereiche jenseits ihres genuinen Mandats vorwagt, desto größer ist die Gefahr für ihre Unabhängigkeit. Das gilt besonders für den Fall, dass sie darüber zu entscheiden hat, welche Sektoren der Wirtschaft mit Kredit versorgt werden sollen. Es ist schwer, sich aus der Umklammerung des Staates wieder zu befreien.

ZEIT ONLINE: Besteht denn nicht die Gefahr einer Inflation?

Issing: Es ist wichtig, das Geld rechtzeitig wieder einzusammeln, wenn die Konjunktur anzieht. Wenn das frühzeitig geschieht, kann ein Anstieg der Inflation verhindert werden. Wenn man ein Feuer löscht, muss man aufpassen, dass der Wasserschaden am Ende nicht größer ist als der Schaden, den der Brand angerichtet hat.

ZEIT ONLINE: Welche Lehren können die Notenbanken aus diese Krise ziehen?

Issing: Gerade in Amerika hat man sich immer dagegen gewehrt, gegen Blasen an den Vermögensmärkten vorzugehen. Das koste nur Wachstum lautete das Argument. Den Schaden, den das Platzen einer Blase anrichtet, müsse man dann hinterher beseitigen.  Diese Krise zeigt, dass das nicht so einfach ist. Es ist gefährlich, sich nur und ausschließlich auf die Inflationsraten zu konzentrieren und die Vermögensmärkte aus den Augen zu lassen.  

Otmar Issing war EZB-Chefvolkswirt. Heute berät er Bundeskanzlerin Angela Merkel in Finanzmarktfragen. Die Fragen stellte Mark Schieritz

 
Leser-Kommentare
  1. Von einem Mann wie Otmar Issing darf man wohl nichts anderes erwarten. Er ist zu sehr geprägt von der Vorstellung, die Zentralbank oder auch der Staat können bedeutsame positive Änderungen bewirken, die nicht gleichzeitig neue Probleme heraufbeschwören.

    In Zeiten der Rezession wurden bereits früher von Karl Schiller die Pferde an die Tränke geführt, ohne daß sie wie gedacht saufen wollten. Das hat er selbst auch als Faktum gesehen.

    Die Aussage von Issing, das Geld würde in einer Krise wie jetzt gehortet, scheint mir so nicht richtig. Gehortetes Geld liegt in der Matratze oder in der Zuckerdose. Das Geld befindet sich allerdings zum größten Teil auf den Konten der Banken. Dort wartet es allerdings zu einem erheblichen Teil vergeblich auf seine Vermehrung durch neue Kredite.

    Das liegt an mehreren Punkten. Teils werden keine Kredite gewünscht von Unternehmen oder auch Privatkunden, weil sie bereits schon hoch belastet sind mit Krediten, teils weil sie nicht investieren oder konsumieren wollen wegen der düsteren Erwartungen.

    Die Banken selbst sind ebenso sehr restriktiv; teils weil sie wegen ihrer Reservequoten keine Kredite auflegen können durch Verluste bzw. reduziertes Eigenkapital, teils weil sie neuen potentiellen Schuldnern wie einfach mißtrauen wie die Kinder mit den verbrannten Fingern.

    Staat und Zentralbank werden bei ihrem Kampf dagegen unter Umständen wie Don Quichotte wirken.

    • iDog
    • 07.04.2009 um 22:27 Uhr

    muessen wir vor allem erkennen was die krise ausloesste , die ursachen analysieren. haben wir das getan? einige unter uns schon, und die behaupten unter anderem, dass die zentrakbanken am besten abgeschaft werden sollten und die weltbank der IWF und andere nicht demokratisch kontrollierten und zudem marktverzerrende organisationen gleich mit.

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