Kinderpornografie Vernetzte FahnderSeite 2/2

Dabei nutzen die Täter längst auch andere Vertriebswege als das World Wide Web: Sie tauschen Bilder über Internet-Foren, Chats und Tauschbörsen. Die Mitarbeiter der ICMEC fanden in einer Tauschbörse ein kinderpornografisches Video, das über 880.000 Mal heruntergeladen wurde. Mit Hilfe des Bildmaterials gelang es den Kinderschützern in Zusammenarbeit mit der US-Bundespolizei FBI, Opfer und Täter ausfindig zu machen. Über Monate wurde die Jugendliche von einem Familienmitglied missbraucht.

Mehr als 1200 Kinder hat die ICMEC nach eigenen Angaben von ihren Peinigern befreit. Europäische Polizeibehörden sind von solchen Zahlen weit entfernt. So tauschen mehrere Länder zwar Sperrlisten aus, die Suche nach den Tätern ist jedoch schwerfällig. Angesichts des globalen Internets reagieren viele Polizisten ratlos, und konzentrieren sich auf die Verfolgung von Konsumenten im eigenen Land.

Datenbanken überschreiten Landesgrenzen

Um diesem Missstand ein Ende zu setzen, hat der US-Konzern Microsoft in Zusammenarbeit mit der kanadischen Polizei das Child Exploitation Tracking System (Cets) entworfen: Damit können Ermittler Details zu jedem gefundenen Bild und Video eintragen: Wo und wann das Material schon einmal gefunden wurde, welche Details zu sehen sind, welchen Kameratyp der Täter benutzt. Dennoch finden die Beamten die Täter selten – schließlich können die in Kanada gefundenen Bilder überall auf der Welt entstanden sein.

Um die Trefferquote zu erhöhen, plant Microsoft nun, die Kinderporno-Datenbanken mehrerer Länder zu vernetzen. So können die Ermittler ihre Erkenntnisse zusammentragen und die Täter über Grenzen hinweg verfolgen. "Die nächste Version des Cets wird auch moderne Bilderkennungstechniken verwenden", erklärt Microsoft-Manager Bruno Schröder. So soll die Software selbständig erkennen, welche Bilder zusammen gehören – und den Ermittlern erstmals einen Überblick über die kursierenden Kinderpornos verschaffen.

Auch die ICMEC und das internationale Beschwerdestellen-Netzwerk "Inhope" arbeiten an ähnlichen Datenbanken. Bis sie aber effektiv in Betrieb sind, werden Jahre vergehen: Beamte müssen geschult, neue Kommunikationswege geschaffen werden.

Die Europäische Union hat inzwischen auch eine weitere Front gegen Kinderpornografie eröffnet. So stellte EU-Kommissions-Vizepräsident Jaques Barrot Anfang März in London die neue geschmiedete European Financial Coalition vor. In dem Netzwerk haben sich Finanzdienstleister wie Visa und Paypal mit Jugendschützern und Ermittlungsbehörden zusammengeschlossen. Die Spezialisten in den verschiedenen Organisationen sollen die Geldflüsse von Kinderporno-Ringen nachvollziehen. Aber auch hier stehen die Bemühungen erst am Anfang: "Damit die Arbeit effektiv beginnen kann, müssen noch viel mehr Organisationen beitreten – inklusive der Mitgliedsstaaten der EU", erklärte Barrot in London.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn es um Kinderpornographie geht, dann setzt es mit der Sorgfalt und Logik gern aus. Beispiel gefällig?

    "Die Zahlen nähren diese Befürchtung: So sind in Großbritannien auch fünf Jahre nach der Einführung eines komplexen Filter-Systems die Zahl der kommerziellen Kinderporno-Seiten immer noch stark steigend."

    Gibt es jetzt also in Großbritannien gehostete Kipo-Seiten? Womöglich immer mehr?
    Kaum glaublich.

    Oder gibt es außerhalb von Großbritannien mehr Seiten, obwohl doch in Großbritannien seit fünf Jahren schon gefiltert wird? Das wäre wiederum kaum verwunderlich.

    Was also will mir dieser Absatz sagen?

    Das Beispiel mit den 800.000 Downloads bezieht sich wiederum auf Bilder einer Jugendlichen in einer Unterdrückungssitaution, aber solche Unterschiede werden in der Diskussion kaum noch gemacht.

    Ich stimme allerdings zu, dass die Täter auf den Bildern wieder mehr in den Fokus kommen sollten. Auch wenn das mühseliger ist.

    Blackbelt

  2. Zitat:
    Bei der Suche nach den Tätern fängt die internationale Zusammenarbeit aber gerade erst an.....
    Die Spezialisten in den verschiedenen Organisationen sollen die Geldflüsse von Kinderporno-Ringen nachvollziehen.

    Keine publikumswirksamen Auftritte einer offensichtlich kenntnisfreien Familienministerin, die ihrem gummibereiften Innenminister mal eben einen Internetfilter schenken will.

    Dafür das tägliche Klein-Klein ordentlicher Polizeiarbeit.

    Nur so gehts.

    Aber das ist für das marktschreierische Herumgeprotze unserer politischen Klasse, wie toll sie sind und was sie alle erreicht haben nicht spektakulär genug.

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    Ich habe kein Problem damit, wenn Sie die Familienministerin als "kenntnisfrei" benennen!
    Was aber die von Ihnen so bezeichnete "Gummibereifung" des Innenministers mit der Problematik der Bekämpfung des brutalen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis!
    Man kann ja den Schäuble wirklich - m.E. auch gerechtfertigt - von vielen Seiten kritisieren, aber auf seine körperliche Behinderung hinzuweisen finde ich daneben!! Kein guter Stil...sorry! Das Thema hätte mehr Ernshaftigkeit verdient!!

    Ich habe kein Problem damit, wenn Sie die Familienministerin als "kenntnisfrei" benennen!
    Was aber die von Ihnen so bezeichnete "Gummibereifung" des Innenministers mit der Problematik der Bekämpfung des brutalen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis!
    Man kann ja den Schäuble wirklich - m.E. auch gerechtfertigt - von vielen Seiten kritisieren, aber auf seine körperliche Behinderung hinzuweisen finde ich daneben!! Kein guter Stil...sorry! Das Thema hätte mehr Ernshaftigkeit verdient!!

  3. Es gibt zu vielen Problemen mehrere Ebenen.

    Meist gibt es eine juristische Sicherheit, und eine technische Sicherheit. Manchmal gibt es dazu noch eine finanzielle und psychologische Ebene.

    Da dass technische Wissen zum Internet oft kompliziert ist, möchte ich hier ein Beispiel aus einem anderen Gebiet nehmen.

    Wenn ich eine Baustelle habe, dann sollte ich diese Baustelle für Kinder absichern. Um meine juristischen Sicherheit zu erhöhen, kann ich ein Schild anbringen auf dem steht: "Betreten der Baustelle verboten. Eltern haften für Ihre Kinder". Nun kann ich auch noch ein Schild anbringen, "Bitte drücken Sie diesen Alarm Knopf wenn Sie Kinder auf der Baustelle sehen."

    Diese beiden Massnahmen werden einige wenige "brave" Kinder die bereits lesen können, und Kinder die mit Ihren Eltern unterwegs sind, vor den Gefahren der Baustelle schützen. Sollte ein Kind sich verletzten kann ich stolz darauf hinweisen dass ich mir Mühe gegeben habe und versucht habe das Risiko zu minimieren.

    Eine hohe Technische Sicherheit erreiche ich dadurch dass ich ein Zaun um das Gelände ziehe. In dem ich einen Wächter einstelle, oder mit Bewegungsmelder einen Alarm auslöse, der die Nachbarn alarmiert und die Kinder am betreten hindern. Noch höhere Sicherheit erreiche ich wenn zusätzlich die Eltern, Erzieher und Lehrer die Kinder auf die Gefahren hinweist.

    Fazit: Reine Juristische Sicherheit die keine padagogischen oder technischen Sperren mit einbaut erfüllt nur ein Alibi Funktion, quasi zur Haftungsbegrenzung, zur psychologischen Beruhigung ( ...und wir hatten doch so viel getan!") oder zum Hinweis (Wir kennen das Problem und gehen es an ....(lieber Wähler)). Der Aktivitätsnachweis ist oft auch wichtig (wir haben uns (erfolglos) bemüht.) und Hohe Kosten sind der Beweis dass man sich viel Mühe gemacht hat (Da es so teuer war, hätten wir niemals gedacht dass das sowenig bewirkt.) Der Einsatz von Fachleuten und Untersuchungskomitees werden als weiteres Indiz von Seriosität benötigt. (Wir haben keine Ahnung ... deshalb haben wir viele Berater und Fachleute beauftragt um jemanden zu haben der die Verantwortung von uns ablenkt).

    Bei viele Probleme, gibt es eine starke technische Sicherheit nicht. So können durch verschlüsselte Seiten (z.B. https:// Seiten die so beginnen) alles durch die Filter gesandt werden. Das bedeutet dass durch die meisten Filter nur die einfachsten Seiten verhindert werden.

    Es freut mich dass die Behörden die virtuelle Sicherheit erhöhen wollen, und ich freu mich für jeden kleinen Fisch der gefasst wird und nicht zum großen Fisch heranwächst.

    Die Filter sind Netze im Internet der die kleine Fische fasst und die gefährlichen und großen durchlässt. Wer aber durch die hohe Anzahl an gefangenen kleinen Fischen ausruft: "Das Meer ist sicher" lügt.
    Wer dagegen ausruft: "Das Meer ist sicherer" sagt die Wahrheit.
    Wer dann annimmt es gibt keine Haie mehr und schwimmen geht, bemerkt vielleicht wie sicher es geworden ist.

    kwer-denker

    • Zel
    • 07.04.2009 um 15:23 Uhr

    Kann mir mal jemand erklären, was an den Sperren so neuartig sein soll? Ich dachte bisher, wenn solche Seiten gefunden werden, dass sie dann ohnehin gesperrt würden, weil sich der Hoster der Daten ja strafbar macht, wenn er bei Kenntnis diesen Kram weiter auf den Servern belässt.

    Insofern weiß ich nicht, wieso einem dass nun dauernd in den Medien als Angriff auf Kriminelle gepriesen wird-das wurde doch schon immer gemacht.

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    ... dass man jetzt nicht mal mehr so tut, als wollte man die Täter kriegen. Stattdessen wird der ganze Dreck mit großer Show unter unter einen schicken elektronischen Teppich gekehrt.

    (Nicht dass es da viel zu kehren gäbe. Das Web - der Teil des Internets, der da gefiltert werden soll - ist so ziemlich das einzige elektronische Medium, auf dem kaum Kinderpornographie vertrieben wird.)

    ... dass man jetzt nicht mal mehr so tut, als wollte man die Täter kriegen. Stattdessen wird der ganze Dreck mit großer Show unter unter einen schicken elektronischen Teppich gekehrt.

    (Nicht dass es da viel zu kehren gäbe. Das Web - der Teil des Internets, der da gefiltert werden soll - ist so ziemlich das einzige elektronische Medium, auf dem kaum Kinderpornographie vertrieben wird.)

  4. Ich habe kein Problem damit, wenn Sie die Familienministerin als "kenntnisfrei" benennen!
    Was aber die von Ihnen so bezeichnete "Gummibereifung" des Innenministers mit der Problematik der Bekämpfung des brutalen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis!
    Man kann ja den Schäuble wirklich - m.E. auch gerechtfertigt - von vielen Seiten kritisieren, aber auf seine körperliche Behinderung hinzuweisen finde ich daneben!! Kein guter Stil...sorry! Das Thema hätte mehr Ernshaftigkeit verdient!!

  5. ... dass man jetzt nicht mal mehr so tut, als wollte man die Täter kriegen. Stattdessen wird der ganze Dreck mit großer Show unter unter einen schicken elektronischen Teppich gekehrt.

    (Nicht dass es da viel zu kehren gäbe. Das Web - der Teil des Internets, der da gefiltert werden soll - ist so ziemlich das einzige elektronische Medium, auf dem kaum Kinderpornographie vertrieben wird.)

    Antwort auf "Was für Sperren?"
    • zappo
    • 08.04.2009 um 14:55 Uhr

    ...und das deswegen, weil das Gros des getauschten kinderpornographischen Materials auf ganz anderen Wegen die Besitzer wechselt. Die Gefahr liegt meines Erachtens in der Zensur des Internet. Ich empfehle dringend weitergehende Lektüre:

    spiegelfechter
    Zeit (wichtig sind Nachtrag und Kommentare)

    und auch die Artikel auf der Seite "wikileaks" (nicht verlinkt, da diese Seite Sperrlisten anderer Länder beinhaltet und deshalb eine mittelbare Verlinkung auf Seiten mit Kinderpornographischen Inhalten darstellen würde - wie absurd, denn selbst über die Seite des Landgerichts Karlsruhe kommt man über Umwege zu diesem Material und ausserdem dienen die Sperrlisten dem Nachweis unschuldig gesperrter Seiten), die sich mit dem Thema Kinderpornographie (und auch einen Artikel eines Insiders beinhaltet) beschäftigen sind sehr aufschlussreich.

    Und deshalb sollte das Geld auf jeden Fall in "das tägliche Klein-Klein ordentlicher Polizeiarbeit" gesteckt werden, um Täter zu überführen und nicht den Überwachungsstaat auszubauen.

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