Datenskandal Mit Lidl-Betriebsrat wäre das nicht passiert
Der Fall des Discounters zeigt: Wer seine Mitarbeiter immer nur kontrolliert und überwacht, ändert sich nicht so leicht. Ein Kommentar

© Mychele Daniau/AFP/Getty Images
Billig und international erfolgreich: Ein Lidl-Supermarkt in der Normandie
Fast schien es, als sei Lidl die Wende gelungen. Nach dem vorletzten Skandal vor etwa einem Jahr tingelte Klaus Gehrig, der zweite Mann hinter Firmeneigner Dieter Schwarz, sogar durch Talkshows, um dort Besserung zu geloben. Es war bekannt geworden, dass die Verkäuferinnen des Discounters mit versteckten Kameras überwacht worden waren – ein eklatanter Verstoß gegen das Datenschutzgesetz.
Als Zeichen dafür, wie ernst man die Sache nahm, wurde Joachim Jacob als Berater engagiert. Der frühere Datenschutzbeauftragte des Bundes sollte helfen, Recht und Gesetz Genüge zu tun. Das misslang, und zwar gründlich. Die jetzt aus Mülltonnen gefischten Krankenakten mit brisanten Informationen über die Privatsphäre von Mitarbeiterinnen zeugen davon, dass guter Wille allein nicht reicht, um gewachsene Strukturen zu verändern. Der Fall Lidl zeigt außerdem, dass Gesetze nur dann schützen können, wenn ihre Einhaltung kontrolliert wird – und das regelmäßig.
Mag ja sein, dass es bei allen Versprechen aus den Reihen der Unternehmensspitze nicht nur um Schadensbegrenzung, sondern um einen Sinneswandel ging: Hin zu mehr Respekt vor den Rechten der Mitarbeiter. Aber wie es scheint, verändert sich das Verhalten in den Management-Ebenen darunter nicht so schnell und durchgängig wie (hoffentlich) erhofft.
Wer seine Untergebenen lange Zeit nur befehligt und überwacht hat, dem dürfte es schwerfallen, plötzlich den fairen Chef rauszukehren. Das gilt vor allem dann, wenn der Druck von oben, Umsatz und Gewinn zu steigern, nicht gleichzeitig gelockert wird.
Die betroffenen Mitarbeiter haben in der Regel wenig Chancen, ihre Rechte einzufordern. Wenn, wie im Einzelhandel üblich, befristet eingestellt wird und Mini- oder Billigjobs vergeben werden, dann steht es schlecht um Arbeitnehmerrechte. Jeder arbeitet und leidet für sich allein. Betriebsräte gibt es bei Lidl nur in ganz wenigen Filialen. Man muss kein Hellseher sein, um zu behaupten, dass sich das jetzt rächt: Mit achtsamen Arbeitnehmervertretungen wäre dem Konzern dieser Skandal erspart geblieben.
Aber können nicht wenigstens die Verbraucher ihre Macht ausüben? Schließlich stimmen sie mit dem Geldbeutel darüber ab, ob sie Rechtsverstöße und schlechte Arbeitsbedingungen dulden. Doch das trifft nur auf die betuchten Kunden zu. Eine Hartz-IV-Empfängerin kann wenig Rücksicht darauf nehmen, ob die Kassiererin oder Packerin gut behandelt wird. Im Zweifel hätte sie deren Job gern selbst.
Und so bleibt die Erkenntnis des 1990 verstorbenen Hans Kaspar, der für seine Aphorismen berühmt ist: Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut Vernunft annimmt.
- Datum 07.04.2009 - 17:52 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Sie meinen, so wie bei der Bahn?
In einem Lande mit soviel gefühlter Armut und so wenig Genusskultur wie in Deutschland sind solche Discounter "systemisch" wichtig. Da darf man eklatante Verletzungen des Datenschutzes oder des MAV-Gesetzes doch nicht so eng sehen.
doch mal bei den Oberen gleich anfangen ihre Daten zu verbreiten und die Bosse aussotieren, am besten noch Genetisch auswerten, wer Nachvolger wird!
doch mal bei den Oberen gleich anfangen ihre Daten zu verbreiten und die Bosse aussotieren, am besten noch Genetisch auswerten, wer Nachvolger wird!
Vielleicht gibt es gefühlte Armut. Tatsache ist aber, dass eine Menge Menschen, Hatz IV Empfänger, Niedrigverdiener, insbesondere wenn sie Familie haben, ohne diese Discounter nicht auskommen kann.
macht, tritt die Menschenrechte und die Würde des Menschen mit Füßen und sollte sofort enteignet und aus dem Land gejagt werden. Die haben nicht begriffen, das die Menschen was anderes brauchen als diese kalte Berechnung. Wir wollen einfach nur leben, in Frieden und sozialer Sicherheit und keine Millia. bunkern und verstecken.
doch mal bei den Oberen gleich anfangen ihre Daten zu verbreiten und die Bosse aussotieren, am besten noch Genetisch auswerten, wer Nachvolger wird!
Ein weitgehender Kundenboykott ist nicht realistisch. Doch wie wäre es mit einem Lidl-Boykott-Tag? Einen Tag lang nicht bei Lidl einzukaufen schaffen auch ärmere Mitbürger und kein Lidl-Mitarbeiter würde deswegen seinen Arbeitsplatz verlieren.
Ist aber nicht so einfach. Das Problem ist m. E. dass nicht alle am selben Tag und gleich viele einkaufen. Hat jemand also bereits den regelmäßigen Lidl Tag hinter sich, wird sich sein Boykott finanziell nicht auswirken. Gingen alle an einem Tag und würden nächsten Tag fernbleiben, wäre der Umsatz gemacht. Wirtschaftlichen Sinn macht also nur der weitergehende Boykott und das in X Filialen. So wie der Shell Boykott nach Brent Spar (obwohl der ja unberechtigt war). Und so eine Aktion für das Recht von Arbeitnehmern, einen Betriebsrat zu gründen, -wenn die das überhaupt wollen-, wird das akzeptiert?
Schön wäre das und die Besatzungen einer Menge Läden wären auch für Lidl nicht ohne weiteres zu ersetzen. Dennoch, sie würden viel riskieren falls es schief geht, denn irgendwie müssen sie sich schon beteiligen. Und Boykottwächter will wohl niemand einsetzen.
Vielleicht geht es mit öffentlichem Druck durch Appelle. Das funktioniert aber nur, wenn man die, die dort einkaufen müssen nicht permanent als Geizgeile und Ausbeuter diffamiert. Und Lidl hätte eins geschafft. Die Akzeptanz als Wirtschaftsunternehmen wie alle anderen auch.
Aber der Umgang mit solchen Unternehmen muss sich sowieso ändern. Durch Tante Emma Läden kriegt man heute nicht mal ein Dorf versorgt, es sei denn die Bewohner würden ihre Ansprüche runterschrauben, also verzichten. Und wenn z. B. Biogasanlagen gefordert werden, wer liefert die regionalen landwirtschaftlichen Produkte, auf die der Tante Emma Laden angewiesen ist.?.
Und der Kunde sollte auch fordern. Aber wenn er das Gefühl hat, er wird von armen Teufeln bedient, soll er dann denen auch noch Stress machen?
Ich denke, dass Zitat des Artikels trifft schon ein wenig den Kern nicht nur dieses Problems. Wobei Deiche aber keine Abschottung des Problems sind sondern nur eine Art des Umgangs mit diesem. Keine ständige Lösung für alle Zeiten, sondern dem Wandel unterworfen.
Ist aber nicht so einfach. Das Problem ist m. E. dass nicht alle am selben Tag und gleich viele einkaufen. Hat jemand also bereits den regelmäßigen Lidl Tag hinter sich, wird sich sein Boykott finanziell nicht auswirken. Gingen alle an einem Tag und würden nächsten Tag fernbleiben, wäre der Umsatz gemacht. Wirtschaftlichen Sinn macht also nur der weitergehende Boykott und das in X Filialen. So wie der Shell Boykott nach Brent Spar (obwohl der ja unberechtigt war). Und so eine Aktion für das Recht von Arbeitnehmern, einen Betriebsrat zu gründen, -wenn die das überhaupt wollen-, wird das akzeptiert?
Schön wäre das und die Besatzungen einer Menge Läden wären auch für Lidl nicht ohne weiteres zu ersetzen. Dennoch, sie würden viel riskieren falls es schief geht, denn irgendwie müssen sie sich schon beteiligen. Und Boykottwächter will wohl niemand einsetzen.
Vielleicht geht es mit öffentlichem Druck durch Appelle. Das funktioniert aber nur, wenn man die, die dort einkaufen müssen nicht permanent als Geizgeile und Ausbeuter diffamiert. Und Lidl hätte eins geschafft. Die Akzeptanz als Wirtschaftsunternehmen wie alle anderen auch.
Aber der Umgang mit solchen Unternehmen muss sich sowieso ändern. Durch Tante Emma Läden kriegt man heute nicht mal ein Dorf versorgt, es sei denn die Bewohner würden ihre Ansprüche runterschrauben, also verzichten. Und wenn z. B. Biogasanlagen gefordert werden, wer liefert die regionalen landwirtschaftlichen Produkte, auf die der Tante Emma Laden angewiesen ist.?.
Und der Kunde sollte auch fordern. Aber wenn er das Gefühl hat, er wird von armen Teufeln bedient, soll er dann denen auch noch Stress machen?
Ich denke, dass Zitat des Artikels trifft schon ein wenig den Kern nicht nur dieses Problems. Wobei Deiche aber keine Abschottung des Problems sind sondern nur eine Art des Umgangs mit diesem. Keine ständige Lösung für alle Zeiten, sondern dem Wandel unterworfen.
Aber viele Kostenrechner werden eher die Allgemeinkosten des Nasebohrens am Arbeitsplatz berechnen, als in der Lage sein, eine Art Wohlfühlfaktor in ihre Kalkulationen einzubauen.
M. E. würde ein Betriebsrat auch einem Unternehmen wie Lidl gut tun. Das Problem sind nur die möglichen Gewrkschaftsbeteiligungen, die aller Erfahrung nach, statt pragmatischer Verhandlungslösungen wieder ideologisch und parteilich fundierte Strukturen wollen. Und so etwas wollen weder Aldi, Lidl und andere, weil nicht nur teuer sondern auch ineffizient.
Es fehlt vielen Arbeitnehmervertretern am notwendigen langen Atem für die kleinen Schritte. Und genau diese sind in Zeiten prekärer und gering bezahlter Arbeitsverhältnisse das Entscheidende. Besser als staatlich verordnete Mindestlöhne und andere festgezurrte Regelungen zur Besitzstandswahrung, die die Nachkommenden und Arbeitslosen nicht berücksichtigen.
Dazu provozieren sie auch weiter in der Politik dem Populismus geschuldete Maßnahmen, denn eine einflussreiche Gruppe sind sie ja. Manchmal fragt man sich allerdings zu wessen Nutzen. Verbal bauen sie Deiche auf, lassen aber zu ihrem eigenen Vorteil eine Menge Wasser durch.
...wenn nicht ich einen Betrug begehe, begeht ihn ein anderer. Wenn nicht ich ein qualitativ miserables Produkt verkaufe, verkauft es ein anderer. Im Einzelhandel herrscht ein gnadenloser, sozial- und wirtschaftsdarwinistischer Wettbewerb. Es geht nicht darum, gemeinsam zu bestehen, sich Marktlücken zu erschließen, nein, es geht darum, am Ende allein auf dem Markt präsent zu sein, die Konkurrenten aufgekauft oder niedergemacht zu haben oder mit anderen Methoden vom Markt verdrängt zu haben. Dieser Verdrängungswettbewerb funktioniert nach einunderselben Methode: zum einen über Dumpingpreise - notfalls wird unter dem Einkaufspreis verkauft - und über Dumping-Löhne und mieseste Arbeitsbedingungen. Letzteres läuft dann oft und gerne ''in Zusammenarbeit mit den örtlichen ARGEN'', was wiederum ein Klima der Angst erzeugt, denn eine Kündigung kann u.U. massive Folgen - wie etwa einen Verlust der Leistungsberechtigung zur Folge haben. Machen wir uns nichts vor: man hat das Gefühl, es in vielen oberen Managementetagen mit "Spielern" zu tun zu haben - und sie geben es so manches Mal auch gerne zu, bezeichnet man sich da dann doch selbst gerne als 'ganz großen Player' am Markt. Das ist dann das ganz große "Big Business".
Unter diesen Voraussetzungen wird der Mitarbeiter zu einem lästigen, aber nicht einsparbaren Übel. Sich selbst einräumende Regale sind noch nicht all zu weit verbreitet - und auch sie müssten immer kontrolliert werden. Der Mitarbeiter, der sich nicht knechten lässt, wird zu einem Feind. Und lässt man einen Betriebsrat zu, dann gehen die Umsätze nach unten und man muss fürchten, zum Übernahmekandidat zu werden. Es gibt ja immer noch jemanden, der alles billiger kann - notfalls mit Umetikettieren abgelaufener Ware, wie es in der Vergangenheit auch vor kam. Und selbst, wenn man trotz Betriebsrat bestehen kann, hat man Sorge in den elitären Clubs als "Kommunistenfreund", "Schmarotzerfütterer" oder gar als ''männliche Mutter-Theresa'' (der wohl schlimmste Vorwurf in der Kaste der Echten Kerle der Manager) in die "Schäm-Dich-Ecke" verwiesen zu werden und nicht mehr mit-playen zu dürfen.
was herum liegt lass nicht liegen, es könnte ja ein Anderer kriegen.
was herum liegt lass nicht liegen, es könnte ja ein Anderer kriegen.
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