Israel Außenminister Lieberman sieben Stunden lang verhört
Fehlstart für Israels neuen Außenminister Lieberman: Für seine Hetzrede erntete er Kritik. Und wegen Korruptionsvorwürfen wurde er verhört
Die Ermittlungen gegen ihn laufen schon seit Jahren, jetzt wurde Israels neuer Außenminister Avigdor Lieberman sieben Stunden lang verhört - nur einen Tag nach seiner offiziellen Amtseinführung. Dem Chef der ultra-nationalen Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) wird Betrug und Bestechung vorgeworfen. So soll er über Bankkonten seiner Tochter auf Zypern Geldwäsche betrieben zu haben.
Nach Angaben eines Polizeisprechers habe der Termin für das Verhör schon länger festgestanden. Zudem solle ein weiteres Verhör in Bälde folgen, ein konkretes Datum stehe jedoch noch nicht fest. Zuvor hatte Lieberman Einspruch gegen die laufende Untersuchung eingelegt, weil sie sich ohne jeden Grund in die Länge ziehe. Das Oberste Gericht hatte den Behörden Mitte März 60 Tage eingeräumt, um ihre Ermittlungen zu Ende zu führen.
Das ist die nicht die einzige Nachricht, mit der Lieberman derzeit im In- und Ausland für Verärgerung gesorgt hat. Bereits gestern machte der 50 Jahre alte Rechtspopulist seinem Ruf als Polterer alle Ehre: Die Übergabezeremonie im Außenministerium verwandelte er in ein politisches Forum und eine Art Abrechnung mit seiner in den USA und Europa geschätzten Vorgängerin Zipi Livni. "Avigdor Lieberman hat der Welt einen Vorgeschmack darauf gegeben, was sie zu erwarten hat", kommentierte die Jerusalem Post .
Bereits an seinem ersten Arbeitstag als Außenminister ging Lieberman mit dem ihm eigenen rabiaten Stil auf die Probleme im Nahen Osten los. "Glaubt jemand, dass Zugeständnisse und die ständige Benutzung des Wortes Friedens irgendwo hinführen? Nein, sie laden nur zu Druck und mehr und mehr Kriegen ein", sagte der Vorsitzende der ultra-nationalen Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel). Als sein Credo zitierte er ein lateinisches Sprichwort: "Wenn du Frieden willst, dann rüste zum Krieg".
In den Worten Liebermans lässt sich der Kurswechsel in der israelischen Außenpolitik kurz zusammenfassen: Frieden mit Israel könne Syrien gern schließen, aber die 1967 besetzten Golan-Höhen würden während seiner Amtszeit nicht zurückgegeben. Außerdem trug er den Annapolis-Friedensprozess endgültig zu Grabe. Jetzt sollen die Palästinenser erst Punkt für Punkt des Nahost-Friedensplanes (Road Map) von 2003 erfüllen, Sie sollten erst alle Terrororganisationen entwaffnen und eine effektive Regierung aufbauen. Mit der Berufung auf die "Road Map", die letztendlich nach einem längeren Prozess zu einem unabhängigen Palästinenserstaat führen soll, erkannte Lieberman allerdings indirekt eine Zwei-Staaten-Lösung an.
- Datum 03.04.2009 - 08:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters 02.04.2009
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Dieses Lachkabinett wird wohl noch schneller abgebrannt sein als alle seine Vorgänger. Hofft man zumindest.
Nichts und niemand kann die radikalzionistischen Phantasmen so schön lächerlich machen wie Herr Liebermann mit seinem Geschrei. Bitte weiter so, Herr Außenminister, wir sehen doch gern zu, wie Sie dem Schrotthaufen der Geschichte zusteuern. Und vergessen Sie nicht, Bibi Netanyahu gleich mitzunehmen!
Frau Livnis *Frühstück von Wolfratshausen* bestand darin, sich dieser Koalition zu verweigern. Ihre Stunde wird kommen.
Hoffentlich ist es die Stunde eines endlich modernen Staatsverständnisses.
Es interessiert wenig, ob ein langatmiges Untreue-Verfahren zu einer Anhörung (das Wort "Verhör" ist falsch in diesem Zusammenhang, liebe dpa) gerade nach Amtsantritt führt. Auch einige Phrasen der Amtsantrittsrede aus dem Zusammenhang gerissen interessieren wenig.
Wir kennen die grundsätzlichen Pateiprogramme von Netanyahu und Lieberman, insbesondere deren Palästina-Strategie. Diese unterscheidet sich stark von der Politik Israels der letzten 10 Jahre.
Nun schauen wir gespannt zu, ob sie es schaffen, die Aufgaben, für die sie gewählt wurden, zu erfüllen :
die Hamas zu entwaffnen, den dauernden Raketenbeschuss zu verhindern und die Palästinenser & Co (Iran, Syrien) zu zwingen, an einer funktionierenden Gesellschaft zu arbeiten.
In jedem Fall kommt Bewegung in den Nahen Osten. Ich gebe auch zu, daß ich mich auf Wortgefechte zwischen Lieberman und Ahmadinejad freue.
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