Milchpreise "Das ist der normale Strukturwandel"

Milchbäuerinnen demonstrieren gegen "unfair" niedrige Preise. Doch Milch wird noch eine Weile billig bleiben, sagt Experte Torsten Hemme.

ZEIT ONLINE: In mehreren deutschen Städten, unter anderem München, Stuttgart, Wiesbaden, Düsseldorf und Kiel, protestieren Milchbäuerinnen gegen die niedrigen Milchpreise. Ein Liter Milch kostet derzeit Verbandsangaben zufolge 23 Cent. Die Bauern fordern 40 Cent. Zu Recht?

Torsten Hemme: Die gegenwärtigen Preise sind für die Bauern desaströs. Die meisten sind Familienbetriebe - wären sie das nicht und müssten die Landwirte sich und ihren Angehörigen die marktüblichen Löhne zahlen, wären sie schon lange Pleite. Viele überleben nur, weil sie darauf verzichten ihre Arbeit zu bezahlen oder Kapital nachschießen, um laufende Kosten zu finanzieren. Auf Dauer kann das nicht funktionieren.

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ZEIT ONLINE: Die Bäuerinnen fordern die Politik auf, die Milchquote zu senken und dadurch das Angebot künstlich zu verknappen, damit der Preis wieder steigt. Was halten Sie davon?

Torsten Hemme erforscht die weltweiten Milchmärkte

Torsten Hemme erforscht die weltweiten Milchmärkte

Hemme: Bis vor wenigen Jahren war der EU-Milchmarkt sehr stark planwirtschaftlich strukturiert. Seither bewegt man sich in Richtung Marktwirtschaft. Vor gut einem Jahr haben die Bauern davon profitiert, damals waren die Preise etwa doppelt so hoch wie heute. Als Folge davon produzierten die Landwirte in der EU und weltweit mehr Milch. Zugleich ging die Nachfrage zurück, unter anderem wegen des globalen Wirtschaftsabschwungs- und des Melamin-Skandals in China. Jetzt haben wir ein Überangebot, und die Preise fallen. Ich  halte es für fraglich, in guten Zeiten die Gewinne mitzunehmen und in schlechten den Staat um Hilfe zu bitten.

ZEIT ONLINE: Was raten Sie den Milchbauern?

Hemme: Sie müssen sich entscheiden. Entweder sie geben den Hof auf, oder sie sagen sich: Augen zu und durch. Das ist im Agrargeschäft aber nicht neu. Schweinemäster agieren in den vergangenen Jahrzehnten auch so.

ZEIT ONLINE: Letzteres ist wohl nur eine Alternative, solange sie noch ein Kapitalpolster haben, von dem sie zehren können. Das bedeutet, dass die Zahl der Milchbauern in Deutschland weiter abnehmen wird.

Leser-Kommentare
  1. Dieses Kommentar ist an alle Milchbauern gerichtet, die sich über den niedrigen Milchpreis beschweren.

    Lasst es sein. Wieso klammert ihr euch an einen Geschäftszweig, der euch nur Schulden bringt. Porduktionskosten liegen bei 29-53Cent/liter, je nach Betrieb und Standort. Und was bekommt ihr dafür? 22Cent, dass macht 7-11Cent Verlust/Liter.
    Da stehen auch die Biobauern und sogar die Demeterbbauern nicht besser da, bei denen momentan die Preise noch schneller purzeln.

    Da könnt ihr noch so oft demonstrienen wie ihr wollt. Weder der Verbraucher ist bereit ein paar Cent mehr zu bezahlen, noch ist es von der Politik gewollt. Wieso sonst wurde erst neulich die Milchquote wieder erhöht. Bestimmt nich, weil es die Milchbauern wollten.

    Damit die Milch-Produktion wieder rentabel wird, müssen viele Milchbauern weg. Die hälfte, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.
    Bei der jetztigen Entwicklung, wird es auch nicht mehr allzu lange dauern.

    Ich komme selbst aus der Landwirtschaft, und sehe wie viele Milchbaurn aufhören, bevor sie sich noch komplett runieren.

    Nun was könnte die Alternative in Zeiten sein, in denen sich die Lebensmittelproduktion nicht lohnt? Die Antwort der meisten Exmilchbauern lautet Biogas.

    Silage in die Biogasanlage und fertig. Damit kann man wieder so viel Geld verdienen, dass die Familie ernährt werden kann. Eine goldene Nase verdient man sich freilich nicht damit.

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    • TDU
    • 06.04.2009 um 21:34 Uhr

    Wenn die Milchbauern so einfach ihren Geschäftszweig ändern könnten, wären sie doch verdammt gut dran.

    ... für eine Sache kämpfen lohnt sich. Die französischen Bauern machen es vor. Das Interview empfinde ich als Frechheit und als Schlag ins Gesicht aller Bauern. Hatten die Bauern nicht erst mit Protesten einen höheren Preis erstritten? Warum hat der Erfolg nicht gehalten? Die Bauern sollten richtig stunk machen, Autobahnen blockieren und Mist vor den Bundestag kübeln und am Besten auch vor das Wohnhaus von dem schlauen Herrn aus dem Interview, der munter von Strukturwandel schwafelt und internationale Konkurrenz meint.

    "Da könnt ihr noch so oft demonstrienen wie ihr wollt. Weder der Verbraucher ist bereit ein paar Cent mehr zu bezahlen..."

    Die Verbraucher spielen gar keine Rolle, die kaufen idR was am Billigsten ist. Normales kapitalistisches Verhalten bei transparenten Produkten. Das Problem bei den Milchpreisen ist die innereuropäische Billigkonkurrenz und die Quasi-Oligo/Monopolsituation bei den Abnehmern.

    • TDU
    • 06.04.2009 um 21:34 Uhr

    Wenn die Milchbauern so einfach ihren Geschäftszweig ändern könnten, wären sie doch verdammt gut dran.

    ... für eine Sache kämpfen lohnt sich. Die französischen Bauern machen es vor. Das Interview empfinde ich als Frechheit und als Schlag ins Gesicht aller Bauern. Hatten die Bauern nicht erst mit Protesten einen höheren Preis erstritten? Warum hat der Erfolg nicht gehalten? Die Bauern sollten richtig stunk machen, Autobahnen blockieren und Mist vor den Bundestag kübeln und am Besten auch vor das Wohnhaus von dem schlauen Herrn aus dem Interview, der munter von Strukturwandel schwafelt und internationale Konkurrenz meint.

    "Da könnt ihr noch so oft demonstrienen wie ihr wollt. Weder der Verbraucher ist bereit ein paar Cent mehr zu bezahlen..."

    Die Verbraucher spielen gar keine Rolle, die kaufen idR was am Billigsten ist. Normales kapitalistisches Verhalten bei transparenten Produkten. Das Problem bei den Milchpreisen ist die innereuropäische Billigkonkurrenz und die Quasi-Oligo/Monopolsituation bei den Abnehmern.

    • TDU
    • 06.04.2009 um 21:34 Uhr

    Wenn die Milchbauern so einfach ihren Geschäftszweig ändern könnten, wären sie doch verdammt gut dran.

    Antwort auf "lasst es sein"
  2. ... für eine Sache kämpfen lohnt sich. Die französischen Bauern machen es vor. Das Interview empfinde ich als Frechheit und als Schlag ins Gesicht aller Bauern. Hatten die Bauern nicht erst mit Protesten einen höheren Preis erstritten? Warum hat der Erfolg nicht gehalten? Die Bauern sollten richtig stunk machen, Autobahnen blockieren und Mist vor den Bundestag kübeln und am Besten auch vor das Wohnhaus von dem schlauen Herrn aus dem Interview, der munter von Strukturwandel schwafelt und internationale Konkurrenz meint.

    "Da könnt ihr noch so oft demonstrienen wie ihr wollt. Weder der Verbraucher ist bereit ein paar Cent mehr zu bezahlen..."

    Die Verbraucher spielen gar keine Rolle, die kaufen idR was am Billigsten ist. Normales kapitalistisches Verhalten bei transparenten Produkten. Das Problem bei den Milchpreisen ist die innereuropäische Billigkonkurrenz und die Quasi-Oligo/Monopolsituation bei den Abnehmern.

    Antwort auf "lasst es sein"
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    • etiam
    • 07.04.2009 um 9:26 Uhr

    Die diversen Ansinnen der Landwirtschaft sind mehr als skuril. In allen anderen Wirtschaftszweigen sind protektionistische Maßnahmen wie Preisfestlegungen, Quoten etc schon lange Geschichte - aus irgendeinem Grund ist die Marktwirtschaft in der Landwirtschaft noch nicht angekommen.
    Kein anderer Wirtschaftszweig entblöded sich, gegen Preise - also der Resultante aus Angebot und Nachfrage - zu demonstrieren - in Frankreich sogar oft gewalttätig - darauf gibt es nur eine richtige Antwort: Knast!
    Einen ungesunden Preiskampf kann es nur bei Überangebot geben - und so wie die nächsten Jahre einige Telefongesellschaften dem ruinösen Preiskampf geschuldet übers Messer springen werden, so wird es notgedrungen auch einigen Milchbauern gehen - das ist Markt!

    • etiam
    • 07.04.2009 um 9:26 Uhr

    Die diversen Ansinnen der Landwirtschaft sind mehr als skuril. In allen anderen Wirtschaftszweigen sind protektionistische Maßnahmen wie Preisfestlegungen, Quoten etc schon lange Geschichte - aus irgendeinem Grund ist die Marktwirtschaft in der Landwirtschaft noch nicht angekommen.
    Kein anderer Wirtschaftszweig entblöded sich, gegen Preise - also der Resultante aus Angebot und Nachfrage - zu demonstrieren - in Frankreich sogar oft gewalttätig - darauf gibt es nur eine richtige Antwort: Knast!
    Einen ungesunden Preiskampf kann es nur bei Überangebot geben - und so wie die nächsten Jahre einige Telefongesellschaften dem ruinösen Preiskampf geschuldet übers Messer springen werden, so wird es notgedrungen auch einigen Milchbauern gehen - das ist Markt!

    • etiam
    • 07.04.2009 um 9:26 Uhr
    4. Skuril

    Die diversen Ansinnen der Landwirtschaft sind mehr als skuril. In allen anderen Wirtschaftszweigen sind protektionistische Maßnahmen wie Preisfestlegungen, Quoten etc schon lange Geschichte - aus irgendeinem Grund ist die Marktwirtschaft in der Landwirtschaft noch nicht angekommen.
    Kein anderer Wirtschaftszweig entblöded sich, gegen Preise - also der Resultante aus Angebot und Nachfrage - zu demonstrieren - in Frankreich sogar oft gewalttätig - darauf gibt es nur eine richtige Antwort: Knast!
    Einen ungesunden Preiskampf kann es nur bei Überangebot geben - und so wie die nächsten Jahre einige Telefongesellschaften dem ruinösen Preiskampf geschuldet übers Messer springen werden, so wird es notgedrungen auch einigen Milchbauern gehen - das ist Markt!

    Antwort auf "Unsinn..."
  3. Ich sehe die Dinge nicht ganz so einfach und unproblematisch wie Herr Hemme.

    Zuvorderst sollte die Nahrungsmittelherstellung anders bewertet werden als die Herstellung eines Handys. Hier kommt auch sehr schnell die Unzulänglichkeit der Ausführungen im Interview zum Vorschein. Die Erzeugung der Milch wird generell renditebezogen bewertet, im Sinne weniger Molkereien und Handelsketten. Schauen wir uns aber einmal an, wie hier die ständige Steigerung der Rendite erfolgt, kann dies schlußendlich nicht im Sinne der Verbraucher liegen. Betrachten wir das Ganze einmal etwas genauer.

    Die Milchquote der einzelnen Kuh wird durch ständige Überzüchtungen gesteigert. Mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, wo eine "Hochleistungskuh" nicht einmal mehr Gras verträgt, sondern ausschließlich zugeschnittenes Kraftfutter. Auch dessen Erzeugung ist bereits mehr als problematisch.

    Die Weiterverarbeitung erfolgt in Masse durch wenige überregionale Molkereien. Hierdurch kommt nicht wie suggeriert ein marktwirtschaftliches Element zum tragen, sondern eine Monopolsituation. Die durch Herrn Hemme suggerierte marktwirtschaftliche Preisgestaltung für Deutschland ist hierbei eine glatten Lüge. Sehr gut auch zu sehen während der letzten Proteste der Milchbauern. Als die Großmolkereien zur Wahrung ihrer Vormachtstellung bereit waren zumindest zeitweise den wesentlich höheren Preis für Milch aus Tschechien und Polen zu bezahlen. Welcher übrigens zu diesem Zeitpunkt sogar noch über der Forderung der Milchbauern lag.

    Ein Vorkommentator wies auf die Möglichkeit der Umstellung auf andere Geschäftsfelder durch die Bauern hin. Begründet wird dies mit der Notwendigkeit eines Strukturwandels. Daran ist auf dem ersten Blick natürlich nichts einzuwenden. Ein Strukturwandel ist ja nicht generell schlimm. Die Sache hat nur einen Haken, ein Strukturwandel liegt hier überhaupt nicht vor. Schließlich wird ja nicht eine Produktion von Plattenspielern zugunsten des CD-Player aufgegeben, es geht immer noch um Milch. Es liegt hier ein Zwang zur Rationalisierung vor, ein himmelweiter Unterschied. Vor allem weil dieser nicht zwangsläufig im Interesse der Gesellschaft liegen muß. Und so ist auch die Umstellung auf die Produktion von Biogas zwar an sich kein Problem. Unter der Betrachtungsweise z.Bsp. eines Herrn Hemme werden hier aber sehr schnell die gleichen Probleme auf die Erzeuger zukommen.

    Herr Hemme propagiert ein Bild, welches schlußendlich in der Zerstörung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturen endet. Subtil verpackt in einem halbgaren Interview auf ****-Niveau. Hierbei handelt es sich weder um einen gesunden Wandel noch sinnvolle Anpassungen an die Entwicklung. Es geht einzig und allein um die schlußendliche Konzentration von wirtschaftlicher Macht, zum Nachteil von Gesellschaft und Umwelt, zum Zwecke der Bereicherung weniger.

    Die Bauern sollten versuchen, über genossenschaftliche Strukuren eigene Molkereien zu betreiben, Vertrieb und Verkauf in Eigenverantwortung aufzubauen. Zumindest ein Teil des Marktes sollte hiermit erschließbar sein. Der Staat könnte hier einmal sinnvoll Steuergelder einsetzen. Billiger als die HRE dürfte es allemal werden. Auch über die derzeitige Abhängigkeit der Milchbauern von zweifelhaften Futterquellen muß nachgedacht werden. Die "Optimierung" des Milchviehs bedarf einer sehr kritischen Überprüfung.

    Mit einer regional und umweltgerecht aufgestellten Erzeugung von Milch und Milchprodukten dürfte dem Verbraucher auf jedem Fall besser gedient sein, als mit weiterer Konzentration.

    ____________________________________________________________

    Ich fordere für alle Personen in Führungsverantwortung.
    - jährlich eine Woche Sozialarbeit
    - wöchentlich 3Stunden Geschichtsunterricht
    - eine monatliche Buchbesprechung eines Science-Fiction-Romans.

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    richtig erkannt.

    das problem in der milchwirtschaft ist doch, dass sowohl bauern als auch molkereien nichts anderes im kopf haben als den preisfetisch, der nirgendwo anders hin führt als in agrarindustrielle strukturen, in denen die erzeuger ihre produkte verramschen und letztendlich gesichtslose produkte draus entstehen. scheiblettenkäse, rahmjoghurt mit 0,1 % fett, molketrunk "paradiso" und wasnichtalles. eben jene produkte, die von ingenieuren im labor "entwickelt" werden, und von denen 90% nach kürzester zeit wieder vom markt genommen werden.

    ich bezahle für meine bio-milch 89 cent den liter, direkt ab hof. die liefern sogar: pasteurisiert, homogenisiert, identisch mit dem produkt aus dem supermarkt, aber 20 cent billiger. und der bauer kann davon gut leben, auch wenn seine herde ungefähr ein viertel der größe hat wie der standardbetrieb, und die agrar-bwl'er ob der brachliegenden rationalisierungspotentiale und ungenutzten skaleneffekte womöglich ihre hände überm kopf zusammenschlagen.

    gleiches gilt für den käsebereich: für die käseherstellung gilt die formel 1:10, also aus einem liter milch kriegt man 100g käse. warum verkauft der bauer seine milch für 23 cent den liter an eine meierei, die daraus scheiblettenkäse zum preis von 60 cent pro hundert gramm herstellt? ist da nicht viel mehr luft drin, wenn man den käse selber macht?

    liebe bauern: einfach nur abliefern und sich dann über den preis aufregen, das passt irgendwie nicht zusammen. und, liebe lebensmittelindustrie: tut mal nicht so, als seid ihr unersetzbar.

    richtig erkannt.

    das problem in der milchwirtschaft ist doch, dass sowohl bauern als auch molkereien nichts anderes im kopf haben als den preisfetisch, der nirgendwo anders hin führt als in agrarindustrielle strukturen, in denen die erzeuger ihre produkte verramschen und letztendlich gesichtslose produkte draus entstehen. scheiblettenkäse, rahmjoghurt mit 0,1 % fett, molketrunk "paradiso" und wasnichtalles. eben jene produkte, die von ingenieuren im labor "entwickelt" werden, und von denen 90% nach kürzester zeit wieder vom markt genommen werden.

    ich bezahle für meine bio-milch 89 cent den liter, direkt ab hof. die liefern sogar: pasteurisiert, homogenisiert, identisch mit dem produkt aus dem supermarkt, aber 20 cent billiger. und der bauer kann davon gut leben, auch wenn seine herde ungefähr ein viertel der größe hat wie der standardbetrieb, und die agrar-bwl'er ob der brachliegenden rationalisierungspotentiale und ungenutzten skaleneffekte womöglich ihre hände überm kopf zusammenschlagen.

    gleiches gilt für den käsebereich: für die käseherstellung gilt die formel 1:10, also aus einem liter milch kriegt man 100g käse. warum verkauft der bauer seine milch für 23 cent den liter an eine meierei, die daraus scheiblettenkäse zum preis von 60 cent pro hundert gramm herstellt? ist da nicht viel mehr luft drin, wenn man den käse selber macht?

    liebe bauern: einfach nur abliefern und sich dann über den preis aufregen, das passt irgendwie nicht zusammen. und, liebe lebensmittelindustrie: tut mal nicht so, als seid ihr unersetzbar.

  4. richtig erkannt.

    das problem in der milchwirtschaft ist doch, dass sowohl bauern als auch molkereien nichts anderes im kopf haben als den preisfetisch, der nirgendwo anders hin führt als in agrarindustrielle strukturen, in denen die erzeuger ihre produkte verramschen und letztendlich gesichtslose produkte draus entstehen. scheiblettenkäse, rahmjoghurt mit 0,1 % fett, molketrunk "paradiso" und wasnichtalles. eben jene produkte, die von ingenieuren im labor "entwickelt" werden, und von denen 90% nach kürzester zeit wieder vom markt genommen werden.

    ich bezahle für meine bio-milch 89 cent den liter, direkt ab hof. die liefern sogar: pasteurisiert, homogenisiert, identisch mit dem produkt aus dem supermarkt, aber 20 cent billiger. und der bauer kann davon gut leben, auch wenn seine herde ungefähr ein viertel der größe hat wie der standardbetrieb, und die agrar-bwl'er ob der brachliegenden rationalisierungspotentiale und ungenutzten skaleneffekte womöglich ihre hände überm kopf zusammenschlagen.

    gleiches gilt für den käsebereich: für die käseherstellung gilt die formel 1:10, also aus einem liter milch kriegt man 100g käse. warum verkauft der bauer seine milch für 23 cent den liter an eine meierei, die daraus scheiblettenkäse zum preis von 60 cent pro hundert gramm herstellt? ist da nicht viel mehr luft drin, wenn man den käse selber macht?

    liebe bauern: einfach nur abliefern und sich dann über den preis aufregen, das passt irgendwie nicht zusammen. und, liebe lebensmittelindustrie: tut mal nicht so, als seid ihr unersetzbar.

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    ...das glaube ich eher nicht. Ein angemessener Lohn ist auch hier für den Bauern sicher nicht drin.

    Molkereien sind dazu entstanden, dass Bauern einen sicheren Abnehmer für ihr verderbliches Produkt (bzw. den Rohstoff Milch) haben und dass dieser Rohstoff dann zu weiteren Produkten weiterverarbeitet werden kann.

    Es ist schlicht und einfach für einen Bauern nicht möglich, Butter, Käse, Joghurt, Rahm usw. (also auch Dinge die sie und ich sicher nicht als überflüssigen Ramsch bezeichnen würden) selber am Hof herzustellen. Die Milch zu diesen Produkten zu verarbeiten ist technisch so wie zeitlich sehr aufwändig, wie stellen Sie sich vor, soll das zu bewerkstelligen sein? Ein Bauer bräuchte dazu Ausstattung sowie Mitarbeiter in einem Maße, die den Preis für diese Produkte in eine Höhe treiben würden, die niemand oder sicher nicht ausreichend viele Konsumenten bereit wären zu bezahlen!

    Dass jeder Bauer plötzlich wieder sein eigenes "ab Hof" Süppchen kochen müsste ist weder möglich noch kann es Ziel sein.

    Ich würde Ihnen und mir wünschen, dass man hochwertige, im Land produzierte Milch weiterhin im Supermarkt kaufen kann - zu einem Preis der Bauern wirklich gut leben lässt.

    ...das glaube ich eher nicht. Ein angemessener Lohn ist auch hier für den Bauern sicher nicht drin.

    Molkereien sind dazu entstanden, dass Bauern einen sicheren Abnehmer für ihr verderbliches Produkt (bzw. den Rohstoff Milch) haben und dass dieser Rohstoff dann zu weiteren Produkten weiterverarbeitet werden kann.

    Es ist schlicht und einfach für einen Bauern nicht möglich, Butter, Käse, Joghurt, Rahm usw. (also auch Dinge die sie und ich sicher nicht als überflüssigen Ramsch bezeichnen würden) selber am Hof herzustellen. Die Milch zu diesen Produkten zu verarbeiten ist technisch so wie zeitlich sehr aufwändig, wie stellen Sie sich vor, soll das zu bewerkstelligen sein? Ein Bauer bräuchte dazu Ausstattung sowie Mitarbeiter in einem Maße, die den Preis für diese Produkte in eine Höhe treiben würden, die niemand oder sicher nicht ausreichend viele Konsumenten bereit wären zu bezahlen!

    Dass jeder Bauer plötzlich wieder sein eigenes "ab Hof" Süppchen kochen müsste ist weder möglich noch kann es Ziel sein.

    Ich würde Ihnen und mir wünschen, dass man hochwertige, im Land produzierte Milch weiterhin im Supermarkt kaufen kann - zu einem Preis der Bauern wirklich gut leben lässt.

  5. ...das glaube ich eher nicht. Ein angemessener Lohn ist auch hier für den Bauern sicher nicht drin.

    Molkereien sind dazu entstanden, dass Bauern einen sicheren Abnehmer für ihr verderbliches Produkt (bzw. den Rohstoff Milch) haben und dass dieser Rohstoff dann zu weiteren Produkten weiterverarbeitet werden kann.

    Es ist schlicht und einfach für einen Bauern nicht möglich, Butter, Käse, Joghurt, Rahm usw. (also auch Dinge die sie und ich sicher nicht als überflüssigen Ramsch bezeichnen würden) selber am Hof herzustellen. Die Milch zu diesen Produkten zu verarbeiten ist technisch so wie zeitlich sehr aufwändig, wie stellen Sie sich vor, soll das zu bewerkstelligen sein? Ein Bauer bräuchte dazu Ausstattung sowie Mitarbeiter in einem Maße, die den Preis für diese Produkte in eine Höhe treiben würden, die niemand oder sicher nicht ausreichend viele Konsumenten bereit wären zu bezahlen!

    Dass jeder Bauer plötzlich wieder sein eigenes "ab Hof" Süppchen kochen müsste ist weder möglich noch kann es Ziel sein.

    Ich würde Ihnen und mir wünschen, dass man hochwertige, im Land produzierte Milch weiterhin im Supermarkt kaufen kann - zu einem Preis der Bauern wirklich gut leben lässt.

    Antwort auf "word up,"
    • Julesy
    • 08.10.2009 um 11:53 Uhr

    Angesichts der Unkenntnis und Naivität einiger Kommentare bleibt einem nicht viel übrig als Ratlosigkeit und Angst vor dieser gesellschaftlichen Entwicklung.
    Natürlich kann man der freien Marktwirtschaft einfach ihren Lauf lassen und sich dann in einigen Jahren, wenn alle kleinen Betriebe dicht gemacht haben, über plötzlich horrend hohe Milchpreise wundern, die von einigen wenigen "Milchkartellen" diktiert werden können.
    Dass diese Milchfabriken dann nichts mehr mit artgerechter Tierhaltung und gesunder Nahrugsmittelproduktion zu tun haben steht wohl außer Frage.
    Die Resonanz in meinem Umfeld ist eher so dass eben DOCH viele Verbraucher bereit wären mehr für fair gehandelte Milch zu zahlen!!!
    Achja und die Kapazitäten für Biogasanlagen sind längst nicht so hoch wie man denkt, und auch hier wird Deutschland nicht lange mit Ländern mithalten können die uns aufgrund ihrer Fläche und ihrem Produtionsniveau weit überlegen sind.
    Aber wer es sich einfach machen möchte darf gerne weiter an die Selbstregulierung des Marktes glauben. Ich wünsche guten Appetit und hoffe dass die europäischen Milchbauern sich nicht unterkriegen lassen!!!

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