Waffentest Nordkoreas Waffentest hat viele Gründe Seite 2/2

Als weiteres effektvolles Signal gegenüber Kims Konkurrenten im Land ist zudem die Terminierung des Abschusses zu sehen: Am 9. April beginnt mit der konstituierenden Sitzung der Obersten Volksversammlung die neue Amtsperiode des Parlamentes. Dieses Pseudo-Parlament als höchste politische Institution Nordkoreas nickt die Beschlüsse der kommunistischen Herrschaftskaste ab.

Außenpolitisch richtet sich die Rakete unter anderem gegen Südkorea. Der konservative Präsidenten Lee Myung Bak drängt auf erkennbare atomare Abrüstung durch Pjöngjang, weshalb Nordkorea Seoul in den letzten Wochen wiederholt mit Vernichtung gedroht hat und Ende Januar die Abkommen mit Südkorea über Aussöhnung und Entspannung aufgekündigte.

Drohungen, die sich auch gegen Seouls Schutzmacht USA richten. Pjöngjang will sich für künftige Verhandlungen über sein Atom- und Raketenprogramm in eine neue Ausgangslage bringen. Auf jeden Fall macht es die Verhandlungen über sein Atomprogramm mit der Sechsergruppe – USA, Russland, China, Südkorea und Japan – komplizierter.  Auf den ersten Blick hat Nordkorea seine regionale Stärke ausgeweitet. Aber China beispielsweise, das als eines der letzten Staaten weltweit engeren Kontakt hält, ist genauso wenig an einem Nordkorea mit Atomraketen interessiert wie Japan oder Südkorea.

Raketentechnik als Exportware

Nordkoreas Rechnung, über eine aggressive Raketenpolitik internationale Anerkennung zu bekommen, könnte auch scheitern. Vor allem die dringend benötigte Wirtschaftshilfe kann in der Folge weiter eingeschränkt werden. Immerhin gehen Experten nicht davon aus, dass das Land derzeit technisch in der Lage ist, einen atomaren Sprengkopf für eine Rakete herzustellen. Nordkorea hat 2006 erstmals eine Atomwaffe getestet.

Nicht zuletzt ist der Export von Raketentechnik eine lukrative Einnahmequelle für Nordkorea, das ansonsten praktisch nichts exportieren kann. Pjöngjang hat bereits andere Raketen an Syrien und womöglich an Pakistan verkauft, Iran hat Interesse an der Taepodong-2 bekundet. Auch dies im Übrigen einer der Gründe für die extreme Geheimnistuerei des nordkoreanischen Regimes – abgesehen von der dauerhaften Paranoia diktatorischer Systeme vor echten und vermeintlichen Feinden.

Der international nächste Schritt ist nun, dass nach dem Willen von Japan und den USA der Raketenabschuss durch den UN-Sicherheitsrat verurteilt wird. Zudem wollten beide Länder eine Resolution durchbringen, in der die Verschärfung der bestehenden Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang gefordert wird. Ob sich das 15 Mitglieder zählende Gremium der Vereinten Nationen zu einer gemeinsamen Position durchringen kann, ist jedoch fraglich.

Mehrere Diplomaten machten bereits deutlich, dass keines der Länder im Sicherheitsrat ernsthaft daran interessiert sei, neue Sanktionen zu beschließen. Nordkorea hatte damit gedroht, im Falle von Strafmaßnahmen seine Fabrik zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium wieder in Betrieb zu nehmen und die Sechs-Parteien-Gespräche zu beenden. (Mit Reuters)
 

 
Leser-Kommentare
  1. Nein. Es gibt nur einen Grund: Der nordkoreanische Kommunismus wollte beweisen, dass er fähig ist, Langstreckenrakenten zu bauen. Der Beweis ist gelungen. Das lässt hoffen.

  2. Der Konflikt hatte seinen Ursprung, das ist richtig. Unverhältnismäßigkeit der Amerikaner im Koreakrieg ist gewiss zu milde ausgedrückt. Aber auch wenn wir das „Kriegsverbrechen“ oder „Menschenrechtsverletzungen“ nennen, hat es meiner Meinung nach wenig mit der heutigen nordkoreanischen Aggressions- oder aus ihrer Sicht- „Verteidigungs-Politik“ zutun.

    Die realsozialistische Diktatur behandelt ihre eigene Bevölkerung wie den letzten Dreck. Ich glaube, dass das heutige Regime nicht wirklich darum kehrt, wie die Zivilbevölkerung im Koreakrieg gelitten hat. Vermutlich läuft die nordkoreanische Propagandamaschinerie dies bezüglich noch gekonnt weiter aber das Wohl der Bevölkerung war und ist Kim Yong Il total egal.

    Das begründe ich nicht nur auf den dutzenden Arbeits- und Gefangenenlagern, öffentlichen Hinrichtungen, Verfolgungen Andersdenkender etc. sondern vielmehr auf die scheinbar willkürliche „Inkaufnahme“ unendlich vieler Sanktionen, die den Lebensstandart für 95% der Einwohner in ein absolutes Vakuum drücken- nur um keinen Zentimeter von seinem atomaren Aufrüstungskurs abzuweichen.

    Was will Nordkorea eigentlich erreichen? Innenpolitisch steht die Diktatur ja augenscheinlich noch auf allen vier Beinen und hat, dank Ausradierens Andersdenkender erst mal auch nichts zu befürchten. Die weitere Verarmung der Bevölkerung wird da auch erst mal nichts drehen- hat ja bis jetzt auch nicht geholfen. Viel ärmer geht ja leider gar nicht mehr. So gesehen kann man die „Bestrafung“ mit Sanktionen ja schon fast vergessen?! So lange man den Waffenhandel (Nord Korea zu Iran, Syrien etc.) nicht unterbindend, der ja quasi die einzige richtige Einnahmequelle ist, ändert sich, denke ich gar nichts. Was sagt ihr dazu? Wie kann man dieses Land realistisch stoppen, mal abgesehen von irgendwelchen Militäraktionen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • yato
    • 06.04.2009 um 4:19 Uhr

    man müsste das Bild, das wir von dieser Diktatur haben an die nordkoreansche Bevölkerung bringen, auch an die Militärs, damit sie die Lügen der Unterdrückung erkennen. die Nordkoreaner sind total abgeschottet von der Welt und glauben die Propaganda.

    Ein Satellit über Nordkorea der in der Landessprache sendet und wo sich auch die geflüchteten zu Wort melden und wo CNN etc. auf nordkoreanisch übersetzt wird.
    Oder TV Sender Relais Stationen in diesen High Tech Drohnen, die sich dank Solarzellen in 20 km Höhe dauerhaft halten? Oder Handys mit Videofunktion an Fallschirmchen abwerfen mit Aufklärungs-Filmen drauf und mit Anleitung auf nordkoreanisch, einschliesslich passenden Netzkabeln etc. (oder One-laptop-per-child OLPC)
    10.000 Handys oder Laptops kosten ca. 2 Millionen Dollar

    ...nur ein bischen Brainstorming hier ;-)

    Eine UNO, die mit ihren Truppen Länder/Völker blitzartig aus Diktaturen befreit dauert ja wohl noch ein paar Milliarden Jahre auf diesem teilintelligenten Planeten

    Hallo wiezoreck

    Wenn es richtig ist was Sie schreiben kann man aus Ihrem Beitrag ableiten, wie der Sozialismus NICHT sein soll und wie ein künftiger Kommunismus aussehen könnte:

    1. Keine politische und mediale Propaganda sondern an der wahrheitsgemässen Darstellung der Realität orientierte Aufklärung der Bevölkerung.
    2. Keine Bedrohung anderer Länder sondern Sicherung und Wachstum des Friedens in der Welt.
    3. Sicherung der Menschenrechte.
    4. Wertschätzung der Wünsche und des Wohls der Bevölkerung durch die Elite.
    5. Keine Zwangsarbeitslager sondern Berücksichtigung der Freiheit der Berufswahl der Bevölkerung - im Rahmen der Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Dazu gehört auch eine anständig finanzierte Arbeitszeitverkürzung für alle Arbeitnehmer sowie eine Überprüfung der Entlohnung für verschiedene Berufe.
    6. Nicht weitere Verarmung der Bevölkerung sondern Reichtum für alle. Die Hartz-IV-Empfänger - da haben Sie vollkommen Recht - dürfen wirklich nicht mehr ärmer gemacht werden, da ist die absolute Untergrenze erreicht.
    7. Der Waffenhandel ist im Grunde gar keine wirtschaftliche Aktivität. Er dient nur der sinnlosen Zerstörung von Menschenleben. Zerstörung ist unwirtschaftlich weil unproduktiv. Wir haben mittlerweile genug Waffen auf der Welt, dass deren Produktion eingestellt werden kann. An Waffen Geld zu verdienen ist im übrigen unmoralisch.

    • yato
    • 06.04.2009 um 4:19 Uhr

    man müsste das Bild, das wir von dieser Diktatur haben an die nordkoreansche Bevölkerung bringen, auch an die Militärs, damit sie die Lügen der Unterdrückung erkennen. die Nordkoreaner sind total abgeschottet von der Welt und glauben die Propaganda.

    Ein Satellit über Nordkorea der in der Landessprache sendet und wo sich auch die geflüchteten zu Wort melden und wo CNN etc. auf nordkoreanisch übersetzt wird.
    Oder TV Sender Relais Stationen in diesen High Tech Drohnen, die sich dank Solarzellen in 20 km Höhe dauerhaft halten? Oder Handys mit Videofunktion an Fallschirmchen abwerfen mit Aufklärungs-Filmen drauf und mit Anleitung auf nordkoreanisch, einschliesslich passenden Netzkabeln etc. (oder One-laptop-per-child OLPC)
    10.000 Handys oder Laptops kosten ca. 2 Millionen Dollar

    ...nur ein bischen Brainstorming hier ;-)

    Eine UNO, die mit ihren Truppen Länder/Völker blitzartig aus Diktaturen befreit dauert ja wohl noch ein paar Milliarden Jahre auf diesem teilintelligenten Planeten

    Hallo wiezoreck

    Wenn es richtig ist was Sie schreiben kann man aus Ihrem Beitrag ableiten, wie der Sozialismus NICHT sein soll und wie ein künftiger Kommunismus aussehen könnte:

    1. Keine politische und mediale Propaganda sondern an der wahrheitsgemässen Darstellung der Realität orientierte Aufklärung der Bevölkerung.
    2. Keine Bedrohung anderer Länder sondern Sicherung und Wachstum des Friedens in der Welt.
    3. Sicherung der Menschenrechte.
    4. Wertschätzung der Wünsche und des Wohls der Bevölkerung durch die Elite.
    5. Keine Zwangsarbeitslager sondern Berücksichtigung der Freiheit der Berufswahl der Bevölkerung - im Rahmen der Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Dazu gehört auch eine anständig finanzierte Arbeitszeitverkürzung für alle Arbeitnehmer sowie eine Überprüfung der Entlohnung für verschiedene Berufe.
    6. Nicht weitere Verarmung der Bevölkerung sondern Reichtum für alle. Die Hartz-IV-Empfänger - da haben Sie vollkommen Recht - dürfen wirklich nicht mehr ärmer gemacht werden, da ist die absolute Untergrenze erreicht.
    7. Der Waffenhandel ist im Grunde gar keine wirtschaftliche Aktivität. Er dient nur der sinnlosen Zerstörung von Menschenleben. Zerstörung ist unwirtschaftlich weil unproduktiv. Wir haben mittlerweile genug Waffen auf der Welt, dass deren Produktion eingestellt werden kann. An Waffen Geld zu verdienen ist im übrigen unmoralisch.

    • yato
    • 06.04.2009 um 4:19 Uhr

    man müsste das Bild, das wir von dieser Diktatur haben an die nordkoreansche Bevölkerung bringen, auch an die Militärs, damit sie die Lügen der Unterdrückung erkennen. die Nordkoreaner sind total abgeschottet von der Welt und glauben die Propaganda.

    Ein Satellit über Nordkorea der in der Landessprache sendet und wo sich auch die geflüchteten zu Wort melden und wo CNN etc. auf nordkoreanisch übersetzt wird.
    Oder TV Sender Relais Stationen in diesen High Tech Drohnen, die sich dank Solarzellen in 20 km Höhe dauerhaft halten? Oder Handys mit Videofunktion an Fallschirmchen abwerfen mit Aufklärungs-Filmen drauf und mit Anleitung auf nordkoreanisch, einschliesslich passenden Netzkabeln etc. (oder One-laptop-per-child OLPC)
    10.000 Handys oder Laptops kosten ca. 2 Millionen Dollar

    ...nur ein bischen Brainstorming hier ;-)

    Eine UNO, die mit ihren Truppen Länder/Völker blitzartig aus Diktaturen befreit dauert ja wohl noch ein paar Milliarden Jahre auf diesem teilintelligenten Planeten

  3. Sicher wächst die Intelligenz der Menschen, auch die von deren Führern, nur allmählich. Wir sollten uns also auf einen langfristigen Wachstumsprozess in Nordkorea vorbereiten. Mit militärischen Mitteln kann man Intelligenz schon gar nicht steigern. Das geht nur mit einem guten Bildungssystem.

    Allerdings sollten wir die Fehler von Kim Yong Il nicht verallgemeinern. Es gibt schon gute Politik auf diesem Planeten. Und die sollten wir suchen. Beispiele gibt es genug. Ob es in Nordkorea wirklich nur unterdrückte Menschen gibt, die ihr Leben trostlos fristen weiss ich nicht. Jedenfalls sollten Andersdenkende nicht mit der Todesstrafe bedroht werden - die im übrigen global abgeschafft werden muss, um Fortschritte zu erreichen.

    Ob nur Nordkoreaner belogen werden weiss ich auch nicht, vielleicht werden wir durch unsere chaotische Medien- und Politiklandschaft genau so belogen - oder wir belügen uns selbst, wenn wir alles nur schwarz malen.

    Ich jedenfalls lasse mir meine gute Laune durch Hiobsboschaften nicht vermiesen...

  4. Hallo wiezoreck

    Wenn es richtig ist was Sie schreiben kann man aus Ihrem Beitrag ableiten, wie der Sozialismus NICHT sein soll und wie ein künftiger Kommunismus aussehen könnte:

    1. Keine politische und mediale Propaganda sondern an der wahrheitsgemässen Darstellung der Realität orientierte Aufklärung der Bevölkerung.
    2. Keine Bedrohung anderer Länder sondern Sicherung und Wachstum des Friedens in der Welt.
    3. Sicherung der Menschenrechte.
    4. Wertschätzung der Wünsche und des Wohls der Bevölkerung durch die Elite.
    5. Keine Zwangsarbeitslager sondern Berücksichtigung der Freiheit der Berufswahl der Bevölkerung - im Rahmen der Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Dazu gehört auch eine anständig finanzierte Arbeitszeitverkürzung für alle Arbeitnehmer sowie eine Überprüfung der Entlohnung für verschiedene Berufe.
    6. Nicht weitere Verarmung der Bevölkerung sondern Reichtum für alle. Die Hartz-IV-Empfänger - da haben Sie vollkommen Recht - dürfen wirklich nicht mehr ärmer gemacht werden, da ist die absolute Untergrenze erreicht.
    7. Der Waffenhandel ist im Grunde gar keine wirtschaftliche Aktivität. Er dient nur der sinnlosen Zerstörung von Menschenleben. Zerstörung ist unwirtschaftlich weil unproduktiv. Wir haben mittlerweile genug Waffen auf der Welt, dass deren Produktion eingestellt werden kann. An Waffen Geld zu verdienen ist im übrigen unmoralisch.

  5. Kann mal bitte ein Verantwortlicher den Beitrag Korrektur lesen? Es ist ja furchtbar, in einem renommierten Blatt wie "die Zeit" derartig viele Rechtschreibfehler auf zwei Seiten gequetscht sehen zu müssen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service