Die Erleichterung war Udo Voigt deutlich anzumerken, als er am Sonntagnachmittag zum Ende des NPD-Parteitags in Berlin eine Pressekonferenz abhielt: Zwar hat sich an den Finanznöten der Partei nichts geändert. Fast der komplette Vorstand ist ihm von der Fahne gegangen.

Aber er ist immer noch Vorsitzender. Vor dem Parteitag hatte er angekündigt, er wolle sein "Lebenswerk" verteidigen und eine Richtungsänderung hin zu moderaterem Auftreten und weniger NS-Nostalgie verhindern. Das ist ihm gelungen.

Voigt hat seinen Posten am Wochenende verteidigen können – sich dafür aber noch enger an den neonazistischen Flügel der Partei gebunden. Bis spät in die Nacht war am Sonnabend vor den Augen der 214 Delegierten und handverlesener Gäste eine Schlammschlacht ausgetragen worden, wie sie selbst langjährige Mitglieder noch nicht erlebt hatten.

Die "Kameraden" hielten sich gegenseitig außereheliche Affären vor und beschimpften sich für vermeintlich jüdische Charakterzüge. Voigt wurde vorgeworfen, die Veruntreuung Hunderttausender von Euro durch Ex-Schatzmeister Erwin Kemna nicht nur zugelassen, sondern sich auch selbst an der Parteikasse bedient zu haben.

Am Ende konnte er die Partei dann doch um sich scharen. Die Kampfabstimmung gegen Udo Pastörs, den Vorsitzenden der Schweriner NPD-Landtagsfraktion, entschied er mit 136 zu 78 Stimmen deutlich für sich.

Gegen seine Kritiker, die vor allem in den Landtagsfraktionen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sitzen, verbündete sich Voigt mit dem offen NS-nostalgischen Flügel der Partei. Als einziger Parteivize im Amt bestätigt wurde Jürgen Rieger, der offen antisemitische und rassistische Anwalt aus Hamburg. Auch dessen Vertrauten Thomas Wulff, der sich nach einem SS-General mit Spitznamen "Steiner" nennen lässt, schlug Voigt für einen Vorstandsposten vor.

Im vergangenen Jahr hatte er Wulff noch scharf gerügt, nachdem dieser eine Hakenkreuzfahne auf das Grab eines Altnazis in Passau gelegt und Voigt damit inner- wie außerhalb der Partei in Erklärungsnöte gebracht hatte. Man habe sich "ausgesprochen", sagte Voigt nun lapidar, als hätte es sich um einen Dumme-Jungen-Streich gehandelt.

Wulff habe versichert, dass er ihn nicht habe kompromittieren wollen. Im übrigen könne er ja verstehen, "dass jeder alte Soldat oder SS-Angehörige mit seiner Fahne begraben" werden wolle. Das ist das Gegenteil der "Zukunftsorientierung" seiner Partei, die Voigt sonst gern beschwört.

Neben Rieger und Wulff sitzen im Bundesvorstand künftig mindestens zwei weitere Vertreter des neonazistischen Flügels: Thorsten Heise und Andreas Thierry. Dagegen haben sich alle prominenten Vertreter der eher gemäßigten und bürgerlich auftretenden Strömung zurückgezogen. "Das ist mit Sicherheit eine Radikalisierung", kommentierte selbst Matthias Faust, der Vorsitzende der ebenfalls rechtsextremistischen DVU, der mit Voigt im Herbst über eine Fortsetzung der Kooperation verhandeln muss.

Der quälende Machtkampf ist also fürs Erste entschieden, als gemäßigte Partei aber kann sich die NPD nun noch weniger als zuvor präsentieren.