Urteil gegen Fujimori Ex-Präsident von Peru schuldig gesprochenSeite 2/2
15 Menschen, darunter ein achtjähriges Kind, starben am 3. November 1991 im Kugelhagel einer der blutigsten Episoden der Vernichtungswelle, die zu Zeiten von Fujimoris Anti-Terror-Krieg ganz Peru erschütterte. Die Opfer hielten sich auf einem Grundstück im Limaer Distrikt Barrios Altos auf, als sie von Mitgliedern der paramilitärischen Colina-Gruppe überrascht wurden. Kein Jahr war vergangen, als am 18. Juli 1992 neun Studenten und ein Dozent der Universidad Nacional de Educación, auch bekannt als "La Cantuta", entführt und getötet wurden. Es handelte sich um die letzte einer Reihe von acht Vernichtungsoperationen der Colina-Gruppe. Durch diesen Fall kam zutage, dass Militärs des Geheimdienstes (SIE) die Massaker geplant hatten.
Die Limaer Richter sind der Ansicht, dass Alberto Fujimori, der sich als Präsident der Republik an der Spitze der Befehlskette des Verteidigungsministeriums befand, Mitverantwortung für diese Massaker trug. Es sei schwer sich vorzustellen, dass eine paramilitärische Gruppe wie Colina, die innerhalb der Hierarchie des Militärs entstanden war, ohne das Wissen des Präsidenten und Obersten Befehlshabers existieren konnte.
Der bis dahin nahezu unbekannte Agrarwissenschaftler Alberto Fujimori war am 28. Juli 1990 an die Macht gekommen und bald unter dem Spitznamen "El Chino" ("Der Chinese") populär geworden. Nach einem aggressiven Wahlkampf hatte er den berühmten Romancier Mario Vargas Llosa in der Stichwahl besiegt. Er bekam ein Land, das von Korruption und dem Terror der Rebellengruppe Leuchtender Pfad schwer angeschlagen war. Mit den Versprechen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, die staatlichen Organe zu bereinigen und die Guerrilleros zu vernichten, begann vor 19 Jahren ein berüchtigtes Regime der jüngsten lateinamerikanischen Geschichte.
Sieben Jahre später – und bereits mit zahlreichen Vorwürfen belastet – bewarb sich Alberto Fujimori um die Wiederwahl. Ein Zeitungsbericht brachte ihn in Bedrängnis: Der Präsidentschaftskandidat hat vermutlich mehr als eine Million Unterschriften fälschen lassen, um eine unabhängige Partei zu gründen. Er gewann die Wahl, doch wenig später wurde es eng für den Präsidenten. Etliche Dokumente belasteten ihn und seinen Stab; sein engster Vertrauter Montesinos floh an Bord eines Schiffes in die Karibik. Schließlich musste auch er fliehen: Während einer Reise zum Gipfel der APEC in Brunei flog er nach Tokio und blieb dort – Fujimori besitzt die japanische Staatsbürgerschaft. Er verkündete seinen Rücktritt per Fax.
Ende 2006 reiste er nach Chile, um eine neue politische Kampagne einzuläuten, wurde jedoch von den chilenischen Behörden festgenommen und ein Jahr später an Peru ausgeliefert. Nun hat ihn das Gesetz eingeholt.
- Datum 08.04.2009 - 09:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE 7.4.2009 - 21:30 Uhr
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