Blogs "Wer etwas zu sagen hat, sollte gehört werden können"Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Als jangjähriger Blogger kennen Sie sich in der Blogosphäre bestens aus. Werden Blogs künftig noch an Bedeutung gewinnen?
Schultheis: Ich bin kein Prophet. Blogs wie etwa das Lawblog des Rechtsanwalts Udo Vetter empfinde ich persönlich als eine große Bereicherung. Ich mag sein Blog lieber als etwa die entsprechenden Artikel in der FAZ, würde ihm aber schlimmstenfalls weniger nachtrauern. Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass in den etablierten Medien kaum ein Satz geschrieben und gesagt, kein Beitrag veröffentlicht wird, der nicht getragen ist von dem Bewusstsein, die berühmte "vierte Macht im Staate" zu sein. Jeder will partei-, kultur-, wirtschafts- oder medienpolitisch mitmischen und mitspielen. Das schiere Informationsinteresse wird dabei oft aus den Augen verloren. Wenn man hingegen lange genug im Meinungswirrwarr und Geplapper der Blogger sucht, finden sich dort unbekümmerte und erstaunlich ideologiefreie Winkel, in denen mir Experten und Halblaien oft mehr weiterhelfen als eine Spiegel-Titelstory.
ZEIT ONLINE: Auf der re:publica wurden diese Woche teilweise die Kämpfe zwischen "alten" und "neuen" Medien über die Qualität von Journalismus im Web noch einmal ausgetragen. Es gibt immer noch die Standpunkte "im Internet gibt es zu viel Müll" oder "die Medien haben versagt". Wird sich das ändern?
Schultheis: Ich hoffe das sehr. Recht haben schließlich beide Seiten. Nur ließe sich die in den Streit investierte Leidenschaft bestimmt sinnvoller nutzen. Auch hier vielleicht noch mal zum bildblog: Das war immer ein journalistisches Blog.
ZEIT ONLINE: Was bedeutet für Sie bloggen und werden sie an anderer Stelle weiterschreiben?
Schultheis: Ich bin Journalist. Ob für ein Blog, sonst wo im Internet oder für klassische Medien war und ist für mich zweitrangig. Wann immer ich bisher irgendwo mit dem Journalismus aufgehört habe, war das, was danach kam, dann doch wieder Journalismus.
ZEIT ONLINE: Brauchen wir mehr Blogs?
Schultheis: Die Frage beispielsweise, ob es bildblog braucht, haben wir uns nicht gestellt. Wir haben es gemacht! Wer etwas zu sagen hat, sollte gehört werden können. Blogs erleichtern das ungemein.
Die Fragen stellte Sven Stockrahm
- Datum 14.04.2010 - 12:46 Uhr
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