Krisenpolitik "Umweltprämie? Das ist ein Witz"Seite 2/2

Kritisiert die Ausgestaltung der Abwrackprämie: Umweltexperte Dieter Teufel

Kritisiert die Ausgestaltung der Abwrackprämie: Umweltexperte Dieter Teufel

Teufel: Rein technisch könnten sie viel mehr schaffen. Aber sie folgen ihren ökonomischen Interessen. Sie bauen, was der Kunde nachfragt. Als die Benzin- und Dieselpreise im vergangenen Jahr stark stiegen, ist der Spritverbrauch in Deutschland sofort deutlich gesunken. Die Leute fuhren weniger und defensiver. Wäre der Treibstoff langfristig auf diesem Niveau geblieben, hätte das sicher Auswirkungen auf die Modellpalette gehabt.

ZEIT ONLINE: So schnell können die Konzerne doch gar nicht reagieren.

Teufel: Nein, denn die Autoindustrie funktioniert in langfristigen Zyklen. Die Entwicklung neuer Modelle dauert Jahre und ist sehr kapitalintensiv. In der Krise fehlt der Industrie  erst recht das Geld, um zu investieren. Da liegen große Potenziale brach.

ZEIT ONLINE: Müsste die Politik da nicht nachhelfen?

Teufel: Sie hätte zum Beispiel den Rückgang der Energiepreise durch eine Steuer ausgleichen können. Dann wären Benzin und Diesel teuer geblieben, und die Konzerne hätten einen langfristigen Anreiz gehabt, in die Entwicklung sparsamerer Autos zu investieren. Mit dem Geld hätte der Staat die Lohnnebenkosten niedrig halten können, ähnlich wie er das mit der Ökosteuer schon einmal getan hat. Das hätte dem Arbeitsmarkt geholfen.

Aus ökonomischer Sicht wäre das effizienter gewesen, als dem CO2-Ausstoß von Neuwagen absolute Grenzwerte zu setzen: Der Staat gibt stabile Rahmenbedingungen vor, in diesem Fall durch den hohen Treibstoffpreis, und die Konzerne können dann selbst sehen, wie sie damit umgehen.  

ZEIT ONLINE: Und was hätte der Staat tun können, damit aus der Abwrackprämie tatsächlich eine Umweltprämie wird?

Teufel: Prinzipiell ist die Subvention einer Sparte ökonomisch nicht sinnvoll. Aber wenn man es schon macht, hätte der Staat die Prämie nur für den Kauf von Autos zahlen können, die unter einem bestimmten CO2-Wert bleiben und die relativ strengen Schadstoff-Vorgaben der Euronorm 5 erfüllen. Die gibt es ja schon. Stattdessen orientiert man sich an der weniger rigiden Euronorm 4, die jedes neue Fahrzeug sowieso erfüllen muss. Das ist pure Augenwischerei.

Dieter Teufel ist Biologe und Systemanalytiker. Er leitet das UPI in Heidelberg. Die Fragen stellte Alexandra Endres
 

 
Leser-Kommentare
  1. Mehr ist aus diesem Interview nicht zu entnehmen.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

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    Was erwarten Sie denn? Die Regierung hat die richtigen Dinge nun einmal nicht getan, dafür hat die deutsche Sprache den Konjunktiv.

    Was erwarten Sie denn? Die Regierung hat die richtigen Dinge nun einmal nicht getan, dafür hat die deutsche Sprache den Konjunktiv.

  2. Was erwarten Sie denn? Die Regierung hat die richtigen Dinge nun einmal nicht getan, dafür hat die deutsche Sprache den Konjunktiv.

    • hareck
    • 15.04.2009 um 11:52 Uhr

    und aus der Wegwerfgesellschaft eine Verschrottungsgesellschaft gemacht.

    • gquell
    • 15.04.2009 um 12:12 Uhr

    Ich hatte in den 80ern einen Golf Diesel, der auf 100km etwa 5l verbrauchte. Das Teil hatte mich über 200.000km sicher und zuverlässig und vor allem billig bewegt.

    Danach fuhr ich in den Neuzigern einen Scirocco mit 85PS ohne Kat, der auch etwa 7l/100km Normal verbrauchte. Das Nachfolgemodell mit GKat verbrauchte dann knapp 9l/100km. Ich habe mich damals schon gefragt, ob der Mehrverbrauch den Kat aufwiegt, insbesonders deswegen, weil ich viele Kurzstrecken gefahren bin. Der Kat hatte gar nicht seine volle Wirksamkeit erreichen können.

  3. Es ist eine dreiste Frechheit einer rat- und kopflosen Regierung und das Sinnbild einer pervertierten Gesellschaftsform: konsumieren um des Konsumierens willen, nicht vorhandene Bedürfnisse schaffen und befriedigen, während Milliarden von Mitmenschen in elenden Slums vegetieren und verrecken, Aber leichzeitig hier von christlichen Werten und Moralvorstellungen faseln. Gott vergelt´s Euch christlichen und sozialen Demokraten.

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    • otto_B
    • 15.04.2009 um 13:59 Uhr

    Ob irgendein Zusammenhang zwischen der Frage nach Konsum oder Nichtkonsum bei uns, und den Verhältnissen in den Armutsregionen besteht, darüber wird ja seit langem leidenschaftlich gestritten. An der moralischen Fragwürdigkeit der Wegwerf-Förderung ändert der Ausgang dieses Streits aber nichts. Der (weitgehend ungestrafte) Gebrauch des Umweltargumentes für diese Konjunkturmaßnahme zeigt die fortgeschrittene Verlotterung der öffentlichen Sitten.

    • otto_B
    • 15.04.2009 um 13:59 Uhr

    Ob irgendein Zusammenhang zwischen der Frage nach Konsum oder Nichtkonsum bei uns, und den Verhältnissen in den Armutsregionen besteht, darüber wird ja seit langem leidenschaftlich gestritten. An der moralischen Fragwürdigkeit der Wegwerf-Förderung ändert der Ausgang dieses Streits aber nichts. Der (weitgehend ungestrafte) Gebrauch des Umweltargumentes für diese Konjunkturmaßnahme zeigt die fortgeschrittene Verlotterung der öffentlichen Sitten.

  4. Mich macht es wütend, dass ich Geschenk an Leute mitfinanziere, die sich ein neues Auto leisten können - im Gegensatz zu mir.

    Ich fahre bewusst nicht Auto, sondern bewege mich umweltbewusst fort und finde die Bezeichung "Umweltprämie" einfach unverschämt.

    Für alle, die sich ebenfalls ärgern und sich eine Umweltprämie wünschen, die diese Bezeichnung auch verdient, hat der VCD eine Aktion gestartet:

    http://www.vcd.org/umwelt...

    PS: ... wer hat damals eigentlich die Bezeichnung "Klimakanzlerin" erfunden?

  5. Der Markt hätte es schon lange regeln können, wenn alle Faktoren zum tragen kämen. Das ist aber nicht Sache des Marktes, wie wir alle wieder mal gelernt haben. Die Umweltprämie ist ein Instrument, um den freien Fall der "Wirtschaft" abzubremsen. Das ist ja nicht falsch, aber warum heißt sie dann "Umwelt"-Prämie? Viele Demokraten sind wohl der Ansicht, die Wahrheit sei nicht vermittelbar - sie könnten sich Ehrlichkeit schlicht nicht leisten. Vielleicht stimmt das, aber so macht Demokratie nun mal keinen Spaß!

  6. Was für Anhaltspunkte?
    1. Man fährt mit Klimaanlage: Früher hatte man das Fenster offen, ab 80km/h verschlechter sicht der Cw Wert so weit, das dieser Effekt aufgehoben ist.
    2. Man hat tagsüber das Licht an! Das war mit dem alten Auto nicht möglich? UM GOTTESWILLEN, WAS FÄHRT DER MANN FÜR EIN AUTO!
    3. Ist auf Autobahnen schneller unterwegs: wegen einem neuen Auto schneller fahren? Die Statistik möchte ich sehen ;-)
    4. Vergleicht wirklich mal ein 10 Jahre altes Auto mit dem aktuellen Modell und nennt mir eins wo bei vergleichbarer Motoriserung der Verbrauch gestiegen ist!
    5. Die Euro Normen haben alle nichts mit dem Co2 Ausstoß zu tun, da der nicht relevant für die Klassen ist! Ausserdem steigt durch strengere Abgaswerte (Nicht Co2) erstmal der Benzinverbrauch, das ist schlichtweg chemisch bedingt.

    Auch wenn Herr Teufel nicht sinnvoll argumentiert, der Name "Umweltprämie" halte ich wirklich nicht für gut, es ist ein Konjunkturprogramm und der Name "Abrwackprämie" trifft es wohl eher.

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