Krisenpolitik Tobin und die Abwrackprämie
Der Erfolg der Schrott-Subvention überrascht selbst ihre Erfinder. Ökonomisch ist er ganz simpel zu erklären. Zur Krisenbekämpfung taugt die Prämie dennoch nicht

© Matt Cardy/Getty Images
Mit Moos überwachsenes altes Auto auf einem britischen Schrottplatz
Die deutsche Abwrackprämie wird zum Erfolgsmodell, trotz aller Kritik: Jetzt wollen auch die Briten sie übernehmen. Ob auch das Wort in den englischen Sprachgebrauch aufgenommen wird wie "Angst" oder "Kindergarten"?
Wie gut sie wirkt, hat die Prämie hierzulande bewiesen – die Schrottplätze sind voll von alten Autos . Angeblich lassen die Deutschen selbst solche Wagen abwracken, deren Wert über dem Zuschuss vom Staat liegt. Das ist verwunderlich. Am erstaunlichsten ist es aber, dass die Politiker selbst so überrascht scheinen von dem Erfolg ihrer Idee.
Kaum jemand hat an die durchschlagende Wirkung der Prämie geglaubt. Dabei basiert der Abwrack-Erfolg auf einem Effekt, der in der Ökonomie gut bekannt ist. Formuliert hat ihn der Wirtschaftsnobelpreisträger James Tobin, weshalb er auch unter dem Namen "Tobins q" bekannt ist. Tobins q ist definiert als der Marktwert eines Vermögensgegenstandes – in unserem Fall: des Autos – zu seinen Wiederbeschaffungskosten. Der Gedanke hinter der Kennziffer: Ist der Marktwert eines Gegenstandes höher als seine Wiederbeschaffungskosten, ist q also größer als eins, lohnt sich eine Neuanschaffung.
Ob monetäre Effekte, zum Beispiel staatliche Zuschüsse, die Realwirtschaft beeinflussen, hängt demnach davon ab, wie sie Tobins q verändern. Tobin hat seine Idee zwar auf die Bewertung von Unternehmen an den Börsen angewendet. Ihm zufolge lohnt ein Aktienkauf dann, wenn die Vermögensgegenstände einer Aktiengesellschaft höher zu bewerten sind als ihre Kapitalisierung am Markt. Doch die Kennziffer passt ebenso auf Spezialsubventionen wie die Abwrackprämie.
Die Prämie hat die Wiederbeschaffungskosten für Neuwagen auf einen Schlag um 2500 Euro gesenkt. Tobins q schnellte dadurch in die Höhe. Je geringer die ursprünglichen Wiederbeschaffungskosten waren, desto größer war der Effekt, desto stärker stieg Tobins q – und desto attraktiver der Kauf eines neuen Autos. Der Mechanismus erklärt auch, warum die Hersteller von günstigen Kleinwagen besonders von der Prämie profitieren.
- Datum 14.04.2009 - 13:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Es juckt und wir kratzen.
Populistisches Regieren auf Basis nur halbwegs begriffener Fakten ohne Berücksichtigung negativer Effekte und unter völligem Ignorieren der Belastung zukünftiger Generationen - aber immer auf Fraktionslinie !
Das ist bundesrepublikanische Politik seit mehr als nur einer Legislaturperiode.
Da passt die Abwrackprämie doch genau ins Raster.
Thumbs up !
ist eigentlich nur psychologisch, man sollte die grosskoalitionären Politiker beileibe nicht für so einfach gestrickt halten, das sie nicht wüssten, das der ökonomische oder gar ökologische Effekt der Massnahme weit im negativen Bereich angesiedelt ist.
Es handelt sich vielmehr um ein Wahlgeschenk einer ganz neuen Qualität, Rentenerhöhung oder Flutopferhilfe kurz vor der Wahl war gestern, in einer Zeit wo jedem langsam die wirtschaftliche Verflechtung und Korruption der Würdenträger und die psychotische Gier der Finanzakrobaten klar wird, muss etwas her, das den einzelnen Bürger in die Machenschaften dergestalt einbindet, das er hinterher, also nach der Wahl, wenn das ganze schöne Geld das momentan an die Banken und Spekulanten geht, vom Staat wieder eingetrieben wird, nicht sagen kann, er hätte nicht auch zugegriffen, als sich die Gelegenheit geboten hat, mal einen schönen Lagengriff auf Kosten der Allgemeinheit zu machen.
Aussserdem wählt man ja mit einem hübschen neuen Opel- oder Honda-Wagen vor der Türe nicht so leicht die Extremen, man hat ja auch einen gefühlten, beständigen Krisengewinn erwirtschaftet, mit einem bis dahin gebrauchten Kleinwagen, der in den nächsten Jahren nur noch einen Apfel und ein Ei wert sein wird, während sich die Jongleure mit ihren Milliarden aus dem Staub machen.
Alles in allem, man kann zu dieser neuen Wahlgeschenk-Taktik nur gratulieren, von den Verkaufsprofis der Baumärkte lernen heisst Wahlen gewinnen lernen.
Die Abwrackprämie hat nur einen Sinn, den Absturz zu bremsen und Zeit zu gewinnen, ohne Rücksicht auf Verluste, da ein ungebremster Absturz noch weit größere Folgen hätte.
Dauert die Krise an, oder ist der Korrekturbedarf so groß, dass während der Massnahme der Boden nicht erreicht wird, verpufft ihre Wirkung. Wird der Boden allerdings während der Maßnahme erreicht, werden die schlimmsten Folgen der Krise abgemildert und bei Auslauf der Prämie durch teilweise oder vollständig rendumkehr kompensiert.
Bei der Weltweiten Überproduktion ist wohl nur von einer Teilkompensation auszugehen.
Also ist die alles entscheidende bange Frage, wann wird die Talsohle erreicht?
Um sinnvoll im Sinne von effizientem Haushalten, ökonomisch oder ökologisch kann es und wird es nie gehen bei einer solchen Maßnahme. Wer damit argumentiert, hat schlicht nicht kapiert, welche Zweck verfolgt wird und was für Folgen ein ungebremster Fall haben könnte.
Die Schrott- und Gebrauchtwagenhändler mögen Geschäftseinbussen haben, was immer noch besser ist als ein vollständiger Zusammenbruch des Geschäfts mangels verfügbarer Einkommen verursacht durch die Kettenreaktion einer zu schnell wachsenden Massenarbeitslosigkeit.
Viel kritikwürdiger sind da eher die staatlichen Maßnahmen zur Finanzierung kommunaler Infrastrukturmaßnahmen, die fast wirkungslos verpuffen, weil die Auflage die Projekte bis Jahresende abgeschlossen zu haben schon am Planungsrecht scheitert. Der Verdacht liegt Nahe, dass das auch so beabsichtigt war, da der Finanzminister lieber auf dem Geld hocken bleibt, ohne zu begreifen, dass das das Problem eher verschlimmert.
Denn es ist völlig ohne belang, welche Summen ausgegeben werden, solange sie ihren Zweck erfüllen. Bleibt der Finanzminister knauserig, brechen ihm die Einnahmen dauerhaft weg, was für den Staatshaushalt absolut die selben Folgen hätte wie eine überbordende Verschuldung. Denn nur die Relation zwischen Einnahmen und Verschuldung sind für einen Volkswirtschaft von Belang, nicht die Nominalwerte.
Berthold Grabe
Wo liegt der Erfolg? Der Staat verschenkt Geld und Berechtigte nehmen das Geschenk an. Warum ist das ein Erfolg?
Das Nachfrageloch bei Neuwagen wird ins nächste Jahr verschoben. Damit natürlich auch alle Konsequenzen, wie Personalabbau.
Nur ein Teil der Abwrackprämie kommt überhaupt der deutschen Autoindustrie zugute.
Die Arbeit bei den Autowerkstätten geht zukünftig zurück. Neue Autos sind weniger reparaturbedürftig.
Die Staatsschulden steigen.
Selbst das Umweltargument ist fragwürdig. Viele neue Autos verbrauchen wegen des höheren Gewichts oder der Existenz einer Klimaanlage sogar mehr Sprit als die alten. Wenn sie wirklich weniger Sprit verbrauchen. Was nutzt es, wenn bei einem deutschen Bestand von 42 Mio Autos 2 Mio Autos erneuert werden.
Die Nachlässe für Neuwagen sinken. Das trifft vor allem Käufer, die kein "Schrottauto" besitzen.
Die Preise für Schrottautos sinken für Verkäufer, die sich kein neues Auto leisten können.
Die Schrotthalden werden immer größer, weil die Verwerter mit dem Ausschlachten und Verschrotten nicht nachkommen.
Alle Fakten sind bekannt!
Die einzigen Gewinner der Abwrackprämie sind Bürger, die ein weitgehend wertloses Auto besitzen.
Warum wird dann immer noch von Erfolg gesprochen?
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