Umweltskandal
Finstere Fischerei
Ein neuer Report des World Wildlife Fund (WWF) beleuchtet die dunklen Seiten des Beifangs, einer gigantischen Verschwendung von Ressourcen
Die norwegische Küstenwache filmte im vergangenen Jahr einen britischen Trawler, dessen Mannschaft auf der Heimreise kistenweise marktgängige Fische ins Meer kippte. Fünf Tonnen überwiegend Seelachs und etwas Kabeljau, frisch gefangen in norwegischen Hoheitsgewässern, flogen über Bord, gut 80 Prozent des Fangs (siehe Kurzfilm). Dieser Irrsinn, highgrading (Aufwertung) genannt, folgt einer perversen Logik: Wirf alle kleineren Fische zurück ins Meer, die zwar das vorgeschriebene Mindestmaß erfüllen, aber beim Verkauf wenig einbringen. Und behalte die besonders dicken Fische, die sich bestens filetieren und vermarkten lassen.
Das lohnt sich – es schmälert zwar den aktuellen Ertrag, schont aber drastisch die wertvolle Fangquote: Statt sechs Tonnen wird nur noch die eine, übrig bleibende Tonne Fang angerechnet – schließlich zählt in der EU nicht die gefangene, sondern einzig die im Hafen angelandete Fischmenge. So fördern EU-Quoten und die verbreitete Sitte, möglichst nur grätenfreie Filets zu verspeisen, systematische Verschwendung. Nicht nur in Europa, weltweit werden wertvolle Meeresressourcen in gigantischen Mengen vergeudet.
Am Mittwoch dieser Woche präsentierte der World Wide Fund For Nature (WWF) einen Report, der eine der finstersten Seiten der Fischerei global beleuchtet, den sogenannten Beifang. Dieser umfasst all jene Meerestiere, die nebenbei, meist unbeabsichtigt, in den Netzen und Fangleinen landen. Sie werden dann, extrem gestresst, verletzt oder tot, wie Müll ins Meer verklappt. »Rund 40 Prozent aller Fische und Meerestiere, die in die Netze der Fischindustrie gehen, sind Beifang«, heißt es in dem WWF-Report. Die Gesamtmenge betrage jährlich mindestens 39 Millionen Tonnen. Im Beifang findet sich fast das gesamte Spektrum der Meeresfauna: Seesterne und Muscheln, Schildkröten, Vögel und Delfine neben zahllosen Jungfischen, aber auch wertvollen Großfischen, die als nicht vermarktbar gelten, etwa weil sie geschützt sind oder ihre Fangquote ausgeschöpft ist.
Einzig Norwegen schreibt vor, den gesamten Fang an Land zu bringen. Dadurch werden die Kollateralschäden der Fischerei transparent. Außerdem lässt sich ein Großteil des Beifangs unter staatlicher Aufsicht nutzen. Beides hilft, die rasch schwindenden Meeresressourcen zu schonen. In der EU und fast allen anderen Ländern gilt jedoch die Vorschrift: Beifang über Bord – angeblich um den Schwarzhandel mit geschützten und zu kleinen Meerestieren zu verhindern. »Rückwurf« heißt diese Entsorgungstechnik, die in der Regel völlig unkontrolliert abläuft. Daher bleibt weitgehend im Dunkeln, wie stark der Beifang geschützte, geschonte, aber auch wirtschaftlich wichtige Arten schädigt.
Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF, fordert »ein striktes Rückwurfverbot für alle kommerziell genutzten Fischarten«. Beispielsweise seien die Bestände des Nordsee-Kabeljaus in den vergangenen Jahren »aufgrund immenser Rückwurfraten besonders stark unter Druck geraten«. Ein Grund für die hohe Sterblichkeit junger Kabeljaue ist die Jagd nach Kaisergranaten, auch Scampi genannt, mit engmaschigen Grundschleppnetzen. Diese kleinen Verwandten des Hummers sind zwar schmackhaft, doch ihre Jagd am Meeresboden ist mit massiven Nebenwirkungen verbunden: Wer 200 Gramm Scampi verdrückt, hat etwa ein Kilo weiterer Meerestiere auf dem Gewissen.
- Datum 17.9.2009 - 17:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 15.4.2009 - 05:22 Uhr
- Kommentare 17
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blink - hallo und gute nacht
Soviel zu den angeblich sich perfekt ausbalancierenden und regelnden Marktkräften... Alles so schön Optimal... im Jahresabschlussbericht für die Aktionäre und Finanzmärkte...
Dummheit scheint keine Grenzen zu kennen und erst wenn der letzte Baum gefällt, das letzte Tier getötet haben wir eine Chance festzustellen das wir Geld nicht essen können
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Nicht allein die Marktkräfte regeln die Fischrei weltweit, sondern insbesondere in Europa die Politik mit ihren Fangquoten, die weit über dem für die Bestände verträglichen Maß liegen. Wenn dann noch die im Artikel genannten - und im Übrigen hinlänglich bekannten - Methoden in die Ökobilanz mit einbezogen werden, dann kann man verstehen, warum die Bestände so rapide abnehmen.
Leider scheint kein entscheidungsbefugter Politiker "radikal" genug zu sein, Fangquoten aufzustellen und auch durchzusetzen, die langfristig für die Natur, und vor allem auch für die Fischer, ein Überleben ermöglichen.
Stattdessen werden Entwicklungsländern wie Senegal Gelder gezahlt, um vor deren Küsten mit europäischen Fangflotten "operieren" zu dürfen. Als diese Gewässer "leergefischt" waren, wurde eben Mauretanien zum "Partner" (= Ausgebeuteten).
Andererseits muss man auch für die Fischer Verständnis haben, die Häfen blockieren, um ihre Interessen durchzusetzen, d.h. ihre Möglichkeit zu erhalten, mit ihrem Einkommen ihre Familien zu ernähren. Das Übel sind nicht diese Fischer, sondern die großen Handelskonzerne, die mit billig erzeugten Massenprodukten die Preise drücken und damit den "kleinen" Fischern die Existenzgrundlage nehmen.
Aber letztendlich muss sich jeder an der eigenen Nase packen, und seine eigenen Einkaufsgewohnheiten überdenken. Sonderangebote sind leider oft nur momentan ein Gewinn, langfristig gesehen wird häufig ein Verlustgeschäft daraus...
Darum: Lieber ab und zu Qualität, und ansonsten Gemüse aus der Region, als ständig viel billigen Fisch (und Fleisch, da ist es ganz ähnlich). Ein nicht durch Schleppnetzmethode zerquetschter Fisch schmeckt übrigens auch viel besser...
P.S.: Auch als Student mit einem Einkommen von 700 - 1000 €/Monat habe ich schon so eingekauft, also komme mir bitte (fast) niemand damit, dass man sich das nicht leisten könne; es bedarf lediglich einiger Umstellungen und Umständen beim Einkaufen!
udn es wird sich wohl nichts daran ändern, denn auf EU ebene sind die Staaten mit starker Fischfangindustrie , was Beschränkungen angeht, so konsensfähig wie eine Horde Schimpansen, denen man ne Banane in den Käfig wirft. Obwohl: womöglich würden die doch den besseren Konsens finden.
Die größte Gefahr der Menschheit ist der Mensch. (Pathetisch aber wahr)
Der Irrsinn der kommerziellen Fischerei ist eigentlich seit Jahren bekannt. Insofern sagt der Artikel nichts Neues, sondern bestätigt bereits Bekanntes - was aber dennoch nicht gegen ihn spricht, denn um zumindest den Funken einer Chance auf Besserung zu wahren, muss man das Problem weiter thematisieren.
Wobei realistisch betrachtet, sich wahrscheinlich erst dann etwas ändern wird, wenn die Bestände derart überfischt sind, dass die Branche von selbst zusammen bricht. Warnungen gab es auch im sattsam bekannten Fall der neufundländischen Kabeljaufischerei, nur wurden die genauso ignoriert wie es auch im aktuellen Fall sein wird.
Ein gewöhnlicher Fischtrawler ist mit Fischradar und dgl. heutzutage besser ausgerüstet als mancher Zerstörer im 2. Wk. Analog dazu müssten Jäger mit Schnellfeuergewehren, Handgranaten und Panzern zur Treibjagd in den Wald ziehen, um einen vergleichbaren technologischen Standard zu beweisen.
Wie gesagt, "Besserung" ist wohl erst dann zu erwarten, wenn die Fischereiwirtschaft den Ast auf dem sie sitzt, endgültig abgesägt hat.....
... wenn die Fischmarktkriese kommt, pumpen die Staaten dann Fisch statt Geld in den Markt, um ihn zu stabilisieren?
zeigt ja, wohin der Trend geht. Niemand steht heutzutage an der Fleischtheke im Supermarkt und wartet auf den Jäger, der einen Hasen oder gar ein Wildschwein heranschleppt. Alles wird selbstverständlich in Massentierhaltung erzeugt.
Das wird mit Fischen in Zukunft nicht anders sein. Bei Süsswasserfischen wie Forelle und Karpfen erwartet jeder dass sie aus einem Weiher oder Produktionsbecken kommen. Lachs, Muscheln und Garnelen kommen ebenfalls längst aus Aquakulturen.
Selbst hier , im nicht gerade meernahen Saarland, soll demnächst in einer "Mari-Kultur" mit der Produktion von (Salzwasser)-Fischen wie Wolfsbarsch (Loup de mer), Dorade und Stör begonnen werden (http://www.sw-vk.de/gav/f...). Ob Zuchtfische, die optimal verköstigt, gehegt, gepflegt und vor dem Schlachten auch noch durch Unterkühlung betäubt werden glücklicher sind als ihre kilometerweit gejagten und im Netz zappelnden Freiland-Artgenossen?
Vielleicht wird schon die nächste Generation die Hochseefischerei nur noch als Folklore und aus alten Filmen kennen. In Entwicklungsländern wird man sich diese Technologie kaum leisten können. Die Leute dort wird man dann wohl mit Fischersatz aus Gen-Soja verköstigen.
... wenn die Fischmarktkriese kommt, pumpen die Staaten dann Fisch statt Geld in den Markt, um ihn zu stabilisieren?
Wenn bis dahin noch Geld vorhanden ist, und nicht schon zum Löschen anderer Grossbrände ausgegeben wurde, wahrscheinlich. Eines der Grundprinzipien staatlicher Interventionspolitik ist offenbar, Dummheit und Inkompetenz in grossem Massstab zu belohnen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Leute, die sich derart grob verkalkuliert haben, auch dann mit Unterstützung rechnen können, wenn sie nicht für das Funktionieren der Wirtschaft als Ganzes überlebenswichtig sind (und das sind ja die wenigsten). Merkwürdig nur, dass es immer die vermeintlichen Stützen der Wirtschaft sind, die von den vermeintlich unwichtigen mitgeschleppt werden müssen.....
Der Ozean bietet darüber hinaus den Vorteil, das, was sich unter seiner Oberfläche befindet, dem menschlichen Blick zu entziehen. Aus den Augen aus dem Sinn.
"All collapsed, and the great shroud Of the sea rolled on as it had Five thousand years ago." Ich schätze Meliville passt besser auf die aktuelle Situation als uns allen lieb sein kann.
Wenn bis dahin noch Geld vorhanden ist, und nicht schon zum Löschen anderer Grossbrände ausgegeben wurde, wahrscheinlich. Eines der Grundprinzipien staatlicher Interventionspolitik ist offenbar, Dummheit und Inkompetenz in grossem Massstab zu belohnen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass Leute, die sich derart grob verkalkuliert haben, auch dann mit Unterstützung rechnen können, wenn sie nicht für das Funktionieren der Wirtschaft als Ganzes überlebenswichtig sind (und das sind ja die wenigsten). Merkwürdig nur, dass es immer die vermeintlichen Stützen der Wirtschaft sind, die von den vermeintlich unwichtigen mitgeschleppt werden müssen.....
Der Ozean bietet darüber hinaus den Vorteil, das, was sich unter seiner Oberfläche befindet, dem menschlichen Blick zu entziehen. Aus den Augen aus dem Sinn.
"All collapsed, and the great shroud Of the sea rolled on as it had Five thousand years ago." Ich schätze Meliville passt besser auf die aktuelle Situation als uns allen lieb sein kann.
Ob Raubfischerei oder Raubholzung: Nur nachhaltiges Wirtschaften nutzt, die alten Methoden sind so obskur wie das öffentliche Tragen von Blankwaffen im Berlin von heute.
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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www.strategiepartei.de
Kann aber wohl noch nicht gewählt werden.
Zitat: "In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm."
Das kann ich in gewisser Hinsicht verstehen, es gibt auch für mich keine Partei, hinter deren Programm ich zu 100% stehe. Dennoch werden im September mehrere dieser Parteien gewählt werden und uns regieren. Und ich werde mich wie immer für diejenige entscheiden, der ich am ehesten zutraue, sich wirklich für den Schutz unserere Lebensgrundlage einzusetzen.
Möglicherweise ist mein Statement da missverständlich: Ich selbst werde natürlich wählen gehen, werde aber nicht parteipolitisch Position beziehen, ausser: Wählt um eurer selbst willen nicht FDP, das sind die Lautsprecher der Schurken im gerade laufenden Welt-Krisen-Spiel
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In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
ideologische Heimat hat: die FDP.…
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