Claudio Abbado Dirigieren für ein grünes Mailand

Für ein ungewöhnliches Honorar kehrt der Dirigent Claudio Abbado an die Scala zurück: Mailand pflanzt 90.000 Bäume gegen den Smog

Claudio Abbado kehrt  im Juni 2010 an die Mailänder Scala zurück, seine Gage für die zwei Konzerte ist ungewöhnlich. 90.000 Bäume sollten in seiner Heimatstadt gepflanzt werden, hatte der weltweit gefeierte Dirigent zur einzigen Bedingung gemacht. Dieser Wunsch wird ihm nun erfüllt. Mit dem Opernhaus, der Stadt und den Provinzbehörden einigte er sich auf einen detaillierten Plan, um das vom Smog geplagte Mailand lebenswerter zu machen. Innerhalb von nur wenigen Monaten hat Abbado mit ruhiger Durchsetzungskraft etwas erreicht, was im krisengeschüttelten italienischen Kulturbetrieb kaum jemand für möglich gehalten hätte.

"Ich liebe meine Stadt", sagte der 75-Jährige am Dienstag sichtlich bewegt nach einem Treffen mit dem Scala-Intendanten Stéphane Lissner, der Bürgermeisterin Letizia Moratti und dem Provinzpräsidenten Filippo Penati. Wenn alle Projekte so gut vorankämen wie dieses, könnten viele Träume wahr werden. An elf verschiedenen Stellen im Zentrum sollen bald Bäume gepflanzt werden. Abbado schlug außerdem vor, dass an Wochenenden in der Nähe des Doms regelmäßig ein Blumenmarkt stattfindet. Seine Ideen ergänzen bereits bestehende Projekte zur Stadtbegrünung wie etwa den Plan Raggi Verdi (Grüne Strahlen), der Mailand zu einer Gartenstadt machen soll.

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In den nächsten Wochen sollen bereits die ersten hundert Pappeln in Kübeln eine zentrale Fußgängerzone verschönern. In der Stadt dürfte damit die Vorfreude auf Abbados lang erwartete Rückkehr weiter steigen. Auf dem Programm steht am 4. und 6. Juni 2010 die wegen ihrer monumentalen Orchester-, Chor- und Solistenbesetzung selten aufgeführte Achte Sinfonie von Gustav Mahler, die Abbado bisher noch nie an die Scala gebracht hat. Erstmals seit seinem Abschied als Musikdirektor 1986 dirigiert er wieder die Filarmonica della Scala und bringt außerdem sein eigenes Orchestra Mozart aus Bologna mit.

In dem kleinen Orchester, das in diesem Jahr sein fünftes Jubiläum feiert, spielen erfahrene Solisten aus dem In- und Ausland gemeinsam mit jungen Musikern. Abbado sieht große Kunst, Nachwuchsförderung, gesellschaftliches Engagement und Umweltschutz eng miteinander verbunden. In Bologna wirbt er ebenso für den Erhalt der historischen Arkadengänge wie auch für mehr Bäume und Grünflächen. Mitglieder seines Orchesters treten dort nicht nur im Konzertsaal, sondern auch in Gefängnissen und Hospitälern auf. Das von seiner Tochter Alessandra initiierte Therapieprojekt Tamino widmet sich kranken Kindern.

Einige Musiker begleiten ihren Dirigenten im Winter auch nach Venezuela, um dort mit Jugendorchestern zu arbeiten. In dem südamerikanischen Land musizieren mittlerweile fast 300.000 Kinder aus zumeist schwierigen sozialen Verhältnissen in einem staatlich finanzierten Orchestersystem. Ein ähnliches Projekt werde nun auch in Italien entstehen, beteiligt sei die Musikschule von Fiesole, kündigte Abbado an.

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