Zeitungs- und Buchverleger sorgen sich derzeit um die Zukunft ihrer Unternehmen, nicht nur wegen der Finanzkrise, sondern auch wegen des Medienwandels, der die alten Geschäftsmodelle zu Fall zu bringen droht. Manche Macher hätten gegen branchenfremde Investoren nichts einzuwenden. Geeignet für diese Rolle könnten Mitglieder einer Berufsgruppe sein, denen man lange keine allzu große Nähe zum geschriebenen Wort nachsagte: die Profifußballer. Sie sind in der Regel finanziell gut gepolstert, und zumindest mit den tagesaktuellen Medien kennen sie sich ein bisschen aus. Jedenfalls wissen sie, wie es ist, wenn man nach einem 0:4-Debakel gefragt wird: "Wie bitter war diese Niederlage?"

Immerhin drei Berufskicker sind jüngst in die Branche eingestiegen, die manche Technikoptimisten als Tote-Bäume-Medien verhöhnen: Vladimir But, der zum Kader gehörte, als Borussia Dortmund 1997 die Champions League gewann, der Zweitligaspieler Thomas Meggle (FC St. Pauli) und der für den AC Parma stürmende Cristiano Lucarelli, sechsfacher italienischer A-Nationalspieler und 2005 Torschützenkönig der Serie A.

Der aus Russland stammende But hat dabei gleich einen Schritt in die hohe Sphäre der Literatur gemacht. 2008 gründete er in Hannover einen nach ihm benannten Verlag. Der Grund für den ungewöhnlichen Schritt: But will den Schriftsteller Juri Polyakow im deutschsprachigen Raum bekannt machen. "Bei meinen Mitbürgern", sagt But, denn er hat mittlerweile einen deutschen Pass und lebt mit seiner Familie in Zürich.

Der in seiner Heimat mehrfach preisgekrönte Autor Polyakow, dessen Romane und Erzählungen um Topoi wie Macht und Geschlechterkampf kreisen, ist bisher nur ins Deutsche übersetzt worden. "Die moderne russische Literatur, die das Leben im heutigen Russland beschreibt, hat es in ganz Europa schwer. Filmregisseure haben dieses Problem auch", sagt sein Verleger.

But galt mal als eine der großen Mittelfeldbegabungen in der Bundesliga, aber sowohl bei Borussia Dortmund als auch beim SC Freiburg erlebte er wechselhafte Zeiten. Sein Interesse an Polyakow wurde geweckt, als es fußballerisch bergab ging. Nachdem But bei Hannover 96, seiner letzten Station in der Bundesliga, kaum noch zum Einsatz gekommen war, kehrte er 2005 in ein Land zurück, das sich "komplett verändert" hatte seit seinem Abschied zwölf Jahre zuvor. But las zwei Bücher von Polyakow, und als dieser dann 2007 auf der Buchmesse in Genf einen eigenen Stand hatte, kam die Idee mit dem Verlag ins Rollen.

Zuletzt spielte But für Shinnik Yaroslavi und für Chernomonts Novossisk, seinen Heimatverein. Die neue Saison in Russland hat gerade begonnen, aber ohne But, der im Sommer 31 wird. Der Nebenbei-Verleger will ab der Saison 09/10 in der Schweiz oder Österreich spielen. Die Gründung des Verlags sei eine gute Idee gewesen, findet But, schließlich sei er in einem Alter, in dem es sich Gedanken zu machen gelte, was man tut, wenn dereinst der Alltag nicht mehr aus Training, Trainingslagern, Reisen und Spielen besteht. Leider hat er sich zumindest in einer Hinsicht nicht gut beraten lassen: Die Lektüre von Polyakows Roman Der Himmel der Gefallenen ist kein Vergnügen, weil der Verlag bei der Herstellung alle Regeln des Buchlayouts und der Zeichensetzung ignoriert hat.