Fussballer als Verleger "Besser eine Zeitung kaufen als eine Yacht"
Die Zeitungs- und Buchbranche bekommt Unterstützung von ungewohnter Seite: Die drei Profifußballer Vladimir But, Thomas Meggle und Cristiano Lucarelli sind als Verleger im Nebenberuf tätig
Zeitungs- und Buchverleger sorgen sich derzeit um die Zukunft ihrer Unternehmen, nicht nur wegen der Finanzkrise, sondern auch wegen des Medienwandels, der die alten Geschäftsmodelle zu Fall zu bringen droht. Manche Macher hätten gegen branchenfremde Investoren nichts einzuwenden. Geeignet für diese Rolle könnten Mitglieder einer Berufsgruppe sein, denen man lange keine allzu große Nähe zum geschriebenen Wort nachsagte: die Profifußballer. Sie sind in der Regel finanziell gut gepolstert, und zumindest mit den tagesaktuellen Medien kennen sie sich ein bisschen aus. Jedenfalls wissen sie, wie es ist, wenn man nach einem 0:4-Debakel gefragt wird: "Wie bitter war diese Niederlage?"
Immerhin drei Berufskicker sind jüngst in die Branche eingestiegen, die manche Technikoptimisten als Tote-Bäume-Medien verhöhnen: Vladimir But, der zum Kader gehörte, als Borussia Dortmund 1997 die Champions League gewann, der Zweitligaspieler Thomas Meggle (FC St. Pauli) und der für den AC Parma stürmende Cristiano Lucarelli, sechsfacher italienischer A-Nationalspieler und 2005 Torschützenkönig der Serie A.
Der aus Russland stammende But hat dabei gleich einen Schritt in die hohe Sphäre der Literatur gemacht. 2008 gründete er in Hannover einen nach ihm benannten Verlag. Der Grund für den ungewöhnlichen Schritt: But will den Schriftsteller Juri Polyakow im deutschsprachigen Raum bekannt machen. "Bei meinen Mitbürgern", sagt But, denn er hat mittlerweile einen deutschen Pass und lebt mit seiner Familie in Zürich.
Der in seiner Heimat mehrfach preisgekrönte Autor Polyakow, dessen Romane und Erzählungen um Topoi wie Macht und Geschlechterkampf kreisen, ist bisher nur ins Deutsche übersetzt worden. "Die moderne russische Literatur, die das Leben im heutigen Russland beschreibt, hat es in ganz Europa schwer. Filmregisseure haben dieses Problem auch", sagt sein Verleger.
But galt mal als eine der großen Mittelfeldbegabungen in der Bundesliga, aber sowohl bei Borussia Dortmund als auch beim SC Freiburg erlebte er wechselhafte Zeiten. Sein Interesse an Polyakow wurde geweckt, als es fußballerisch bergab ging. Nachdem But bei Hannover 96, seiner letzten Station in der Bundesliga, kaum noch zum Einsatz gekommen war, kehrte er 2005 in ein Land zurück, das sich "komplett verändert" hatte seit seinem Abschied zwölf Jahre zuvor. But las zwei Bücher von Polyakow, und als dieser dann 2007 auf der Buchmesse in Genf einen eigenen Stand hatte, kam die Idee mit dem Verlag ins Rollen.
Zuletzt spielte But für Shinnik Yaroslavi und für Chernomonts Novossisk, seinen Heimatverein. Die neue Saison in Russland hat gerade begonnen, aber ohne But, der im Sommer 31 wird. Der Nebenbei-Verleger will ab der Saison 09/10 in der Schweiz oder Österreich spielen. Die Gründung des Verlags sei eine gute Idee gewesen, findet But, schließlich sei er in einem Alter, in dem es sich Gedanken zu machen gelte, was man tut, wenn dereinst der Alltag nicht mehr aus Training, Trainingslagern, Reisen und Spielen besteht. Leider hat er sich zumindest in einer Hinsicht nicht gut beraten lassen: Die Lektüre von Polyakows Roman Der Himmel der Gefallenen ist kein Vergnügen, weil der Verlag bei der Herstellung alle Regeln des Buchlayouts und der Zeichensetzung ignoriert hat.
Die Wochenzeitschrift Fußball Hamburg , die der 34-jährige Zweitligaprofi Thomas Meggle verlegt, hatte keine derartigen Kinderkrankheiten zu überstehen. Hier findet man jeden Montag ordentlich recherchierte Hintergrundgeschichten über die finanziellen Schwierigkeiten der höherklassigen Amateurklubs, ambitionierte Aufbereitungen historischer Themen, aber auch bunte Storys, etwa über den ortsansässigen Fünftligakicker Danijel Peric, der neulich bundesweit bekannt wurde, als er bei Wetten, dass ... Autos über seinen Bauch fahren ließ.
Die Idee entstand eher zufällig vor zwei Jahren bei einem der regelmäßigen München-Aufenthalte des gebürtigen Bayern Meggle. Dass er ins alte Papiermedium investiert, hängt auch mit Meggles Mediennutzung zusammen. "Ich finde es schön, dass es das Internet gibt, kenne mich dem Thema aber überhaupt nicht aus, ich bin noch der typische Zeitungsleser", sagt er.
Die Fragen, mit denen sich Meggle neben seinem Hauptberuf beschäftigt, lauten derzeit: Sollte nicht ein bisschen mehr über die beiden örtlichen Profiklubs ins Blatt? Wie viele Leser gewinnt man durch die Berichterstattung über Kneipenfußball? Meggle kann sich vorstellen, nach seiner Karriere in der Printbranche weiterzumachen.
Der Mann, der den Mikrotrend des kickenden Verlegers einleitete, ist wesentlich vermögender als But und Meggle. Cristiano Lucarelli gründete im September 2007 den Corriere di Livorno , eine Lokalzeitung für die toskanische Hafenstadt Livorno. Für den örtlichen Klub AS spielte Lucarelli von 2003 bis 2007. Mittlerweile stürmt er, nach einem Zwischenstopp bei Schachtar Donezk, für Parma – und trug wesentlich dazu bei, dass dem Klub der Aufstieg in die Serie A gelang.
In Livorno, in der heute 160.000 Einwohner leben, gründete sich 1921 die Kommunistische Partei Italiens. Lucarelli bezeichnet sich als "Kommunist von Geburt an". Oft hat er sich mit politisch aufgeladenen Torjubelgesten Ärger eingehandelt: Mal missfiel Funktionären und Politkern die erhobene Faust, mal das Konterfei von Che Guevara auf dem T-Shirt unter dem Trikot. Bei Lucarelli ist das Investment in die Medienbranche auch Ausdruck eines sozialen Gewissens. Er habe in Livorno Arbeitsplätze schaffen wollen, sagt er. Als sein Corriere auf den Markt kam, prägte Lucarelli das Bonmot, es sei "immer noch besser eine Zeitung zu kaufen als eine Yacht".
Mittlerweile, in Zeiten, in denen in den USA Zeitungen (und in Deutschland viele Zeitschriften) eingestellt werden, klingt so ein Satz fast heldenhaft.
- Datum 05.09.2009 - 17:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich persönlich bin der Meinung, dass es viel mehr auf die Inhalte ankommt. Deswegen so plump zu behaupten, die Lektüre wäre kein Vergnügen gewesen, weil das Buchlayout nicht der gänglichen Vorstellungen entspricht ist mir zu vorschnell. Ich persöhnlich habe die obengenannte Lektüre sehr genossen, sozusagen in einer Nacht verschlungen, die Geschichte ist dynamisch, lässt einem nicht mehr los, gewährt ungewöhnliche Einblicke in das Leben der "neuen Russen"
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