Nun ist es offiziell: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) will den Anbau von genmanipuliertem Mais in Deutschland verbieten. Das gab sie am Mittag in Berlin bekannt. Möglicherweise will sie hierzu eine Klausel im EU-Recht nutzen. Damit äußert sich die Ministerin gerade rechtzeitig: Im April beginnen die Bauern in Deutschland in der Regel mit der Aussaat.

Auch die genetisch veränderte Maissorte MON 810 des Herstellers Monsanto sollte auf deutschen Äckern wachsen. Auf rund 3600 Hektar wollte Monsanto die Maissorte anbauen. Diese enthält ein Gen, das gegen den Maiszünsler schützt, einen Schmetterling, dessen Raupen regelmäßig Maisfelder befallen und die Ernte beeinträchtigen. MON 810 ist die einzige genmanipulierte Pflanze, die derzeit in Europa zum Anbau zugelassen ist. In einigen Ländern ist der Anbau von so genanntem "Genmais" hingegen ganz verboten.

Nun wird MON 810 auch in Deutschland verboten. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner (CSU), sagte sie sehe berechtigte Gründe zur Annahme, dass beim Anbau der Sorte eine Gefahr für die Umwelt ausgehe. Das Verbot bedeute aber keinesfalls eine Grundsatzentscheidung gegen die grüne Gentechnik in Deutschland. Offen ist nun, ob Monsanto gegen das Verbot klagen wird.

Aigner bezog sich bei ihrer Entscheidung insbesondere auf zwei neuere Studien aus Luxemburg. Diese hätten gezeigt, dass Schmetterlinge, Wasserorganismen oder auch der Zwei-Punkt-Marienkäfer durch den genetisch veränderten Mais bedroht seien. Zudem hatte sie   Studien des Bundesamts für Naturschutz, des bundeseigenen Julius-Kühn-Instituts und der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft über mögliche Umweltfolgen geprüft.

Der Ministerin lag auch ein Bericht von Monsanto vor, in dem der Gentechnik-Konzern keinerlei Grund für ein Verbot sieht. Aigner verwies zur Begründung für ihre Entscheidung auch auf die fünf EU-Mitgliedsstaaten, die den Anbau von MON 810 bereits verboten haben: Österreich, Ungarn, Griechenland, Frankreich und zuletzt Luxemburg. In Frankreich klagt Monsanto gegen die Entscheidung.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel könnte das Verbot auch den Bund Millionen kosten, falls Monsanto gegen die Regelung klagen würde. Für die Regierung sei es schwierig, die Schädlichkeit von MON 810 für die Natur juristisch wasserdicht nachzuweisen. Eine Klage von Monsanto könnte daher Erfolg haben und Schadensersatzansprüche nach sich ziehen.

Für Aigner war der Druck aus Bayern zuletzt größer geworden. Der bayerische Umweltminister Markus Söder (CSU) will Deutschland zu einer "gentechnikanbaufreien Zone" machen. Umweltverbände, Grüne und Linke fordern bereits seit Langem ein Anbauverbot , weil sie Folgen für Tiere und Pflanzen befürchten. Befürworter dagegen warnen vor einer Abwanderung von Forschungsunternehmen.