US-Universitäten Weltfinanzkrise gefährdet die Elite

Die Elite-Uni Harvard hat durch die Finanzkrise ein Drittel ihres Stiftungskapitals verloren. Auch andere US-Hochschulen haben sich verspekuliert. Nun drohen Sparkurs und noch höhere Studiengebühren

Iris Mack hatte es kommen sehen. Tief beunruhigt warnte die Finanzmarktanalystin ihren Chef vor den "furchterregenden" Geschäften ihres Unternehmens mit hochspekulativen Finanzmarktprodukten. Der Harvard-Absolventin erging es wie vielen couragierten Angestellten, die interne Missstände aufdecken: Sie wurde gefeuert. Das Interessante an der Geschichte: Mack arbeitete nicht etwa bei Merrill Lynch, Lehman Brothers oder Bear Stearns, den inzwischen untergegangenen oder schwer angeschlagenen US-Investmentbanken. Ihr Arbeitgeber war die Harvard Universität.

Der Vorgang liegt bereits länger zurück: Schon im Mai 2002 informierte Mack den damaligen Harvard-Präsidenten Lawrence Summer über die hochriskante Nutzung von Derivaten, mangelhafte statistische Modellierungstechniken und das Fehlen eines systematischen Risikomanagements in der hauseigenen Vermögensverwaltung Harvard Management Company (HMC). Das berichtete letzte Woche die Universitätszeitung "Harvard Crimson". Jetzt, sieben Jahre später, muss sich die Ivy-League-Universität auf massive Vermögensverluste und drastische Sparmaßnahmen vorbereiten – eine Folge der Finanzkrise und der langjährigen Geschäftsgebaren der Universität, vor denen Mack schon so früh warnte.

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Mack, vorher beim Skandalunternehmen Enron tätig und seitdem wohl für heikle Geschäftspraktiken sensibilisiert, will Summers, dem heute wichtigsten Wirtschaftsberater der US-Administration, in ihrem Brief darum gebeten haben, ihre Informationen vertraulich zu behandeln. Ihr Leben solle nicht zur "Hölle auf Erden" werden. Die Bitte war offenbar vergeblich. Nur einen Monat später wurde ihr gekündigt, weil sie gegenüber Dritten "unbegründete Vorwürfe" gegen die HMC geäußert habe.

Bis dahin konnte sich Mack zur bestbezahlten Berufsgruppe im US-Bildungssektor zählen. Harvard ist seit Jahren für seine aggressiven und bei vielen Universitätsmitgliedern umstrittenen Anlagestrategien bekannt. Statt auf US-Anlagen setzte die Universität auf illiquide Anleihen, Immobilien, Waldland und privates Beteiligungskapital. So gelang es, das Platzen der Dotcom-Blase Anfang des Jahrzehnts zu überstehen und jahrelang atemberaubende Rendite einzufahren. Die dafür verantwortlichen Manager kamen meist von der Wall Street und kassierten ebensolche Gehälter, Millionenboni inklusive.

So strich Macks Chef, Jeffrey B. Larson, im Geschäftsjahr 2003 über 17 Millionen Dollar ein, bevor er sich 2004 mit seinen eigenen Hedgefonds selbstständig machte. Dieser brach 2007 im Zuge der Immobilienkrise zusammen und bescherte der Harvard Universität, einem ihrer Großinvestoren, 350 Millionen Dollar Verlust. Das war der Anfang vom Ende der wundersamen Geldvermehrung am Charles River. Der darauffolgende Gesamteinbruch der Märkte traf Harvard und ähnlich vorgehende Universitäten wie Yale besonders hart, da sie wenig in vergleichsweise sichere Staatsanleihen investiert hatten.

Yale hat noch keine Zahlen bekannt gegeben, die Harvard Universität wird Schätzungen zufolge zum Ende des Geschäftsjahres im Juni bis zu 30 Prozent ihres Stiftungskapitals verloren haben. Die Abschreibungen, sie dürften sich auf rund 10 Milliarden Dollar belaufen, liegen weit höher als das Vermögen der meisten US-Hochschulen. Die jetzige Harvard-Präsidentin Drew Gilpin Faust verwies in einem Brief an hohe Mitarbeiter der Universität auf "schwere Turbulenzen auf den Weltfinanzmärkten". Anlagen sollten verkauft werden, um die finanzielle Flexibilität der Universität sicherzustellen.

Leser-Kommentare
    • kkr
    • 15.04.2009 um 15:15 Uhr

    sie haben die Preise auf den Rohstoff-, Agrar- und Immobilienmärken erst hochgetrieben, jetzt werden sie vom "fallenden Messer" geschnitten.

    Das ist die wahrhafte Gerechtigkeit der Märkte, deren Freieheit sie so gerne predigen.

    • politz
    • 15.04.2009 um 15:19 Uhr

    Die wirkliche Elite wird von keiner Depression, und sei sie noch so groß, gefährdet.

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    Das Anagramm zu "Elite" kann auch "Eitel" bedeuten. Hochmut (ein Indiz) für Eitelkeit kommt vor dem Fall.Auch wenn dieser Fall nur Zufall zu sein scheint, Eliten müssen - in jeder Hinsicht - Vorbild sein.

    • mexi42
    • 15.04.2009 um 20:29 Uhr

    die Negativ-Eliten ?!

    Das Anagramm zu "Elite" kann auch "Eitel" bedeuten. Hochmut (ein Indiz) für Eitelkeit kommt vor dem Fall.Auch wenn dieser Fall nur Zufall zu sein scheint, Eliten müssen - in jeder Hinsicht - Vorbild sein.

    • mexi42
    • 15.04.2009 um 20:29 Uhr

    die Negativ-Eliten ?!

  1. Wieso gefährden höhere Gebühren die Elite?

    Ist nicht eher das Gegenteil der Fall: Endlich wird noch deutlicher wer wirklich Elite ist. Das Profil wird geschärft, die Elite elitärer, der eingeschlagene Kurs verschärft, und weil der Kurs gut ist und die Idee von Elite gut ist muß doch auch mehr Elite gut sein. Also weniger, natürlich! Also müsste es richtig heissen "Weltfinanzkrise fördert die Elite".
    Naja, verkürzt zu titeln ist natürlich auch Elite, führt aber ebenso naturgemäß zu potentiell erhöhtem Mißverständnissrisiko, besonders bei denen die nicht Elite sind.

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    Die Geldelite? Dann Gnade uns Gott. Bei steigenden Studiengebühren studieren nur noch die Kinder der Reichen. Wenn das deutlich werden soll muss ich widersprechen. Es sollte nicht nur die Elite studieren können, sondern möglichst viele. Die Wissensgesellschaft sollte ein politisches Ziel für die Zukunft sein.

    Die Geldelite? Dann Gnade uns Gott. Bei steigenden Studiengebühren studieren nur noch die Kinder der Reichen. Wenn das deutlich werden soll muss ich widersprechen. Es sollte nicht nur die Elite studieren können, sondern möglichst viele. Die Wissensgesellschaft sollte ein politisches Ziel für die Zukunft sein.

    • Chali
    • 15.04.2009 um 15:49 Uhr

    "Elite" ist die Universität - bezüglich Ausstattung und Personal.
    Mag sie meinethalben auch "Elite" bei den Studiengebühren sein.

    Aber offensichtlich ist sie dann nicht "Elite" bei den Studierenden - von Stipendienempfängern mal abgesehen. Die wirkliche "Elite der Studierenden" schafft es nämlich auch so. In Deutschland: An einer Massen-Universität. Ohne dass das den Söhnleins und Töchterchens Löffelchen für Löffelchen eingeflösst werden muss.

    Diese "Elite" ist selbsternannt. Die Welt hat keinen Schaden, wenn mal zwei oder fünf Jahrgänge ausfallen.

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    • lau-de
    • 15.04.2009 um 16:24 Uhr

    vorangetrieben, wenn aus einer Masse von 100 standard-augebildeten Wissenschaftler bsp. 20 etwas ganz neues und fortgeschrittenes schaffen, und nicht dann von einem oder zwei "Elite"-ausgebildeten was wunderbares vergeblich erwartet wird...

    • lau-de
    • 15.04.2009 um 16:24 Uhr

    vorangetrieben, wenn aus einer Masse von 100 standard-augebildeten Wissenschaftler bsp. 20 etwas ganz neues und fortgeschrittenes schaffen, und nicht dann von einem oder zwei "Elite"-ausgebildeten was wunderbares vergeblich erwartet wird...

    • lau-de
    • 15.04.2009 um 16:24 Uhr

    vorangetrieben, wenn aus einer Masse von 100 standard-augebildeten Wissenschaftler bsp. 20 etwas ganz neues und fortgeschrittenes schaffen, und nicht dann von einem oder zwei "Elite"-ausgebildeten was wunderbares vergeblich erwartet wird...

  2. Der Unterschied in der Qualität eines Studienabschlusses an einer sogenannten Eliteuniversität zu einer normalen Hochschule liegt darin, dass man am Kassenbon ablesen kann, was er gekostet hat.

    In Deutschland hat man Studiengebühren eingeführt, weil private Universitäten, die allein zahlungskräftige Klientel im Auge haben, gegenüber den staatlichen Hochschulen nicht konkurrenzfähig wären. Deshalb hat die INSM da ja auch große Kampagnen gefahren. Den Herrschaften dort ging es nicht um Bildung - nein, ihnen ging es allein darum, Geld zu schäffeln.

  3. 7. Doch

    Das Anagramm zu "Elite" kann auch "Eitel" bedeuten. Hochmut (ein Indiz) für Eitelkeit kommt vor dem Fall.Auch wenn dieser Fall nur Zufall zu sein scheint, Eliten müssen - in jeder Hinsicht - Vorbild sein.

    Antwort auf "Ach was"
  4. "What they don´t teach you at Harvard Business School" hiess in grauer Vorzeit ein Schmöker, der dem Leser über die Lücken der universitären Ausbildung mit Erfahrungen aus dem "wirklichen" Geschäftsleben hinweg zu helfen versprach.

    Ich weiss ja nicht, an welchen Unis die Leute studiert haben, die es geschafft haben, einen derart hohen Teil des Stiftungskapitals eines der Vorzeigeschlachtschiffe der scientific community zu verbrennen, aber zur Vermeidung blamabler Antworten wechseln wir besser das Thema und verweisen zur Fortbildung besagter Personen auf die Taschenbuchausgabe des eingangs erwähnten Buchtitels - den ich zugegebenerweise selbst nie gelesen habe.

    Dass unabhängig von den verdampften $ ein Harvard-Abschluss bei der Generierung derselben mittels Einkommen nach wie vor sehr hilfreich ist, ist aber unbestritten. Man mag jetzt den Kopf schütteln, Schadenfreude empfinden, oder schlicht dem Ganzen indifferent gegenüber stehen, niemand wird jedoch bestreiten, dass die Ausbildung an genannter Universität zwar viel kostet, sich letztlich aber durchaus bezahlt macht. Und daran wird wohl auch der blamable Umgang mit dem Vermögen der alma mater nichts ändern.

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    ...wenn eine Business-School, die von sich sagt, die Erste auf der Welt zu sein, einfachen Betrügern auf den Leim geht...

    ...wenn eine Business-School, die von sich sagt, die Erste auf der Welt zu sein, einfachen Betrügern auf den Leim geht...

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