Guus Hiddink Der andere Trainer

Er ist russischer Nationalcoach, Erfolgstrainer in Chelsea und behauptet, kein Trainer zu sein: Die ungewöhnliche Karriere des Guus Hiddink

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Erfolg in London: Chelsea-Trainer Guus Hiddink

4:4 und 3:1, zwölf Tore in zwei Spielen: Der FC Chelsea und der FC Liverpool haben sich ein denkwürdiges Duell in der Champions League geliefert. Chelsea trifft nun im Halbfinale auf Barcelona. Die Engländer haben dies Guus Hiddink zu verdanken, einem Trainer, der sich vom Rest seiner Zunft unterscheidet und dennoch Erfolg hat.

Seit Februar arbeitet Hiddink den Posten als Interimstrainer im Norden Londons. Hauptamtlich bleibt er Trainer der russischen Nationalmannschaft. Als er in London ankommt, tritt er die Nachfolge von Felipe Scolari an. Chelsea spielt zu diesem Zeitpunkt unansehnlich Fußball, und auch die finanzielle Unterstützung von Klub-Besitzer Roman Abramowitsch stößt während der weltweiten Finanzkrise an ihre Grenzen. In kurzer Zeit formt er aus einem verunsicherten, verzagten Kollektiv eine selbstbewusst und unberechenbar auftretende Mannschaft. Ruhig, rational und unaufgeregt packt er die Aufgabe an. Schnell erkennen die Spieler, dass ihr neuer Trainer weiß, was er tut. Er hat die ungewöhnliche Fähigkeit alles was er macht, einfach, aber wirkungsvoll aussehen zu lassen.

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Aufgewachsen ist der Trainer in der niederländischen Provinz. In der Nachkriegszeit muss er zusammen mit seinen fünf Brüdern Tomaten pflücken und Kühe melken. Fußball spielen die Jungs auch. Seine Brüder sind aber talentierter als er, sie werden bald Profifußballer. Hiddink beginnt zunächst als Co-Trainer bei De Graafschap. An eine große Trainerkarriere ist zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht zu denken. Hiddink wird nach seinem kurzen Intermezzo als Coach Spieler in Eindhoven, Washington, San José und Nijmegen.

“Jeder fängt normalerweise als Spieler an und wird dann Trainer“, erzählt Hiddink. “Ich habe das Gegenteil gemacht, und das könnte ein Grund für ein vollständigeres Verständnis von Fußball sein.“ Seine Stärken zeigt der eloquente, weltoffene Trainer auf mehreren Kontinenten. 2006 betreut er gleichzeitig den PSV Eindhoven und das australische Länderteam. Aktuell pendelt er als russischer Nationaltrainer zwischen Moskau und London hin und her.

Die Doppelbelastung wirkt sich nicht negativ aus. Bei der WM in Deutschland zieht er mit dem Außenseiter Australien ins Achtelfinale ein. In den Jahren zuvor führt er bei der WM 2002 Südkorea sensationell ins Halbfinale. Das gleiche gelingt ihm 1998 mit den Niederländern. Erst im Elfmeterschießen gegen Brasilien kommt das Aus. Noch frisch in Erinnerung ist die Spielweise Russlands bei der EM 2008. Damals spielt sein Team modernen und offensiven Fußball.

Hiddink ist bei seinen Projekten der Kopf eines großen Teams, das viele von ihm persönlich ausgesuchte Experten umfasst. Er führt das Spezialistentum ein, noch bevor Trainer wie Jürgen Klinsmann oder Ralf Rangnick die Vorzüge eines großen Mitarbeiterstabes ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen. Er bezeichnet sich selbst als einen technischen Leiter, der auf professioneller Weise mit unterschiedlichen Nationalitäten, Denkweisen und Kulturkreisen arbeitet. “Guus ist einzigartig“, sagt Raymond Verheijen, der unter Hiddink für die Fitness des russischen Teams verantwortlich ist. “Er passt sich seiner Umgebung und den Spielern an und versucht dann, das Beste aus ihnen herauszuholen.“

Leser-Kommentare
    • Hank83
    • 16.04.2009 um 10:42 Uhr

    Das Micheal Ballack seit der Ankunft Hiddinks im Februar wieder Tore schiesst ist nicht ganz korrekt. Ballack hat letztes Wochenende sein erstes Saison Tor in der Liga erzielt und auch gegen Liverpool in der Champions League wieder kläglich vergeben. Hiddink ist ohne Zweifel ein außergwöhnlicher Trainer aber das Tore schießen hat Michael Ballack auch unter Hiddink nicht wieder als seine Leidenschaft entdeckt. Schade.

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