Unglück in Sheffield Eine Tragödie, die den Fußball veränderte

Vor 20 Jahren starben 96 Menschen im Hillsborough-Stadion. Die Verantwortlichen haben Konsequenzen gezogen, doch viele Opfer kämpfen noch um Aufarbeitung

Der Block "Pen 3", in den die nachdrängenden Zuschauer gelangen: Durch den Druck werden die Fans an die eisernen Gitter und Zäune gepresst

Der Block "Pen 3", in den die nachdrängenden Zuschauer gelangen: Durch den Druck werden die Fans an die eisernen Gitter und Zäune gepresst

Am vergangenen Ostersamstag sangen die Fans ihre Hymne "You 'll never walk alone" inbrünstiger als sonst. "96 Brüder", hatten sie auf ein Transparent geschrieben. Es war das letzte Liga-Spiel des FC Liverpool vor dem 20. Jahrestag der Katastrophe von Hillsborough. Es war eine riesige Solidaritätsbekundung. Bei der Gedenkminute wirkte Liverpools Kapitän Steven Gerrard wie versteinert. Er hat in Hillsborough seinen damals zehn Jahre alten Cousin Jon-Paul Gilhooley verloren und ihm seine "gesamte Karriere gewidmet".

Das Unglück wurde zu einem britischen Trauma. Aber was geschah genau am heutigen Tag vor 20 Jahren?

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Der 23-jährige Kenny Derbyshire ist guter Dinge, als er mit Freunden an einem Frühlingssamstag in dem Kleinbus von Liverpool nach Sheffield fährt. Sie wollen zum Pokal-Halbfinale des FC Liverpool gegen Nottingham Forest. Sie scherzen und wetten auf das Spielergebnis. Sie ahnen nicht, dass sich ihr Leben an diesem 15. April 1989 verändern wird.  

Das Spiel findet im Hillsborough-Stadion von Sheffield statt. Gegen Mittag, so berichten Augenzeugen, herrscht rund um das Stadion "Vorfreude wie beim Karneval". Der Andrang vor der Tribüne Leppings Lane ist groß. Immer mehr verspätete Fanbusse treffen ein, gegen 14 Uhr drängeln beinahe 10.000 Fans aus Liverpool in die Eingänge. Berittene Polizeibeamte versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Vergeblich. Drei Einlasstore mit sieben Drehkreuzen reichen nicht aus, um dem Druck stand zu halten.

"Die Organisation vor dem Stadion von Seiten der Polizei war einfach fürchterlich", erinnert sich Kenny Derbyshire, "es strömten mehr und mehr Leute zum Stadion, mit und ohne Karten." Gegen 14.30 Uhr trifft der verantwortliche Polizeidirektor David Duckenfield eine fatale Entscheidung. Er lässt ein als Ausgang konzipiertes Tor öffnen. Binnen kürzester Zeit gelangen Hunderte von Zuschauern ins Stadioninnere. Kenny Derbyshire und seine Begleiter werden mit der Menge in einen engen Tunnel geschoben, der die Aufgänge mit den Stehplätzen verbindet.  

Die im Tunnel feststeckenden Menschen geraten in Panik. Viele von ihnen werden zu Tode gedrückt oder taumeln mit schwersten Quetschverletzungen ins Freie. Doch entgegen aller Bedenken der Ordnungskräfte wird das Spiel pünktlich um 15 Uhr angepfiffen. Nur die wenigsten Zuschauer auf den übrigen Tribünen begreifen die Tragödie, die sich im Unterrang der Leppings Lane abspielt. Dort nehmen die Zustände im Tunnel bizarre Züge an. Während hinten Menschen um ihr Leben kämpfen, wird vorne der erste Lattentreffer von Liverpools Stürmer Peter Beardsley vermeldet. Durch den Druck aus dem Tunnel werden die Fans, die sich im Stadion befinden, an die eisernen Gitter und Zäune gepresst, schnappen krampfhaft nach Luft, sterben.

Der Block "Pen 3", in den die nachdrängenden Zuschauer gelangen, wird zur Todesfalle. Hier sterben um kurz vor 15 Uhr die ersten Menschen an Kreislaufversagen oder Atemstillstand.

Leser-Kommentare
    • AM
    • 17.04.2009 um 15:09 Uhr

    Hallo Herr Germann,

    letztes Spiel vor dem 20. Jahrestag ist nicht korrekt. Am Dienstag (14. April) hat Liverpool gegen Chelsea gespielt. Die UEFA hatte die CL-Viertelfinalspiele extra so terminiert, dass der Verein am 15. April spielfrei hatte.

    Es grüßt AM

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