Migranten Apfelkuchen statt Integration
Das Fremde soll sich ins Deutsche integrieren. Vielen Migranten ist Deutschland aber gar nicht fremd. Unsere Kolumnistin jedenfalls geht zu IKEA und ist stolz auf ihre Heimatstadt Köln

© #censored#/Photocase
Wer ist hier fremd?
Es gibt in Deutschland drei Themen, die immer aktuell sind: das Wetter, das Wohl und Weh des 1. FC Bayern München und die Integrationsdebatte.
Das Wetter enttäuscht ausnahmsweise nicht und um den Zustand von Bayern München kümmern sich schon 80 Millionen Bundestrainer in diesem Land. Interessant finde ich aber die Besessenheit, mit der in Deutschland über das Thema Integration debattiert wird. Wir haben einen Integrationsgipfel mit der Kanzlerin, wir haben Integrationsbeauftragte, etliche Polit-Talkrunden und kein Wahlkampf kommt ohne dieses Thema aus.
Aber niemand stellt den Diskurs selbst in Frage. In einem herrscht Einigkeit: Integration ist gut. Und der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten. Es muss etwas Einheitliches, ein fertiges Bild geben, in das man sich integriert. Wenn es um das Thema Integration geht, geht es also immer um das "Fremde" und das "Deutsche". Denn worin sollte sich sonst das Nicht-Deutsche integrieren, wenn nicht ins Deutsche?
Eigentlich versichern sich die Deutschen in der Ausländerdebatte also immer nur ihrer eigenen Identität. Sie bedienen sich des "Fremden", um sich selbst zu finden. Das erklärt auch, warum die Debatte oft ohne Beteiligung von Migranten stattfindet. Es handelt sich mehr um ein Selbstgespräch der Deutschen.
Aus der Perspektive einer Migrantin führt dies zu sonderbaren Erlebnissen: Man wird in diesem Land geboren, wächst mit Ernie und Bert, mit Stangeneis und Dieter Thomas Heck auf. Nichts fühlt sich fremd an, alles ist vertraut, aber die Deutschen, die einem begegnen, sprechen einen permanent auf das Fremdsein an. Man sitze doch bestimmt zwischen den Stühlen, Deutsch sei doch bestimmt eine schwere Sprache und das Wetter hier sei doch bestimmt nichts für einen, man sei es ja wärmer gewohnt. Wieso soll es in Köln-Nippes wärmer sein als im Rest von Deutschland?
Der "Fremde" hat in diesem Land gar nicht das Recht sich nicht-fremd zu fühlen, das Fremdsein wird ihm als Lebensgefühl auferlegt. In diesem Sinne werden Migranten in diesem Land zu Fremden gemacht.

Deniz Baspinar schreibt über Deutschland und Deutsche mit und ohne Hintergrund; lesen Sie hier mehr aus der Serie Kölümne
Ich bin aber nicht fremd. Ich bin nicht die Exotin, zu der man mich erklären will. Ich bin ganz normal. Ich träume von Bauhaus-Architektur und kaufe bei IKEA. Ich mag es nicht, wenn wohlmeinende Sozialarbeiter Ausländer wie behinderte Kinder behandeln. Ich komme aus einer muslimischen Familie und habe lediglich dann terroristische Fantasien, wenn ich mit dem Call-Center der Deutschen Post telefoniere. Meine Steuererklärung ist korrekt, weil ich viel zu vergesslich bin, um mir Schummeleien zu merken. Ich reagiere beleidigt, wenn Hamburger Schnösel Köln als provinziell bezeichnen.
Ich bin nicht die "Andere". Ich integriere mich nicht und beteilige mich auch nicht an der Integrationsdebatte. Ich habe kein Identitätsproblem. Ich esse Apfelkuchen und lebe einfach in diesem Land.
- Datum 15.04.2009 - 12:27 Uhr
- Serie Kölümne
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
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... terroristische Fantasien, wenn ich mit dem Call-Center der Deutschen Post telefoniere.
Das können wir unter Notwehr segeln lassen.
[...]
Reicht es nicht langsam? Ich sehe auch nicht aus wie Helga und ich denke meinen Mitmenschen ist es egal wie ich aussehe, solange ich nicht penetrant Aufmerksamkeiten einfordere oder ständig Forderungen aufgrund meines "Anderssein" stelle. [...]
[Gekürzt. Bitte versuchen Sie, zu einer sachlichen und konstruktiven Debatte beizutragen, indem Sie auf beleidigende oder diskriminierende Pauschalisierungen verzichten. Danke. /Die Redaktion pt.]
Wenn unsere muslimischen Mitbürger nur durch das Essen von Apfelkuchen auffallen würden, hätte wohl niemand ein Problem mit ihnen.
Also ich muss Frau Baspinar durchaus zustimmen und lese ihre Kolumne meistens gerne, aber man kann nicht sagen, dass nicht ueber INtegration geredet werden muesste. Ich bin als Auslaender und Sohn Auslaendischer Eltern problemlos integriert und es gibt viele denen das aehnlich geht. Deshalb laesst sich aber noch lange nicht sagen, dass die Integrationsdebatte ueberfluessig sei. Flasch gefuehrt mag sie sein.
Es erschreckt mich aber durchaus wenn ein Betrag wie von "Berlin Amsterdam" mehrfach mit "Ausgezeichnet" bewertet wird, wo ich den nicht nur fuer schlecht geschrieben sondern auch noch fuer inhaltlich falsch halte. Das "Tuerke" und "Araber" als Synonym fuer "Integrationsprobleme" taugen wuerden offenbart vielleicht Rassismus, aber vor allem ein viel groesseres Problem der Integration: Den teilweise nicht vorhandenen Willen der Deutschen Gesellschaft ihren Anteil daran zu leisten, dass jemand, der eingeladen wurde auch integriert wird. Wer staendig die Schuld bei anderen Sucht foerdert den Prozess nicht und ich will nicht dahinstellen, dass es auf der Seite einiger Einwanderer Probleme damit gibt.
Wenn unsere muslimischen Mitbürger nur durch das Essen von Apfelkuchen auffallen würden, hätte wohl niemand ein Problem mit ihnen.
Also ich muss Frau Baspinar durchaus zustimmen und lese ihre Kolumne meistens gerne, aber man kann nicht sagen, dass nicht ueber INtegration geredet werden muesste. Ich bin als Auslaender und Sohn Auslaendischer Eltern problemlos integriert und es gibt viele denen das aehnlich geht. Deshalb laesst sich aber noch lange nicht sagen, dass die Integrationsdebatte ueberfluessig sei. Flasch gefuehrt mag sie sein.
Es erschreckt mich aber durchaus wenn ein Betrag wie von "Berlin Amsterdam" mehrfach mit "Ausgezeichnet" bewertet wird, wo ich den nicht nur fuer schlecht geschrieben sondern auch noch fuer inhaltlich falsch halte. Das "Tuerke" und "Araber" als Synonym fuer "Integrationsprobleme" taugen wuerden offenbart vielleicht Rassismus, aber vor allem ein viel groesseres Problem der Integration: Den teilweise nicht vorhandenen Willen der Deutschen Gesellschaft ihren Anteil daran zu leisten, dass jemand, der eingeladen wurde auch integriert wird. Wer staendig die Schuld bei anderen Sucht foerdert den Prozess nicht und ich will nicht dahinstellen, dass es auf der Seite einiger Einwanderer Probleme damit gibt.
Die Intergration ist ein Prozess das im Spannungsfeld zwischen Migration und Emigration verläuft. In Deutschland geht es lediglich um menschenverachtende Rassenpolitik! Ich bevorzuge daher eher Scharwarma, Döner und Pizza statt Apfelkuchen, Bier und Bockwurst.
Wobei ich kritisch bemerken muss das das Resultat beider Gedankengänge auf der Toillete als braune ... kanalisiert.... Troztdem bleibe ich bunt, bunt, bunt sonst beisst mich der deutscher Schäferhund! ; )
Grüsse
Trizmachine
Troztdem bleibe ich bunt, bunt, bunt sonst
dass laut Farbenlehre zuviel bunt braun ergibt?
Troztdem bleibe ich bunt, bunt, bunt sonst
dass laut Farbenlehre zuviel bunt braun ergibt?
dass Sie ein Big Shot sind. Schon mal in der Straßenbahn gefahren? Was glauben Sie denn, wieviele andere Big Shots man da so trifft - ich verrats Ihnen: Keinen.
Es zweifelt wohl niemand daran, dass es Ausländer oder auch Inländer gibt, die sich hier gut integrieren. Wovon aber gesprochen wird ist die Masse, und die integriert sich nicht, die desintegriert diesen Staat.
Salus Publica Suprema Lex
Wenn unsere muslimischen Mitbürger nur durch das Essen von Apfelkuchen auffallen würden, hätte wohl niemand ein Problem mit ihnen.
Wird die Zeit neuerdings als Bettlektüre an Intensivtäter versandt? Oder wen will man mit solchen Artikeln erreichen? Die Deutschen haben angesichts des Multikultiproblems doch längst resigniert und sind derart entspannt-schlimmer kanns ja nicht mehr werden.
Deutsche erwarten von Ausländern oder "Menschen mit Migrationshintergrund" schon lange weder Integration noch sonst irgendwas. Diese Illusion hat hier keiner mehr.
Sollen die Nicht-Integrierten jetzt darauf verzichten dürfen, sich integrieren zu müssen, weil Sie es bereits sind??? Oder was sonst ist die Conclusio aus diesem etwas obskuren Text?
Also ich muss Frau Baspinar durchaus zustimmen und lese ihre Kolumne meistens gerne, aber man kann nicht sagen, dass nicht ueber INtegration geredet werden muesste. Ich bin als Auslaender und Sohn Auslaendischer Eltern problemlos integriert und es gibt viele denen das aehnlich geht. Deshalb laesst sich aber noch lange nicht sagen, dass die Integrationsdebatte ueberfluessig sei. Flasch gefuehrt mag sie sein.
Es erschreckt mich aber durchaus wenn ein Betrag wie von "Berlin Amsterdam" mehrfach mit "Ausgezeichnet" bewertet wird, wo ich den nicht nur fuer schlecht geschrieben sondern auch noch fuer inhaltlich falsch halte. Das "Tuerke" und "Araber" als Synonym fuer "Integrationsprobleme" taugen wuerden offenbart vielleicht Rassismus, aber vor allem ein viel groesseres Problem der Integration: Den teilweise nicht vorhandenen Willen der Deutschen Gesellschaft ihren Anteil daran zu leisten, dass jemand, der eingeladen wurde auch integriert wird. Wer staendig die Schuld bei anderen Sucht foerdert den Prozess nicht und ich will nicht dahinstellen, dass es auf der Seite einiger Einwanderer Probleme damit gibt.
Den teilweise nicht vorhandenen Willen der Deutschen Gesellschaft ihren Anteil daran zu leisten, dass jemand, der eingeladen wurde auch integriert wird.
Dann zeigen Sie doch mal die Einladung! Die würde "die deutsche Gesellschaft" gerne mal sehen. Eine Migrationseinladung wurde nie ausgesprochen, was es mal gegeben hat, war ein Gastarbeiterangebot.
Man stelle sich mal vor, bei einem offenen Tag der Moschee würden die Gäste einfach nicht mehr nach Hause gehen. Sie würden anfangen, in der Moschee Weißbier zu trinken und Schweinebraten grillen (das Recht dazu würden sie sich vor dem Verfassungsgericht erstreiten, schließlich geht es hier um kulturelle Werte und Traditionen), die Alten verprügeln, die Jungen ausrauben, kein Wort türkisch oder arabisch sprechen und wenn dem Imam schon vor Wut Rauch aus dem Turban quillt sagen "Ey Ali, du hast uns doch eingeladen, zeig mal Respekt!".
Ich bin mir sicher, auch hier wäre das Problem die mangelnde Bereitschaft der Türken und Araber, ihre Gäste würdig zu behandeln!
[Anm.: Bitte versuchen Sie, zu einer differenzierten Debatte beizutragen und auf beleidigende Verallgemeinerungen zu verzichten. Danke. /Die Redaktion pt.]
Den teilweise nicht vorhandenen Willen der Deutschen Gesellschaft ihren Anteil daran zu leisten, dass jemand, der eingeladen wurde auch integriert wird.
Dann zeigen Sie doch mal die Einladung! Die würde "die deutsche Gesellschaft" gerne mal sehen. Eine Migrationseinladung wurde nie ausgesprochen, was es mal gegeben hat, war ein Gastarbeiterangebot.
Man stelle sich mal vor, bei einem offenen Tag der Moschee würden die Gäste einfach nicht mehr nach Hause gehen. Sie würden anfangen, in der Moschee Weißbier zu trinken und Schweinebraten grillen (das Recht dazu würden sie sich vor dem Verfassungsgericht erstreiten, schließlich geht es hier um kulturelle Werte und Traditionen), die Alten verprügeln, die Jungen ausrauben, kein Wort türkisch oder arabisch sprechen und wenn dem Imam schon vor Wut Rauch aus dem Turban quillt sagen "Ey Ali, du hast uns doch eingeladen, zeig mal Respekt!".
Ich bin mir sicher, auch hier wäre das Problem die mangelnde Bereitschaft der Türken und Araber, ihre Gäste würdig zu behandeln!
[Anm.: Bitte versuchen Sie, zu einer differenzierten Debatte beizutragen und auf beleidigende Verallgemeinerungen zu verzichten. Danke. /Die Redaktion pt.]
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