Pro/Kontra Klinsmann Klinsmann muss weg, sofort!
Die Bayern brauchen Klinsmann auch nach dem Debakel in Barcelona. Oder sollte der Anheizer und Sprücheklopfer sofort zurücktreten? Ein Pro und Kontra

© Miguel Villagran/Bongarts/Getty Images
Jürgen Klinsmann zurück in München: Bleibt er und wenn ja, wie lange?
PRO: Der FC Bayern sollte seinen Trainer nicht feuern
Von Steffen Dobbert
Der Kollege grinste heute hämisch. Die Redakteurin gegenüber spottete. Es war Schadenfreude über Jürgen Klinsmanns Niederlage. Die Redaktion war sich einig: Der öffentliche Druck sei zu stark. "Klinsmann muss endlich gehen!" Aber muss man nicht zunächst eine Frage beantworten: Was oder wem nützt es, wenn Klinsmann gefeuert wird?
Viele würden sich sicher freuen, wenn der Trainer aufgäbe. Nur: Dem FC Bayern und damit dem deutschen Fußball wäre damit nicht geholfen.
Die Vereinsführung um den Manager Uli Hoeneß hat Mut bewiesen, als sie Klinsmann eingestellt haben. Hoeneß hat gemeinsam mit dem Trainer ein Konzept entwickelt. Gemeinsam wollen sie den erfolgreichsten deutschen Verein international konkurrenzfähig machen.
Nach zwei schlechten Spielen innerhalb von fünf Tagen darf nun nicht an diesem Vorhaben gezweifelt werden. Wenn die Münchner sich verbessern wollen, müssen sie Rückschläge verkraften können. Wenn sie zu Europas Spitze gehören wollen, brauchen sie ein langfristiges Konzept und einen Trainer der es umsetzt.
Der Verein braucht diesen Umbruch. Und der braucht Zeit. Für den Wandel müssen sich die Münchner ein Übergangsjahr in dem es Kritik und Niederlagen gibt, erlauben können.
Mark van Bommel hat nach dem Debakel in Barcelona die Situation treffend analysiert: "Wir haben einfach nicht das Niveau!", sagte er. Bis auf ein paar wenige Spieler fehlen dem Klub Akteure, die auf internationalem Niveau mithalten können. Aber: Spieler werden gehen, Spieler werden kommen. Jürgen Klinsmann hat das längst geplant. Er hat das Leistungszentrum in München entwickelt. Für seine Vision vom FC Bayern hat er sich einiges einfallen lassen – und gemeinsam mit Hoeneß viel Vereinsgeld investiert. Was soll passieren, wenn der Trainer jetzt geht? Huub Stevens wird der neue Visionär? Otto Rahhagel kommt zurück? Oder macht es Franz Beckenbauer wieder selbst?
Was in der abstrusen aktuellen Debatte oft untergeht: Der FC Bayern ist mit bestimmten Zielen in die Saison gestartet, eines lautete: Viertelfinale der Champions League. Dieses Ziel hat Klinsmann trotz des Debakels gegen Barcelona erreicht. Und auch wenn es vielen die Schadenfreude mindert: Lediglich drei Punkte beträgt der Vorsprung des VfL Wolfsburg. Theoretisch könnten die Bayern schon am Ostersamstag Tabellenführer der Bundesliga werden.
KONTRA: Klinsmann muss weg, sofort
Von Michael Schlieben
Wer gestern Karl-Heinz Rummenigge gesehen hat, wusste: Jürgen Klinsmann hat keine Zukunft mehr bei den Bayern. Nicht einmal, dass Klinsmann übermorgen beim Bundesligaspiel gegen Frankfurt noch auf der Bank sitzt, wollte der Vorstandschef bestätigen, der in München "Killer-Kalle" genannt wird wegen seiner knallharten Personalpolitik.
Die erfolgsverwöhnten Bayern-Bosse sind von Klinsmann abgerückt. Verwunderlich ist das nicht, schließlich ist der Klub nicht nur aus der Champions League ausgeschieden. Mit der derzeitigen Leistung werden sie sich in der Bundesliga, wo sie momentan Platz vier belegen, kaum erneut für die Königsklasse qualifizieren.
Die Spieler glauben ebenfalls nicht mehr an den Trainer. Der Torwart Michael Rensing, den Klinsmann gestern überraschend und zu diesem Zeitpunkt völlig unnötig ausgetauscht hatte, kritisierte Auf- und Einstellung der Mannschaft. Man habe sogar Glück gehabt, nicht zweistellig verloren zu haben, sagte er hinterher. Auch der – vom Trainer mal degradierte, mal gelobte - Kapitän Mark van Bommel verhehlt seit Wochen schon kaum, dass er Klinsmann für einen Amateur hält, der keine Ahnung von Taktik und Mannschaftsführung hat.
Zwischen Mannschaft und Chefetage ist da noch einer, der inzwischen nicht mehr an Klinsmann zu glauben scheint: er selbst.
Klinsmann, der Anheizer und Sprücheklopfer, hat sein Pulver verschossen. Gestern nach dem Spiel schwieg er zunächst, schwänzte ein vereinbartes Interview. Menschlich mag das nach so einer Klatsche nachvollziehbar sein. Letztlich aber war das eine Bankrotterklärung für einen, der sich immer gern als Visionär und Botschafter feiern ließ.
Die Sätze, mit denen er angetreten war, hat er schon längst zurücknehmen müssen: Er wollte die Spieler jeden Tag etwas besser machen. Er wollte moderner, offensiver, frischer und frecher spielen lassen. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Es würde auch lächerlich wirken, angesichts der traurigen Wirklichkeit.
Nach der verheerenden Niederlage am Wochenende gegen Wolfsburg verballerte Klinsmann rhetorisch seine letzten beiden Schüsse. Erstens hörte er auf, sich hinter die Mannschaft zu stellen. Wer jetzt nicht mitziehe, könne sich zur nächsten Saison einen neuen Verein suchen. Vergebens: In Barcelona gab es überhaupt kein Aufbäumen mehr, keine erkennbare taktische Grundordnung. Klinsmanns Elf spielte hektisch und fahrig, eher gegen, als für den Trainer.
Zweitens kommt hinzu, dass Klinsmann sich selbst ein Ultimatum gestellt hat. In einem Interview sagte er, dass seine Leistung als Trainer in diesem Jahr vor allem an der Champions Leauge zu messen sei. Klinsmann wusste, anders als in der Liga hatte sich sein Team hier (wenn auch gegen zweitklassige Gegner) bisher leidlich geschlagen. Seit gestern steht es aber auch hier 0:4 gegen ihn.
Die Visionen sind nun vorbei. Deshalb schwieg er gestern. Heute meldete er sich mit einer dürren Pressemitteilung. Darin der Satz: "Es ist fünf vor zwölf". So etwas sagen Politiker, kurz bevor sie zurücktreten.
- Datum 09.04.2009 - 17:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Einer meiner Bekannten stellte folgende Behauptung auf:
Als Herr Klinsmann zusammen mit Herrn Löw unsere Nationalmannschaft betreute, wäre Herr Klinsmann für die "Show" verantwortlich gewesen und Herr Löw hätte die Linienarbeit gemacht. Deshalb sähe - weil jetzt selber zuständig für die Linienarbeit - Herr Klinsmann so schlecht aus.
Kann das jemand so bestätigen bzw. vielleicht auch richtig stellen ? Hier würden mich mal die Hintergründe interessieren.
Es scheint, dass Jürgen Klinsmann vor allem keine Bindung mehr zur Mannschaft hat. Das ist tragisch. Er wollte bestimmt das beste, doch es ist wohl ein Unterschied, eine Nationalmannschaft mit einem erstklassigen Trainerteam zu betreuen, oder eine Vereinsmannschaft, die unter einem Trainer Hitzfeld bewiesen hat, dass sie vorne mitspielen kann. Vielleicht ist er für eine Mannschaft wie Bayern noch zu jung um dieses Format zu haben, dass es benötigt. Sein unbedingter Wille zum Erfolg, scheint ihm eine so starke Identifikation, das er das menschliche vergisst. Das zeigen viele Statements und Entscheidungen von ihm. Denn Fussball können die Bayern ja nicht verlernt haben. Klinsmann kann das Potential der Spieler anscheinend nicht erreichen. Vielleicht ist er nicht in ihrem Herzen angekommen. Vielleicht ist dies der falsche Platz für ihn. Was bleibt, ein Sommermärchen das durch ihn entstanden ist, dafür gebührt ihm Dank, das war eine außergewöhnliche Leistung.
Für den FC Bayern München scheint eine andere Persönlichkeit gefragt.
Die Spieler müssen sich fragen lassen, ob eine derartige desaströse Leistung verantwortbar ist. Egal wer der Trainer ist.
mal jemand auf die Idee gekommen das die Leistung schlecht ist, weil ständig die Trainer gewechselt werden?
eines recht erfolgreichen Weltmeisterschaftteams, das aus jungen, zum Teil frischen, relativ unerfahrenen dafür aber um so motivierteren Spielern bestand, ist nicht zu vergleichen mit der Arbeit beim FC Bayern München, wo aus alt eingesessenen, sich nicht mehr leicht formenden und begeisternden Stammspielern und Stars aus dem Ausland ein innovatives Team mit neuer Einstellung zur Arbeit zusammengestellt werden soll. Die Hype, die um Klinsmann nach der WM gemacht wurde, ließ sich einfach beim FC BM nicht fortsetzen. Die Mentalitäten des WM-Teams und der Bundesligamannschaft sind zu unterschiedlich.
Mit all seienen neuen und amerikanischen
und nur auf Leistung orientierten Trainingsmethoden
hat er übertrieben.
Das passt nicht zur Psyche der Europäer.
Ich kann mir gut vorstelen,
wenn ein Spieler wissenschaftlich kontrolliert wird
ob er an seiener Leistunggrenze trainiert oder nicht,
dass das die Spontanität hemmt.
Ich kann mir auch vorstellen,
dass auch alle Fehler mit dem Ball
und was weiss ich Alles kontrolliert wird,
da denkt man keine Fehler zu machen
und nicht an das Fussballspielen.
Das Schlimme am FC Bayern, das ihn, trotz aller Ambitionen, immer wieder wie einen Provinz-Verein aussehen lässt, ist doch sein Führungsklüngel: Rummenigge, Hoeneß, Beckenbauer; ein Macho-Club abgehalfterter Cowboys, die sich in Bild-Zeitung und Fernsehen regelmäßig präsentieren, als könnten sie vor lauter Kraft nicht gehen und die, wenn die Testosteron-Phantasien nicht in Erfüllung gehen, ins Autoritäre abdriften. Ist ja auch peinlich, wenn man großmäulig angibt, mit dicken Geldpacken wedelt und nachher doch nichts dabei rauskommt.
Ich glaube, man sollte mal (nach dieser Saison) in Ruhe analysieren, was Klinsmann richtig und was er falsch gemacht hat. Keiner hat was davon, wenn man zwei schlechte Ergebnisse gleich zum Anlass nimmt, ihn einen Kopf kürzer zu machen. Das ist vielleicht geil für einen wie Rummenigge, aber dann können sie wieder ganz von vorne anfangen.
Klinsmann ist eine Taktische Null, wie man an seiner Wahl des CoTrainers aus Mexico (der keine Ahnung von der Bundesliga hat) und seiner Hoffnung Donnovan aktuell beobachten konnte. Dass er bei der WM den Sprinter Odonkor als taktische Waffe präsentiert hat, der außer einer Glücksflanke in einem unbedeutenden Vorrundenspiel nur Ballverluste verursacht hat, und den zu diesem Zeitpunkt in der Bundesliga egffektivsten Mann am rechten Flügel Asamoah ignoriert hat, ist genauso dillettantisch gewesen, wie einen Mehmet Scholl zuhause zu lassen, und einen Mike Hanke mitzunehmen. Das obwohl Scholl in dieser Saison regelmäßig nach seinen Einwechslungen die Bayern beflügelt hat, die in der Nationalmannschaft auch gespielt haben.
Klinsmann hat wohl Matthäus aus der Nationalmannschafft gedisst und ist als Spieler sonst nie als "Mannschafftssprecher" aufgetreten. Fußball ist ein Kollektivspiel wo der Trainer nicht so einer sein darf, der seine Meinung wie sonst was wechselt. Spieler werden dadurch verunsichert, wie man aktuell sehr gut beobachten kann. Ob Klinsmann als Trainer geeignet ist, darf nach all diesen schlechten Entscheidungen von Ihm angezweifelt werden. Wer weiß, vielleicht hätte Asamoah weniger Bälle an der seitenlinie verschenkt und Scholl hätte gegen Italien noch was bewirken können, anstatt die letzten 20 Minuten gegen Italien gar nichts zu bewerkstelligen. Ohne Klinsmann wäre man vielleicht Weltmeister geworden und nicht nur zweiter. Dass sich ein Höness hat blenden lassen, wird die Bayern schwer zurückwerfen, denn die Mannschaft war eindeutig besser, bevor Klinsmann seine Laberei breittreten durfte.
Wie definiert sich eigentlich "Europas Spitze"? Nach derzeitigem Stand in der Championsligue gehört der FCB zu den Top 8 im Gegensatz zu Vereinen wie
Real, Juve , Inter, AC Milan oder Lyon. Über die vergangenen Jahre gesehen
muss man diese natürlich dazuzählen und so bilden ein gutes Dutzend
Vereine die Spitze in Europa. So gesehen jagt man hier wohl nach einem
Phantom. Diese Vereine unterscheiden sich natürlich dadurch, daß einigen allein
aus wirtschaftlichen Gründen ein größeres Potential zur Verfügung steht.
Bleibt den übrigen , diesen Zustand durch optimale Ausnutzung des vorhandenen
Potentials auszugleichen. Die Bayern selbst, und der FC Porto haben gezeigt,
dass dies, wenn auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit, möglich ist.
Stellt sich nun die Frage , wie das mit einem "System Klinsmann" zu bewerk-
stelligen ist. Nach allem was mir bekannt ist, scheint Klinsmann in diesem
System als eine Art Supervisor über einen umfangreichen Stamm von
hochspezialisierten Assistenten zu fungieren, die auf ihrem jeweiligen Fachgebiet
"jeden Spieler jeden Tag verbessern"sollen. Die Frage ist, ob hier die Prioritäten
richtig gesetzt werden. In diesem Zusammenhang erinnert man sich an die
WM 2006, als Klinsmann einen Torwarttausch vornahm und zugunsten einer
Sekundärtugend (spielerische Mittel) eines Lehmann auf den bedingungslosen
Siegeswillen von Oliver Kahn verzichtete, der bekanntlich auch in scheinbar
ausweglosen Situationen eine Mannschaft mitreißen kann.
Geht man davon aus, dass Klinsmann nach amerikanischem Vorbild handelt,
fällt einem auch hier eine (zugegebenermaßen etwas weit hergeholte)
Parallele zur dortigen Bankenkrise auf. An den US-Banken war es üblich, die
Topabsolventen der Eliteuniversitäten in Mathematik zu verpflichten, die dann bar
jeden Wissens über Gesamtzusammenhänge, hochkomplizierte Finanzprodukte
kreierten, die am Ende völlig undurchschaubar waren. Nun versucht man
hier wie dort, im jeweiligen System "zu retten, was zu retten ist"- vermutlich
ohne Erfolg.
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