Wandel in Russland Medwedjew setzt sich von Putin ab

Russlands Präsident hat einer kremlkritischen Zeitung ein Interview gegeben. Doch ob sich diese Dialogbereitschaft politisch durchsetzen kann, bleibt unklar

Russlands Präsident Medwedew pflegt einen andere Stil als sein Vorgänger Putin - zumindest in der Kommunikation nach außen

Russlands Präsident Medwedew pflegt einen andere Stil als sein Vorgänger Putin - zumindest in der Kommunikation nach außen

Das ist ein Signal - oder es soll zumindest wie ein solches aussehen. Der russische Präsident Dimitrij Medwedjew hat Nowaja Gaseta ein Interview gegeben. Also der Zeitung, die als eine der wenigen in Russland über Korruption und organisierte Kriminalität schreibt, die sich für eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts einsetzt, für die auch die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet hatte.

Anders als Putin zeigt Medwedjew damit zum wiederholten Mal eine gewisse Bereitschaft zum Dialog und den Versuch, nicht auszugrenzen, sondern zu integrieren. Der Oppositionszeitung hatte er das Interview bereits im Januar zugesagt, nach dem Doppelmord auf offener Straße in Moskau an einer Journalistin der Zeitung und einem Menschenrechtsanwalt.

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Nach Kreml-Angaben handelt es sich um das erste große Interview des Staatschefs für eine russische Zeitung seit seinem Amtsantritt im Mai 2008. Der Präsident wolle die Nowaja Gaseta damit unterstützen, weil in den vergangenen Jahren mehrere Redakteure des Blattes getötet worden seien, sagte Medwedjews Sprecherin Natalja Timakowa.

Medwedjews zentrale Botschaft im Interview ist eine ausgesprochen freiheitliche. Er bekräftigte den Willen zur weiteren Demokratisierung Russlands, bewertete dieses Ziel sogar wichtiger als den wirtschaftlichen Aufschwung. Auf Dauer sei Wirtschaftswachstum kein Ersatz für das Mitspracherecht der Bürger, sagte er. Er sei gegen das Prinzip "Wurst statt Freiheit".

Ferner bekräftigte der Kremlchef, vorerst nicht in die Partei Geeintes Russland von Regierungschef Wladimir Putin eintreten zu wollen. "Ich halte ein parteiloses Staatsoberhaupt für richtig, solange unser politisches System noch reifen muss."

Leser-Kommentare
    • keox
    • 15.04.2009 um 19:05 Uhr

    "Er sei gegen das Prinzip "Wurst statt Freiheit".

    "Zudem forderte er mit ausgesprochen kritischen Worten, dass die Schikanierung der Wirtschaft durch die Behörden ein Ende haben müsse"

    So ähnlich kennen wir das ja von der fdp.

    Ps: die Formulierung "Wurst statt Freiheit" ist ein klassisches Beispiel für die "Illusion der Alternativen". Es geht nicht um Wurst oder Freiheit.

    Es geht natürlich um beides. Was denn sonst?

  1. Das Zweigespann Putin - Medwedjew erinnert an ein früheres Paar, Kruschtschow und Bulganin. Sie waren angeblich beide gleich, doch einer von ihnen erwies sich schon recht bald als "gleicher" als der andere.

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