Barack Obama will die Beziehungen mit Iran auf eine neue Grundlage stellen. Dazu hat er seit seinem Amtsantritt viele wohlklingende Worte gesagt. Nach Berichten der New York Times ist er nun aber bereit, Teheran ein wirklich substanzielles Angebot zu machen. Die Iraner dürfen Uran anreichern, wenn sie im Gegenzug Inspektoren der Atomenergiebehörde in Wien zu umfassenden Untersuchungen ins Land lassen.

Das ist ein Tabubruch. Bisher haben die USA – und mit ihnen die Europäer – den Stopp der Uran-Anreicherung zur Vorbedingung für jedwede Verhandlung gemacht. Im Gegenzug beharrte Iran darauf, Uran für zivile Zwecke anzureichern. "Das ist unser unveräußerliches Recht!" war und ist der Refrain aus Teheran. Mit anderen Worten: Man blockierte sich mit großem Erfolg gegenseitig.

So revolutionär Obamas Vorschlag erscheinen mag, so er denn offiziell kommt, so sehr ist er auch von der Einsicht in die Realitäten geprägt. Iran hat sich trotz aller Sanktionen und Drohungen der letzten Jahre nicht aufhalten lassen. Nach Informationen der IAEA in Wien arbeiten derzeit inzwischen 5500 Zentrifugen auf Hochtouren. Nach Schätzungen mancher Experten würde der Output dieser Zentrifugen reichen, um genug Material für zwei Atombomben pro Jahr herzustellen.

Gleichzeitig weisen die Machthaber in Teheran jeden Verdacht von sich, sie wollten eine Bombe bauen. Wer anderes behauptet, den bezichtigen sie der Lüge. Auch hier näherten sich die Parteien um keinen Millimeter an. Kommt der Vorschlag Obamas auf den Tisch, werden die Machthaber in Teheran zum Offenbarungseid gezwungen. Wollen sie Uran wirklich nur anreichern, um damit Strom zu erzeugen, oder basteln sie an der Bombe?