Atomstreit mit Iran Obamas Tabubruch

Der US-Präsident will Teheran die zivile Uran-Nutzung zuerkennen. Im Gegenzug muss das Regime belegen, dass es keine Bombe baut

Wird Obamas Uran-Initiative tatsächlich umgesetzt, gerät Irans Regierung in Zugzwang (im Hintergrund US-Vizepräsident Biden).

Wird Obamas Uran-Initiative tatsächlich umgesetzt, gerät Irans Regierung in Zugzwang (im Hintergrund US-Vizepräsident Biden).

Barack Obama will die Beziehungen mit Iran auf eine neue Grundlage stellen. Dazu hat er seit seinem Amtsantritt viele wohlklingende Worte gesagt. Nach Berichten der New York Times ist er nun aber bereit, Teheran ein wirklich substanzielles Angebot zu machen. Die Iraner dürfen Uran anreichern, wenn sie im Gegenzug Inspektoren der Atomenergiebehörde in Wien zu umfassenden Untersuchungen ins Land lassen.

Das ist ein Tabubruch. Bisher haben die USA – und mit ihnen die Europäer – den Stopp der Uran-Anreicherung zur Vorbedingung für jedwede Verhandlung gemacht. Im Gegenzug beharrte Iran darauf, Uran für zivile Zwecke anzureichern. "Das ist unser unveräußerliches Recht!" war und ist der Refrain aus Teheran. Mit anderen Worten: Man blockierte sich mit großem Erfolg gegenseitig.

Anzeige

So revolutionär Obamas Vorschlag erscheinen mag, so er denn offiziell kommt, so sehr ist er auch von der Einsicht in die Realitäten geprägt. Iran hat sich trotz aller Sanktionen und Drohungen der letzten Jahre nicht aufhalten lassen. Nach Informationen der IAEA in Wien arbeiten derzeit inzwischen 5500 Zentrifugen auf Hochtouren. Nach Schätzungen mancher Experten würde der Output dieser Zentrifugen reichen, um genug Material für zwei Atombomben pro Jahr herzustellen.

Gleichzeitig weisen die Machthaber in Teheran jeden Verdacht von sich, sie wollten eine Bombe bauen. Wer anderes behauptet, den bezichtigen sie der Lüge. Auch hier näherten sich die Parteien um keinen Millimeter an. Kommt der Vorschlag Obamas auf den Tisch, werden die Machthaber in Teheran zum Offenbarungseid gezwungen. Wollen sie Uran wirklich nur anreichern, um damit Strom zu erzeugen, oder basteln sie an der Bombe?

Leser-Kommentare
    • CB89
    • 15.04.2009 um 12:53 Uhr
    1. Bravo!

    Meiner Meinung nach der einzig sinnvolle Schritt, der schon längst überfällig war. Warum zur Hölle sollten die Iraner nicht das dürfen, was uns auch erlaubt ist?
    Alles weitere wird sich, wie im Text erwähnt, dann wohl ergeben....hoffen wir das beste...

  1. selbstverständliche Rechte anzuerkennen! Nun sollten die USA nur noch die Herstellung von Atomwaffen einstellen und ihre Atomanlagen kontrollieren lassen.

  2. ich dachte Iran war für die jeweiligen Inspektionen offen. Soweit ich informiert bin, hat sich Iran, in punkto Inspektion, an die Spielregeln gehalten. Der einzige Konfliktpunkt war die Anreicherung, welches Iran (laut Spielregeln) auch zusteht.

    Warum also jetzt die Frage ob sich Iran auch dem Angebot öffnen würde?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • FahadA
    • 15.04.2009 um 14:23 Uhr

    Iran hatte das Additional Protocol unterzeichnet aber nicht ratifiziert. Als der Casus an den UN Sicherheitsrat verwiesen wurde, wurden unangekündigte Inspektionen mit dem Hinweis auf eine mögliche Exponierung sensitiver Informationen über Tehrans konventionelle militärischen Aktivitäten nicht mehr zugelassen, was wohl auch mit der 'Wahl' des derzeitigen Präsidenten zusammenhing.

    Was ich in dem Zusammenhang besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass G. W. Bush sozusagen als letzte Amtshandlung Ende 2008 das AP für die USA unterzeichnet hatte. In Kraft seit dem 6. Januar 2009. Der Vorwurf Irans an die USA, in der Atomfrage mit zweierlei Maß zu messen, ist somit etwas entkräftet, was Obama zweifellos helfen wird.

    • FahadA
    • 15.04.2009 um 14:23 Uhr

    Iran hatte das Additional Protocol unterzeichnet aber nicht ratifiziert. Als der Casus an den UN Sicherheitsrat verwiesen wurde, wurden unangekündigte Inspektionen mit dem Hinweis auf eine mögliche Exponierung sensitiver Informationen über Tehrans konventionelle militärischen Aktivitäten nicht mehr zugelassen, was wohl auch mit der 'Wahl' des derzeitigen Präsidenten zusammenhing.

    Was ich in dem Zusammenhang besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass G. W. Bush sozusagen als letzte Amtshandlung Ende 2008 das AP für die USA unterzeichnet hatte. In Kraft seit dem 6. Januar 2009. Der Vorwurf Irans an die USA, in der Atomfrage mit zweierlei Maß zu messen, ist somit etwas entkräftet, was Obama zweifellos helfen wird.

    • FahadA
    • 15.04.2009 um 13:52 Uhr

    Nach dem neuesten Bericht der IAEA vom 19. Februar (und nichts anderes duerfte dem Autor vorliegen) drehen sich in Natanz eben nicht 5500 Zentrifugen auf Hochtouren, sondern immer noch weniger als 4000. Dies mag eine unbedeutende Fußnote sein, könnte aber auch damit erklärt werden, dass man in Tehran einfach abwartet, um Obama nicht in Verlegenheit zu bringen. Obama hat erkannt, dass der Schlüssel zur Lösung des Problems in der Ratifizierung des Additional Protocols des NPT liegt.

    http://aliqapoo.wordpress...

  3. Diplomatie ist die Kunst des Machbaren. Obama ist ein hervorragender Diplomat, wie er erst kürzlich in London wieder bewies, wo diverse andere Volksvertreter sich tölpelhaft und streitsüchtig benahmen.

  4. Was erwartet Obama von Iran jetzt, nachdem alle Drohungen bisher fehlgeschlagen haben? Obama hat keine Option, und Iran brauchte und braucht keinen Erlaubnis von Obama für die Nutzung von Uran. Viel Gerede und kein Ergebnis. Obama redet seine Handlungsunfähigkeit nur schön. Das ganze wird von den deutsche Medien nachgeredet.

    • FahadA
    • 15.04.2009 um 14:23 Uhr

    Iran hatte das Additional Protocol unterzeichnet aber nicht ratifiziert. Als der Casus an den UN Sicherheitsrat verwiesen wurde, wurden unangekündigte Inspektionen mit dem Hinweis auf eine mögliche Exponierung sensitiver Informationen über Tehrans konventionelle militärischen Aktivitäten nicht mehr zugelassen, was wohl auch mit der 'Wahl' des derzeitigen Präsidenten zusammenhing.

    Was ich in dem Zusammenhang besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass G. W. Bush sozusagen als letzte Amtshandlung Ende 2008 das AP für die USA unterzeichnet hatte. In Kraft seit dem 6. Januar 2009. Der Vorwurf Irans an die USA, in der Atomfrage mit zweierlei Maß zu messen, ist somit etwas entkräftet, was Obama zweifellos helfen wird.

  5. Die Truppe, die Hans Blix und später Mohamed al Baradei zusammengestellt haben, besteht aus hochspezialisierten Nukleartechnikern, die darauf trainiert sind mit allerlei Hitech Messgeräten den ordnungsgemässen Betrieb einer Nuklearanlage zu überprüfen. Und im Störfall die Ursachen festzustellen und dafür zu sorgen, dass Pfusch und Schlamperei nicht unter den Teppich gekehrt werden.

    Zum Auffinden von versteckten Nuklearlabors und geheimen Atombombenfabriken sind diese Leute weder ausgerüstet noch ausgebildet. Wer es trotzdem versucht, wird das gleiche Theater wie im Irak erleben. Enttarnte und ausgewiesene Agenten, manipulierte Überwachungskameras, Verzögerung und Vereitelung von Überwachungsterminen usw.
    Und am Schluss trotz Regalmeter voller negativer Berichte das Festhalten von Bush und Powell an den Massenvernichtungswaffen. Ein wirkliches Trauerspiel für Blix, Baradei und die ganze IAEA.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service