Alltagsgeschichten "Sei nutzlos"
Che Guevara empfiehlt unserem Kolumnisten eine glanzlose Laufbahn in der Anonymität
Mir träumte, ich hätte Che Guevara getroffen. Er trug ein Bob-Marley-T-Shirt und rauchte einen Joint. Wie auf dem berühmten Foto von Alberto Korda sah er aus, nur seine Augen waren rot und er grinste ein wenig.
Es ist Che Guevara, dachte ich, ich treffe Che Guevara, ich muss ihn etwas fragen, das ist die Gelegenheit. Gleichzeitig wunderte ich mich über das T-Shirt.
"Hast du Bob Marley mal kennengelernt?", wollte ich wissen, weil mir vor Aufregung nichts anderes einfiel.
"Als ich gestorben bin, kannte den kaum jemand", sagte Ernesto, "den guten alten Robert, der hat es auch nicht lange gemacht da unten, aber wenigstens hat er viel gekifft. Auch wenn das nichts gebracht hat. Er hätte sich mit härteren Drogen schneller zu Grunde richten sollen. Am besten noch, bevor er berühmt wurde. Nicht erst, als er das personifizierte Versprechen war, dass alles gut wird. Dass wir stärker sind als das System. Bevor er das magische Gefühl heraufbeschworen hat, unverwundbar zu sein. Er hat die Menschen glauben gemacht, dass es Heilung gibt. Und er hat es auch selbst geglaubt.
Das macht einen stark. Der Glaube. Stärker als das, was er Babylon nannte. Doch Babylon siegt am Ende dennoch. Weißt du, warum heute alle Bob Marley kennen? Warum seine Musik in den letzten Winkel der Welt vorgedrungen zu sein scheint? Warum man von Alaska bis Zaire Hoffnung aus seinen Worten schöpft? Weißt du das? Weil er auf der Seite der Entrechteten und Unterdrückten war, sagt man, weil er großartige Songs geschrieben hat, weil sich die Menschen überall auf der Welt mit seinen Worten identifizieren können, weil er nur Frieden bringen wollte. Sagt man. Aber das geht am Kern der Sache vorbei.
Bob Marley ist auch aus diesen ganzen Gründen überall zu hören, aber in erster Linie, weil die Vermarktung funktioniert. Überall auf der Welt kannst du dir so ein T-Shirt kaufen." Er zeigte auf das Shirt mit dem Cover Natty Dread Albums.
"Und diese ganze Vermarktung hat nichts anderes im Sinn, als Geld zu scheffeln. Genau wie das böse Babylon. Nimm einen Toten, projiziere alle möglichen Ideen in den Leichnam, der sich nicht mehr wehren kann und von dem die Leute von vornherein glauben, er wäre gegen das System gewesen und dann: verkaufe."
- Datum 15.04.2009 - 12:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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dem ich gerne zustimme. Der nächste, den es genauso erwischen wird wohl Bob Dylan sein.... obwohl, den hat es schon erwischt, nur dass er noch lebt....
Ein wunderbarer Beitrag.Mögen ihn viele Menschen lesen, ich werde meinen Beitrag leisten.
Denn der von sämtlichen Ministerien angestrebten Verwertung des Menschen (auch der Familien), begünstigt durch ein Arsenal von Spaltungsmethoden und Illussionsaufbau ist nicht anders zu entgehen.
Verweigerung ist die einzige Macht der Machtlosen (nach Sophie Scholl).
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