Mathias Schindler setzt sich für die Allgemeinheit ein. Millionen Menschen profitieren von dem Projekt, das er mitbetreut. Zusammen mit Tausenden Freiwilligen organisiert der Göttinger eine gigantische Wissensquelle, auf die jeder zugreifen darf: die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Jahrelang tat er das ehrenamtlich, inzwischen arbeitet er als Projektmanager für den Wikimedia Verein, der Organisation hinter dem deutschen Zweig der Enzyklopädie. Doch öffentliche Anerkennung oder gar Förderung bleibt Schindler und seinen Mitstreitern meist versagt.

Während das Engagement sozialer Projekte und Vereine allgemein respektiert werde, verbuchten die meisten Menschen den Einsatz für Open-Source-Initiativen als bloßen Zeitvertreib verschrobener Internet- und Computernerds, sagt Schindler. "Ich bin oft gefragt worden, ob ich mir nicht ein sinnvolleres Hobby wie Briefmarkensammeln oder Modelleisenbahn zulegen möchte."

Schindler wünscht sich, Staat und Gesellschaft würden freie digitale Projekte mehr unterstützen.

Darüber würden sich viele Open-Source-Initiativen freuen. Bisher kämpfen sie alle mit demselben Problem: Sie fallen durch das Raster etablierter Förderstrukturen.

Auszeichnungen für nicht-kommerzielle digitale Projekte gibt es kaum – dabei profitiert die viel beschworene Informationsgesellschaft tagtäglich von ihnen: Schulen, Privatpersonen und Firmen setzen Kollaborationswerkzeuge wie Wikis massenhaft ein, die Bloggerszene ist ohne die freie Blogsoftware Wordpress undenkbar, die Welt wird dank Karten wie OpenStreetMap für alle zugänglich und Wikipedia hat wohl jedem schon wertvolles Wissen vermittelt.

Weil die Nutzung solcher Werkzeuge kostenlos ist und jeder sie an seine Bedürfnisse anpassen darf, sind sie zu einem festen Bestandteil der Netzwelt geworden. In seinem Buch The Wealth of Networks/ Der Reichtum der Netzwerke beschreibt der Harvard-Professor Yochai Benkler den gesamtgesellschaftlichen Nutzen freier digitaler Projekte. Für ihn steht fest, dass sie demokratische Prozesse, kulturelle Produktion wie wirtschaftliche Innovationen gleichermaßen befördern.