Kriminalität Seeleute schlagen Piraten in die Flucht

Die Crew des überfallenen Frachters hat einen der Seeräuber festgehalten, drei weitere ergriffen die Flucht. Deutschland übergab gefangene Piraten an Kenia

Die Maersk Alabama unter ihrem alten Namen (Archivbild)

Die Maersk Alabama unter ihrem alten Namen (Archivbild)

Wenige Stunden nach der Entführung ihres Schiffes vor der Küste Somalias hat sich die US-amerikanische Crew des Frachters wieder aus der Geiselhaft der Piraten befreit. Einen der vier Seeräuber habe die Crew festgesetzt, die drei anderen hätten versucht zu fliehen, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf einen Beamten des Verteidigungsministeriums. Das US-Außenministerium bestätigte dies am Abend zunächst nicht und verwies auf "widersprüchliche Berichte".

Die Piraten hatten das dänische Schiff etwa 440 Kilometer südöstlich der somalischen Hafenstadt Eyl überfallen. Nach Angaben der Reederei A.P. Moller-Maersk wurde die Maersk Alabama mit 20 Seeleuten an Bord entführt.

Wegen der deutlichen Zunahme von Piratenüberfällen vor dem Horn von Afrika hatte die Europäische Union Kriegsschiffe in die Region entsandt, um eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten zu überwachen. An dem Einsatz beteiligt sich auch die deutsche Fregatte Rheinland-Pfalz.

Trotz der Militärpräsenz schlagen die Piraten entlang der somalischen Küste immer wieder zu. Eine unbekannte Zahl von Seeräubern hatte am Samstag den in Hamburg registrierten deutschen Frachter Hansa Stavanger gekapert, im Indischen Ozean, etwa 400 Seemeilen vor Somalia. Insgesamt sind dort 24 Seeleute aus mehreren Nationen an Bord, darunter auch fünf Deutsche.

Doch das Militär erzielt auch Erfolge: Am Mittwoch verhaftete die Polizei im kenianischen Hafen Mombasa sieben somalische Seeräuber, die vor gut einer Woche im Golf von Aden erfolglos den deutschen Marine-Tanker Spessart angegriffen hatten. Bundeswehrsoldaten hatten die Freibeuter auf der Fregatte Rheinland-Pfalz festgesetzt, die zur EU-Mission "Atalanta" gehört, und daraufhin an Kenia übergeben.

Die deutsche Justiz hatte zeitweise erwogen, die Piraten nach Deutschland zu holen. Nun soll ihnen doch in Kenia der Prozess wegen Angriffs auf den internationalen Seeverkehr gemacht werden. Schon Anfang März hatte Deutschland neun somalische Seeräuber an das ostafrikanische Land übergeben.

Grundlage ist ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und Kenia. In Somalia gibt es kein international anerkanntes Rechtssystem. Das Überstellungsverfahren gilt als rechtlich höchst kompliziert, da unter anderem geklärt werden muss, inwieweit deutsche Rechtsgüter betroffen sind.

 
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