Beinahe täglich gibt es Meldungen von neuen Überfällen auf Schiffe. Am Dienstag kaperten Piraten in Schnellbooten vor der Küste Somalias einen libanesischen Frachter, nachdem in der Nacht zuvor bereits ein griechischer Frachter in die Hände von Seeräubern gefallen war. Angesichts immer dreisterer Aktionen wird die internationale Gemeinschaft kaum darum herumkommen, künftig mit größerer Härte vorzugehen – wie es die Amerikaner gerade bei der gewaltsamen Befreiung eines US-Kapitäns und französische Spezialeinheiten bei der Stürmung einer gekaperten Segeljacht vorgemacht haben.

Der Gouverneur der somalischen Region Puntland, Musa Ghelle Yusuf, hat wiederholt dazu aufgerufen, die Freibeuter anzugreifen. Zwar könnten dabei Menschen sterben. Doch sei es notwendig, die Piraten zu töten, damit in somalischen Gewässern wieder Frieden herrsche. Auch der Piraterie-Experte Klaus Hympendahl warnte vor immer "schrofferen Methoden" der Piraten. "Viele Piratenbanden haben mafiaartige Strukturen, was den Erfolgsdruck auf die einzelnen Bandenmitglieder erhöht", sagte er.

Während die Seeräuber nach den jüngsten Einsätzen Rache schworen und Amerikanern wie Franzosen vorwarfen, mit dem Töten begonnen zu haben, bekundete US-Präsident Barack Obama seinerseits Entschlossenheit, die Piraterie zu bekämpfen. Derzeit befinden sich angeblich mehr als 250 Geiseln in den Händen der Freibeuter, darunter auch fünf Deutsche. Die meisten kommen allerdings aus Ländern wie den Philippinen, aus Tuvalu, Bangladesch oder Osteuropa.

Welche Strategie haben die Amerikaner für Somalia?

Von einer durchdachten US-Strategie gegen die Piraterie vor Somalia kann bisher keine Rede sein. Bis zur Kaperung der "Maersk Alabama" am Mittwoch vor Ostern waren US-Schiffe nicht betroffen. Entweder war das Zufall, oder die Piraten haben es wohlweislich vermieden, sich mit der Supermacht anzulegen, weil die ganz andere militärische Eingriffsmöglichkeiten hat als kleinere Nationen.

Die USA beteiligen sich mit mehreren Kriegsschiffen an der internationalen Operation zur Sicherung der Seefahrt am Horn von Afrika. Aber ihre derzeitigen Kräfte dort reichen nicht aus, um das riesige Meeresgebiet verlässlich zu sichern. Die Piraten haben bisher stets ihren Aktionsradius verlegt, um den Kriegsschiffen auszuweichen. Mit zusätzlichen Flugzeugträgern und Hubschraubern könnten die USA ihre Reaktionszeiten auf drohende Kaperungen deutlich verkürzen. Nach der Befreiung Kapitän Phillips steht Barack Obama zunächst als erfolgreicher Oberbefehlshaber da. Angeblich wurde er ständig über den Fortgang der Entführung informiert und gab persönlich die Erlaubnis zu schießen. Die Republikaner hatten ihn seit Tagen gedrängt, Härte zu zeigen. Die US-Medien feiern die sehr begrenzte Aktion wie einen großen militärischen Sieg.