Hinter den Pyrenäen verblasst allmählich der Glanz von José Luis Rodríguez Zapatero, spanischer Ministerpräsident und vor einem halben Jahrzehnt noch letzter Hoffnungsträger der europäischen Sozialdemokratie. Das ist eigentlich schade. Denn der Chef der sozialistischen Allein- und Minderheitsregierung hätte, so wollte man außerhalb Spaniens eine ganze Weile glauben, in Südeuropa ein positives Gegenmodell entwickeln können zum alt-machistischen Politikertyp seines Vorgängers Aznar oder des vordemokratischen Politikconferenciers Silvio Berlusconi.

Zapatero hat ja vielversprechend begonnen. Er zeigte Sensibilität für politische Symbolik. Er verfügte auch, allem Anschein nach, über Visionen einer sozial gerechteren und kulturell moderneren, kurzum einer besseren Gesellschaft. Und da die große Mehrheit im In- und Ausland mit wenigen Ausnahmen froh war, Zapateros konservativen Vorgänger, José María Aznar, 2004 endlich los geworden zu sein, hatte Zapatero zunächst ja auch freies Schussfeld, sozusagen mit vielen Freischüssen.

Ähnlichkeiten sind rein zufällig. Aber sie fallen auf. Heute. Seinerzeit, als er anfing, sprach natürlich noch niemand von Barack Obama, der gerade seine ersten politischen Sporen in der Landespolitik von Illinois verdiente. Der Spanier blieb daher von übertriebenen Analogien verschont. Aber rückblickend kann man doch sagen, die Ausgangssituation war nicht unähnlich.

Zapatero, im fernen León ein akademisch zwar nicht auffällig gewordener, aber doch zur Hochschullaufbahn qualifizierter Verfassungsjurist, wurde jüngster Abgeordneter im Parlament zu Madrid, war dort erst ein zwar fleißiger, aber unauffälliger Hinterbänkler, dann aber, plötzlich, eines heißen Sommers (2000), ein paar Monate nach dem zweiten Wahlsieg der Konservativen, taucht er auf aus dem Nichts, wird von Freunden kurz vor dem Parteitag der Sozialisten als Kandidat für das Amt des Parteivorsitzenden präsentiert, fordert einen angesehenen Parteiveteranen heraus und gewinnt die Kampfabstimmung denkbar knapp. Ein politischer Aufstieg, einigermaßen vergleichbar mit dem späteren Blitzstart des amerikanischen Präsidenten.

Vergleichbar waren zunächst auch die äußeren politischen Umstände: sein Gegenüber, der konservative Regierungschef Aznar, war zunehmend unbeliebt. Vor allem hatte er das Land an der Seite seiner angelsächsischen Freunde Bush und Blair in den Irak-Krieg verwickelt. Unter dramatischen Bedingungen – das Attentat von Madrid vom 11. März 2004 – verlor Aznar denn auch die Wahl gegen Zapatero. Die Folge: Verwirrung und Unrast in Aznars Volkspartei, die PP kam lange nicht zur Ruhe. So regierte Zapatero eine ganze Weile ungestört von der Opposition. Auch die Wirtschaft machte ihm keine Sorgen. Im Gegenteil, die brummte. Spanien ging es gut.

Bis zum Herbst vergangenen Jahres. Jetzt ist die Krise, die zu wenige für möglich hielten, angekommen. Sie trifft das Land, seine Regierung und vor allem seine Bürger anscheinend unvorbereitet. Und somit wird spätestens jetzt deutlich, dass die Regierung Zapatero in ihren bisherigen fünf Jahren zwar reformpolitisch nicht untätig, aber was die einseitige Wirtschaftsstruktur des Landes anging, geradezu sträflich sorglos war. Es war, als hätte die Regierung das von der EU stark mitfinanzierte Wachstum ihrer ersten Amtsjahre und den wirtschaftlichen Aufstieg freudig genossen, aber nicht für Umbauten, Veränderungen und Vorsorge genutzt. Zapatero ist kein Ökonom.