Folter in Guantánamo "Wenn Internationales Recht versagt, sind wir alle bedroht"
Der Medizinethiker Steven Miles setzt sich seit Jahren gegen Folter in US-Gefängnissen ein. Er sieht in der Verletzung der Grundrechte eine Gefahr für die Menschheit

© Nicholas Kamm/AFP/Getty
Vor dem Weißen Haus in Washington demonstrierten im Februar Bürger in orangefarbenen Gefangenen-Anzügen für die Schließung des Militärgefängnisses in Guantànamo Bay auf Kuba
ZEIT ONLINE : Herr Miles, Sie machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass auf einigen Militärstützpunkten der USA Gefangene gefoltert werden – und amerikanische Ärzte dabei nicht nur zusehen, sondern sogar assistieren. Was haben Sie gedacht, als Sie erfahren haben, dass auch in Guantánamo Ärzte bei Folter assistiert haben?
Steven Miles: Das hat mich nicht überrascht. Seit 2004 ist bekannt, dass das US-Verteidigungsministerium und die Geheimdienstbehörde CIA medizinisches Personal beschäftigen. Das sind Ärzte, Krankenschwestern und Psychologen, die Methoden entwickeln, wie man Gefangene zum Einknicken bringt. Sie sind außerdem dafür zuständig, während eines Verhörs, bei dem Gewalt angewendet wird, den Gesundheitszustand des Gefangenen zu überwachen. Es gibt zahlreiche Berichte von derartigen Fällen, und ich selbst habe zwei Bücher darüber geschrieben. In dem letzten Oath Betrayed: America's Torture Doctors geht es um die Folter in Abu Ghraib in Irak.
ZEIT ONLINE : Das heißt, der Bericht des Internationalen Roten Kreuzes über die Situation in den Lagern in Guantánamo auf Kuba, der vergangene Woche veröffentlicht wurde, zeigt Missstände auf, die seit langem bestehen?
Steven Miles : Das Rote Kreuz klagt diese Zustände seit 2004 an. Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen, die Britische Ärztevereinigung BMA und das Europäische Parlament haben die US-Medizin dafür seither immer wieder kritisiert.
ZEIT ONLINE : Welche Konsequenzen haben Behörden und die US-Regierung aus den Vorfällen im Abu-Ghraib-Gefängnis gezogen, wo ebenfalls Ärzte an Folter-Verhören beteiligt waren?
Steven Miles : Die größte US-Ärztevertretung, die American Medical Association , hat keine unabhängige Untersuchung mehr gefordert, seitdem sie den damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dazu aufgefordert hat, das System zu untersuchen, das er selbst entwickelt hat. Staatliche medizinische Genehmigungsbehörden und Berufsverbände weigern sich bislang, Beschwerden gegen besagte Ärzte und Psychologen anzunehmen oder auszuwerten.
ZEIT ONLINE
: Sie haben unzählige Militärprotokolle und Behördenberichte durchforstet und lange dazu geforscht, warum Menschen foltern. Was, denken Sie, treibt Ärzte dazu, den hippokratischen Eid auf so extreme Weise zu brechen?
Steven Miles
: Staaten, die foltern, brauchen Komplizen, die medizinisch oder psychologisch geschult sind. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe: Erstens müssen sie Foltermethoden entwickeln, die keine körperlichen Narben hinterlassen. Zweitens darf der Gefangene bei der Folter nicht sterben, und drittens müssen die Ärzte und Psychologen dabei helfen, die Fälle zu vertuschen, in denen doch jemand an den Folgen gestorben ist. Etwa 60 Prozent der gefolterten Gefangenen berichten davon, dass ein Arzt während der Prozeduren dabei war. Das schließt natürlich nicht diejenigen ein, die durch Folter ermordet wurden und deren Totenschein gefälscht wurde.
ZEIT ONLINE
: Das sind die politischen Gründe. Aber was geht in den Ärzten vor, die einmal geschworen haben, Menschen zu helfen?
- Datum 12.04.2009 - 16:30 Uhr
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Er stellt gut dar, mit welcher Argumentation die Bereitschaft geweckt wird, sich an der psychischen und körperlichen Quälerei von Menschen zu beteiligen. Und tue niemand so, als sei er für immer und ewig qua Beruf oder Charakter davor gefeit.
Eben deswegen muss der Kampf gegen die Folter immer Teil der Friedenspoltik mit Thematisierung auf höchster politischer Ebene sein. Denn ohne diese Ebene gibt es nicht die Möglichekeit interstaatlicher Rechtsetzung. Der moralische Appell erhöt die Aufmerksamkeit und ist notwendig. Dem potentiellen Opfer im Hinterzimmer hilft nur das Engagement der politisch Verantwortlichen.
Ich finde es interessant, daß man von "Verletzung" der Grundrechte spricht und schreibt nicht aber vom Bruch, weil es ja nur "Rechte" und keine Gesetze sind. Die Bürger brauchen aber Grundrechte, die zugleich auch Gesetze sind, die sie vor Willkür schützen.
Freundlich
Eleonora Guiadagio
Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert.
Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert.
Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert.
"Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert."
Soweit ich weiß, ist die Genfer Konvention geltendes US Recht. Es ist also auch dort ganz klar gesetzlich verboten zu foltern. Bush und Cheney haben diese Gesetze gebrochen und Kapitalverbrechen begangen. Sie müssten also als Schwerverbrecher angeklagt werden.
Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern, dass sie in der Praxis nicht für alle gelten.
v.
"Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert."
Soweit ich weiß, ist die Genfer Konvention geltendes US Recht. Es ist also auch dort ganz klar gesetzlich verboten zu foltern. Bush und Cheney haben diese Gesetze gebrochen und Kapitalverbrechen begangen. Sie müssten also als Schwerverbrecher angeklagt werden.
Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern, dass sie in der Praxis nicht für alle gelten.
v.
"Eine Art Grundgesetz, von allen Staaten der Welt unterzeichnet.
Das wäre wünschenswert."
Soweit ich weiß, ist die Genfer Konvention geltendes US Recht. Es ist also auch dort ganz klar gesetzlich verboten zu foltern. Bush und Cheney haben diese Gesetze gebrochen und Kapitalverbrechen begangen. Sie müssten also als Schwerverbrecher angeklagt werden.
Das Problem sind nicht die Gesetze, sondern, dass sie in der Praxis nicht für alle gelten.
v.
Erstens ist sie doch nicht von allen Staaten unterzeichnet und zweitens gilt sie doch meines Erachtens nur für "Gefangene". Ich meinte ein Grundgesetz für alle Menschen und alle Staaten mit den in einzelnen Artikeln festgelegten essentiellen Menschenrechten.
Was den Verstoss angeht?. Ich bin der Auffassung, allein die Verfassung verhindert keine Rechtsverletzung. Aber was wäre, gäbe es die Verfassung nicht Und unser Grundgesetz mit dem Bundesverfassungsgericht ist m. E., schon eine effiziente Ordnung. Ohne diese hätten wir schon längst einiges, was jetzt noch aufgehalten werden kann.
Egal wie man zum water boarding und anderen Mitteln steht muß erst einmal klargestellt werden für wen die Genfer Konvention gelten.
Sie gelten für kämpfende Truppen in Uniform die klar zeigt für welche Seite der Soldat kämpft. Das tragen einer fremden oder keiner Uniform im combat darf mit sofortiger Hinrichtung bestraft werden. Die Genfer Konventionen sowie irgendwelche US Bürgerrechte können nicht auf die Terroristen angewandt werden. Vielleicht richten Sie Ihren Unmut mal gegen die Terroristen, die u.a. unschuldige Zivilisten vor der Videokamera ermorden.
Gerd, Chicago
Erstens ist sie doch nicht von allen Staaten unterzeichnet und zweitens gilt sie doch meines Erachtens nur für "Gefangene". Ich meinte ein Grundgesetz für alle Menschen und alle Staaten mit den in einzelnen Artikeln festgelegten essentiellen Menschenrechten.
Was den Verstoss angeht?. Ich bin der Auffassung, allein die Verfassung verhindert keine Rechtsverletzung. Aber was wäre, gäbe es die Verfassung nicht Und unser Grundgesetz mit dem Bundesverfassungsgericht ist m. E., schon eine effiziente Ordnung. Ohne diese hätten wir schon längst einiges, was jetzt noch aufgehalten werden kann.
Egal wie man zum water boarding und anderen Mitteln steht muß erst einmal klargestellt werden für wen die Genfer Konvention gelten.
Sie gelten für kämpfende Truppen in Uniform die klar zeigt für welche Seite der Soldat kämpft. Das tragen einer fremden oder keiner Uniform im combat darf mit sofortiger Hinrichtung bestraft werden. Die Genfer Konventionen sowie irgendwelche US Bürgerrechte können nicht auf die Terroristen angewandt werden. Vielleicht richten Sie Ihren Unmut mal gegen die Terroristen, die u.a. unschuldige Zivilisten vor der Videokamera ermorden.
Gerd, Chicago
Der Hippokratische Eid ist nicht verhandel- oder relativierbar, nie und nirgends, weder direkt, noch indirekt, auch nicht wissenschaftlich oder pseudowissenschaftlich. Gesetze, Verordnungen und Befehle interessieren da nicht.
Sie haben vollkommen recht. Aber dem Einzelnen, der aus Bedrohung oder aus anderen Gründen in Gefahr, diesen zu brechen, helfen Gesetze sehr wohl.
Sie haben vollkommen recht. Aber dem Einzelnen, der aus Bedrohung oder aus anderen Gründen in Gefahr, diesen zu brechen, helfen Gesetze sehr wohl.
"Gegen die Strafverfolgung von Menschenrechtsverletzungen gibt es keinen Schutz. Hier gilt universelles Recht über Staatsgrenzen hinaus, dabei gelten auch keine Einschränkungen für Kriegsverbrechen."
Der Mann hat noch Träume, wer sollte die Folterer dazu zwingen, sich einem Strafverfahren zu unterstellen, die Vereinten-Nationen, heute tituliert mit UNorganisation? Was spielt denn das überhaupt noch für eine Rolle, angesichts der heute praktizierten "Menschlichkeit". Wie viele Unschuldige sterben den täglichen Kollateraltod, aber gut dass es der gerechten Sache dient. Diese Mengelsche Moral ist das tägliche Handwerk einer mordlüsternen Maschinerie. Wenn sich möglicherweise noch ein paar Anständige mit der Frage auseinandersetzen, wie das 3. Reich überhaupt auferstehen konnte, so ist das hier ein vortreffliches Beispiel wie und wieso. Es ist die pathologische Absenz von Mitgefühl, die aus einer Gesellschaft alles machen kann, was sich der normale Geist niemals vorstellen könnte.
Ist der Mensch doch nur die Bestie, die viele in ihm vermuten, oder lassen wir es einfach zu, dass eine Minderheit mit gesteigerter Aggressivität uns Normen aufzwingt, die nicht unserem Naturell entsprechen? Es könnte auch sein, dass wir lieber Macht ausüben, indem wir Mittäter werden, als die Ohnmacht zu erleben, Zuschauer einer abstrusen Wirklichkeit zu sein, die uns in den emotionalen Kollaps führen würde. Es ist also nur Selbstschutz der uns antreibt andere zu quälen, eine Flucht nach vorne vor dem Selbst, die Ablehnung jeder Auseinandersetzung mit den eigenen Abgründen, das wird es sein! Gäbe es diese Abgründe, wenn wir wirklich einer höheren Autorität und nicht nur der Hure in uns selbst Rechenschaft ablegen müssten, wohl kaum.
Wir wissen viel, doch dies mit Gewissen gleichzusetzen ist absolut falsch. Das ist der Grund warum Ärzte foltern und Mengele Kinder ermorden konnte. Doch sind wir dem kollektiven oder doch dem eigenen Gewissen vepflichtet. Es ist immer nur das Eigene, falls denn überhaupt vorhanden, denn viel wird einfach aus dem Kollektiv abgeleitet, der Prozess einer Gewissensbildung hat bei vielen Menschen nicht stattgefunden. Das mag erschreckend sein, entspricht aber die Realität. Jeder haftet für seine eigenen Taten, den mildernden Umstand der Kommandokette gibt es nicht, egal was die Verweigerung nach sich zieht. Dies ist eine Freiheit die manche als sehr teuer erkauft ansehen, doch es ist meine Entscheidung ein Gewissen zu haben und nach diesem zu handeln. Niemand ausser mir wird meine Tat ausführen und niemand ausser mir ist dafür verantwortlich.
In der modernen Version hat Verantwortung keine Bedeutung. Das Kollektiv funktioniert also perfekt, je mehr Täter, desto geringer die Folgen. Darum ist Verantwortung wohl das begehrteste Gut überhaupt. Jeder kann sich nun dieses "Gewissen" leisten, ohne je dafür büssen zu müssen. Yes Sir, die beste aller Welten.
Erstens ist sie doch nicht von allen Staaten unterzeichnet und zweitens gilt sie doch meines Erachtens nur für "Gefangene". Ich meinte ein Grundgesetz für alle Menschen und alle Staaten mit den in einzelnen Artikeln festgelegten essentiellen Menschenrechten.
Was den Verstoss angeht?. Ich bin der Auffassung, allein die Verfassung verhindert keine Rechtsverletzung. Aber was wäre, gäbe es die Verfassung nicht Und unser Grundgesetz mit dem Bundesverfassungsgericht ist m. E., schon eine effiziente Ordnung. Ohne diese hätten wir schon längst einiges, was jetzt noch aufgehalten werden kann.
Sie haben vollkommen recht. Aber dem Einzelnen, der aus Bedrohung oder aus anderen Gründen in Gefahr, diesen zu brechen, helfen Gesetze sehr wohl.
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