Inzwischen will keiner mehr ohne: ARD, ZDF, RTL oder ProSieben, sogar 3sat und der Männersender Dmax haben sogenannte Mediatheken auf ihre Internetseiten gestellt. Dort sollen die sprunghafteren Zuschauer Programme, die sie im klassischen Fernsehen verpasst haben, bequem per Mausklick nachschauen können. Und das obwohl diese Abrufe nicht in die für die Programmmacher wichtige Einschaltquote eingerechnet werden. Das Problem ist bloß: Vor allem ARD und ZDF tun sich noch immer  schwer damit, ein wirklich gutes Video-Angebot zu bieten. Warum nur?

Dabei ist sonntags etwa der "Tatort" so beliebt, dass die Folge "Höllenfahrt" aus Münster am 22. März  fast neun Millionen Zuschauer einschalteten, obwohl zeitgleich im Zweiten der heftig beworbene Dreiteiler "Krupp" anlief – den sahen nur gut sieben Millionen Deutsche. Der Unterschied: Wer "Krupp" verpasst hatte, weil er eigentlich lieber den "Tatort" sehen wollte, konnte den Mehrteiler des ZDF noch sieben Tage nach Ausstrahlung einfach im Netz anschauen. Wer sich aber für "Krupp" entschied, der ging anschließend auf der Internetseite der ARD leer aus: Der "Tatort" wird zwar mit Gebühren finanziert, steht aber noch immer nicht im Netz.

Die Chefin von DasErste.de, Ingrid Günther, würde den "Tatort" gerne in ihre Mediathek einspeisen. Sie darf das aber nicht. Die ARD gibt die Sendung zwar in Auftrag, aber nicht für das Netz frei. Günther sagte ZEIT ONLINE, die Krimi-Reihe sei "ein besonders komplexes Thema", weil da jede der neun Landessender der ARD mitmische. Heißt konkret: Je nachdem, wo der Krimi spielt, gibt ihn ein anderer Sender in Auftrag – und ist damit für die Verwertungsrechte zuständig. So gibt der WDR die Episoden aus Köln in Auftrag, der NDR die aus Hamburg und der SWR jene aus Konstanz.

Hinzu komme, dass jeder Sender seine eigene Vorstellung davon habe, was mit "seinem" Film passiert, sagt Günther. Was sie nicht sagt, ist dennoch bekannt: Einige Landessender wollen nicht, dass der "Tatort" für jedermann abrufbar in der Mediathek steht. Denn dann würden weniger Zuschauer die Wiederholungen in den Dritten Programmen einschalten, die eine Garantie für höhere Einschaltquoten sind. Außerdem überlegt die Sendergemeinschaft, den "Tatort" nach Ausstrahlung als DVD zu verkaufen. Günther versichert aber: "Die ARD ist sich bewusst, dass sie hier Handlungsbedarf hat."

Aber auch in anderen Fällen ist es für die Sender bisweilen ziemlich kompliziert, neben Ausstrahlungsrechten für das Fernsehen auch noch entsprechende Verträge für die Einspeisung von Sendungen, Serien und Filmen ins Netz zu bekommen.

Das zeigt das Beispiel "Verbotene Liebe": Hier wurden vor Jahren Produktionsverträge mit langer Laufzeit geschlossen. Und so stehen zwar die kompletten Folgen der ebenfalls im Ersten laufenden Telenovela "Sturm der Liebe" in der Mediathek des Senders, nicht aber die der täglichen Soap. Neue Verträge, die jüngst abgeschlossen wurden, werden aber dafür sorgen, dass auch die "Verbotene Liebe" vom Sommer an im Netz in voller Länge nachgeschaut werden kann. Mehr als ein Jahr nach dem Start der Mediathek.