Zum Auftakt des Prozesses wurde am Mittwoch die Pflichtverteidigerin des Angeklagten abgesetzt. Grund sei ein Interessenkonflikt, meldeten indische Nachrichtensender. Anwältin Anjali Waghmare habe vor dem Prozess gegen den mutmaßlichen Terroristen Ajmal Amir Kasab bereits Zeugen der Angriffe Ende vergangenen November in Mumbai vertreten. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, Waghmares Stellvertreter K. P. Pawar werde nun die Verteidigung Kasabs übernehmen. Das Gericht wollte am Nachmittag wieder zusammentreten.

Radikale Hindus hatten gewaltsam dagegen protestiert, dass die mit einem Polizisten verheiratete Anwältin den Angeklagten vertritt, und die Hinrichtung des Pakistaners ohne Prozess gefordert. Die Anwältin hatte trotz der Proteste und Drohungen an dem Mandat festgehalten.

Knapp fünf Monate nach den Terroranschlägen von Mumbai gerät der wichtigste Prozess des Jahres in Indien ins Stocken. Ajmal Amir Kasab, der einzige überlebende Terrorist, der angeblich der pakistanischen Terrororganisation Lashkar-e-Taiba angehört, ist des Mordes und der Kriegsführung gegen die Nation angeklagt.

Nach Angaben des Nachrichtensenders NDTV begann der Prozess unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen. Für die Verhandlung wurde im Hochsicherheitsgefängnis in Mumbai ein eigener bombensicherer Gerichtssaal errichtet. Bei den dreitägigen Terrorangriffen waren im vergangenen November mehr als 170 Menschen getötet worden.

Der Pakistaner Kasab gehörte zu einer zehnköpfigen muslimischen Extremistengruppe, die Ende November vergangenen Jahres über drei Tage hinweg Geiseln genommen und Gebäude in Mumbai besetzt gehalten hatte. Mehr als 500 Polizisten überwachten die Umgebung des Gefängnisses, in dem Kasab inhaftiert ist und in dem der Prozess geführt wird.

Außer Kasab sollen zwei Inder vor dem Sondergericht erscheinen, denen vorgeworfen wird, die Terroristen unterstützt zu haben. Die Polizei hat ein 11.000 Seiten umfassendes Anklageprotokoll gegen insgesamt 38 Verdächtige erstellt. 60 Medienvertreter mit speziellen Sicherheitsausweisen sind zur Beobachtung des Prozesses zugelassen. Innere Sicherheit ist eines der dominierenden Wahlkampfthemen vor der indischen Parlamentswahl, die an diesem Donnerstag beginnt.