Fussballgeschichte Tore unseres LebensSeite 3/3
© Staff/AFP/Getty Images

Legendär: Klaus Fischer mit Fallrückzieher
Deutschland - Frankreich 8:7 n.E. , WM-Halbfinale 1982
Dieses Halbfinalspiel zwischen Frankreich und Deutschland sahen wir in einer Kneipe in Bodrum. Die Gäste waren außer uns alles Türken, in der linken Kneipenhälfte saßen die Fans der Deutschen, in der rechten die der Franzosen. Offenbar hatten sich die Anhänger der Deutschen alle zu uns gesetzt.
Die deutsche Mannschaft war seinerzeit eine seltsame Mischung aus Edelkickern - Rummenigge, Magath, Stielike, Kaltz, Littbarski - und extremen Rauhbeinen vom Schlage Briegels und der Förster-Brüder. Deutschland war zwei Jahre zuvor Europameister geworden und kaum jemand zweifelte, dass das Team bei der WM 1982 ins Finale kommen müsste. In der Verlängerung des Halbfinales jedoch führten die Franzosen plötzlich mit 3:1. Erst der eingewechselte Rummenigge schaffte den Anschlusstreffer. Und in der 108. Minute dann schließlich ein explosionsartiger Aufschrei in der linken Kneipenhälfte: Pierre Littbarski flankt, Horst Hrubesch legt mit dem Kopf vor und Mittelstürmer Klaus Fischer jagt seinen Fallrückzieher ins linke obere Eck.
Das Spiel endete im Elfmeterschießen, dass Deutschland gewann. Das folgende Endspiel sahen wir dann auf dem zentralen Busbahnhof von Izmir. Aber über dieses Spiel schweigt man besser.
Von Steffen Richter
Borussia Dortmund - Juventus Turin 3:1, Finale Champions-League 1997
Was für ein Schuss, was für ein Treffer, was für ein Sieg. Lars Ricken kam spät ins Spiel, war erst zehn Sekunden auf dem Platz, als er allen Mut zusammennahm und einfach aus 30 Meter Entfernung aufs Tor abzog. Der damals 20-jährige Mittelfeldspieler wurde mit diesem einen Schuss zum Star. Er entschied 1997 das Finale der Champions League.
Ich saß auf dem Sofa meines besten Freundes, starrte auf den Fernseher und knetete bis zu Rickens Schuss nervös die Finger. Wir hatten gewettet: Mein Kumpel hatte Juve zum Sieger erklärt. Die beste Mannschaft Italiens, vielleicht die beste Mannschaft der Welt, gegen die Ballspielvereinigung Borussia. Der Favorit kam aus Turin. Mein Freund setze 3:1 auf Juve, aus Trotz tippte ich daraufhin 1:3. Er, der Kicker-Leser, der ausgezeichnete Fußballspieler, das wandelnde Sportlexikon, er, der sich so sicher war – er irrte. Lars Rickens Treffer bescherte mir nicht nur eine Kiste Cola – der harmlose Wetteinsatz unter 16-Jährigen – sondern auch einen kurzen Triumph. Was für ein Tag!
Schade nur, dass Ricken mit diesem Treffer, das zum Tor des Jahres 1997 gewählt wurde, bereits den Höhepunkt seiner Karriere erreichte und immer das ewige Talent blieb. Ich bleibe wohl für immer sein Fan.
Von Hauke Friederichs
Bayern München - Werder Bremen 1:3, Saison 2003/04, 32. Spieltag
Was hatte der FC Bayern alles getönt: Vom Platz fegen werde man die Bremer in der Münchener Arena und die Meisterschaft damit am 32. Spieltag wieder spannend machen. Für Uli Hoeneß war die Klatsche nur eine Frage der Höhe. Es dauerte bis zur 19. Minute bis Werder dem Bayern-Manager das gegenteil bewies. Kein schönes Tor, aber eines für die Ewigkeit.
Ailton spielt einen Steilpass in die Spitze auf Ivan Klasnic. Der Ball fliegt viel zu weit, eigentlich ein Kinderspiel selbst für jeden Kreisligatorhüter. Oliver Kahn stürmt aus seinem Tor, aber der Ball springt ihm aus den fangbereiten Armen. Der Titan kriecht auf allen Vieren durch seinen Strafraum und kann nicht verhindern, dass der Bremer Stürmer den abprallenden Ball schnappt, einmal um die eigene Achse dreht und diesen von halblinks in das leere Tor schießt. Das ist die Vorentscheidung.
Noch vor der Halbzeit erzielen Micoud und Ailton die Tore zwei und drei. Selbst der Anschlusstreffer von Makaay kann die grünweiße Meisterfeier im Stadion des Erzfeindes nicht mehr verhindern.
Von Christoph Seils
England - Griechenland 2:2, WM-Qualifikation 2000/01
6. Oktober 2001: Es läuft die 93. Minute des WM-Qualifikationsspiels. Um sich direkt für die Weltmeisterschaft 2002 zu qualifizieren, benötigen die "Three Lions" lediglich ein Unentschieden. Doch sie liegen 1:2 zurück. Einzige Hoffnung der Engländer ist David Beckham, der sich in den letzten Sekunden der Nachspielzeit den Ball zum Freistoß zurechtlegt.
Die Torentfernung beträgt 25 Meter. Der englische Kapitän läuft an, schießt und der Ball fliegt über die Mauer in den linken Torwinkel. Der Keeper Antonis Nikopolidis bewegt sich nicht einmal. Was für ein Treffer! Die 67.000 Zuschauer im Stadion Old Trafford sind aus dem Häuschen. England fährt zur WM nach Japan und Südkorea und David Beckham wird zum englischen Volkshelden.
Von Susanne Gough
- Datum 23.09.2009 - 17:03 Uhr
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