Noch ein schneller Zug an der Zigarette, noch ein aufmunterndes Wort des Verteidigers, dann geht der Angeklagte Rafael C. die Treppen zum Gerichtsaal hoch. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen bleibt er stehen, die Hände schlaff herunterhängend, den Blick traurig ins Nichts gerichtet. C. sieht aus, als sei ihm bewusst, dass nach diesem Prozess nichts mehr so ist wie zuvor.

Zwei Jahre sind vergangen seit dem schrecklichen Unfall, der das Leben der 17-jährigen Nadine M. beendete und dem Leben der anderen drei Autoinsassen eine tragische Wendung gab.

Die Anklage auf fahrlässige Tötung, die nun im Amtsgericht Bergedorf verlesen wird, hört sich an wie eine Schauergeschichte. Rafael C., heute 34 Jahre, damals Angestellter im polizeilichen Dienst, und sein zehn Jahre jüngerer Freund Björn A. trafen sich Anfang März 2007, um einen feuchtfröhlichen Abend in C.s Wohnung zu verbringen. A. hatte zwei junge Mädchen, Nadine und Sabrina, im Chat kennengelernt und sie eingeladen, sich dazuzugesellen. So saß man bald zu viert um einen Tisch, unterhielt sich, und die Männer tranken Whiskey.

Es wurde spät und später, der Morgen brach schon an, da verließen alle vier gemeinsam das Haus: Die Mädchen wollten mit der S-Bahn nach Hause fahren, die Männer sie mit dem Auto zur Station bringen. Der Angeklagte wird später sagen: "Ich Idiot hab mich überreden lassen zu fahren. Eigentlich hätte ich gar keinen Grund gehabt, ich war doch schon zu Hause." Er hat es aber doch getan, setzte sich ins Auto und entschied am S-Bahnhof, nun auch die 20 Kilometer bis nach Bergedorf noch zu fahren.

C. war betrunken, er hatte 1,4 Promille im Blut, die Bergedorfer Straße war glatt. Bei über 100 Stundenkilometern verlor er die Kontrolle über das Auto. Es schleuderte auf die Gegenfahrbahn und prallte wuchtig gegen einen Baum. Nicht frontal, sondern mit jener Seite, auf der Nadine im Fond saß.

Für das Mädchen, das nun im Fahrzeug eingeklemmt war, kam jede Hilfe zu spät. Sie starb noch auf der Fahrt ins Krankenhaus. Ihre Freundin Sabrina hat den Unfall schwer verletzt überlebt, sie wurde fünf Meter durch die Luft auf die Straße geschleudert. Bis heute ist sie durch die vielen Brüche, die sie damals erlitten hat, in ihren Bewegungen eingeschränkt. Der Beifahrer Björn A. brach sich das Genick – und überlebte doch wie durch ein Wunder. Monatelang musste er einen Fixateur tragen. Der Fahrer selbst erlitt bloß Prellungen und eine Gehirnerschütterung.