Vor neun Jahren stürzte der Rinderwahnsinn Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in eine tiefe Vertrauenskrise. Am 24. November 2000 wurde in Deutschland das erste Rind positiv auf BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie) getestet. Ein Schock, der dazu führte, dass zwei Bundesminister ihre Posten verloren. Viele Menschen fürchteten, nun selbst an der menschlichen Form von BSE, einer Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK), zu erkranken. Mittlerweile ist es ruhig um BSE geworden. Wie ist die Situation heute?

Jahr für Jahr werden inzwischen in 30 regionalen Labors mehr als vier Millionen Rinder den BSE-Schnelltests unterzogen, 411 BSE-Fälle wurden insgesamt in Deutschland entdeckt, mit stark abnehmender Tendenz: Waren es im Jahr 2001 noch 125, so wurden 2008 nur noch zwei Rinder positiv getestet, die beide vor 2001 geboren wurden, in diesem Jahr bisher noch keines. Weltweit sind es rund 182 000 Fälle, davon 98 Prozent in Großbritannien, wo auch (im Jahr 1985) der erste Fall festgestellt wurde.

Hierzulande ging es also ausgesprochen glimpflich ab. Man habe Glück gehabt, sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI), das als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit zuständig ist und seinen Hauptsitz auf der Insel Riems bei Greifswald hat. Dass mehr Glück als Verstand im Spiel gewesen sei, möchte sie damit allerdings nicht behaupten. "Es wurden genau die richtigen Entscheidungen getroffen und die richtigen Risikomaterialien definiert." Neben den strengen Kriterien für die Tests denkt sie dabei auch an den konsequenten Verzicht auf die Vermarktung von Bestandteilen der Tiere wie Hirn oder Darm, die im Verdacht standen, infektiös zu sein.

Trotzdem war die Erfolgsgeschichte auch für BSE-Forscher nicht unbedingt vorherzusehen. "Ich war sehr überrascht, wie schnell die Maßnahmen Erfolg hatten", sagt Matthias Kramer vom Institut für Epidemiologe des FLI in Wusterhausen bei Berlin. Skeptisch, wie es sich für einen Wissenschaftler gehört, hatte er vermutet, die Wirkung werde sich erst später einstellen.

"Barb"-Fälle (für: "born after the real ban", "geboren nach dem echten Verbot") nennen er und seine Kollegen die infizierten Tiere, die nach den einschneidenden Vorsichtsmaßnahmen geboren wurden. Bisher ist das in Deutschland nur bei zwei positiv auf BSE getesteten Rindern der Fall. In Kramers Augen war es besonders wirkungsvoll, dass riskante Futtermittel, die Bestandteile von Tierkadavern (Tiermehl) enthielten, aus dem Verkehr gezogen wurden.

Kurzfristig wurde viel Geld in die Erforschung der Tierseuche gesteckt. Im Krisenwinter 2000/2001 wurde die Gründung einer Nationalen Forschungsplattform beschlossen, die unter der Überschrift Transmissible Spongiforme Enzephalopathien (TSE) BSE-artige Krankheiten bei Tier und Mensch umfasste. "2001 begann eine große Zeit für alle TSE-Forschungsvorhaben", erinnert sich der Veterinärmediziner Martin Groschup vom Friederich-Löffler-Institut.