Dieter Althaus Ende der Schonzeit
Dieter Althaus kehrt heute ins Amt zurück, vier Monate nach seinem Skiunfall. Den Ministerpräsidenten Thüringens erwartet die Krise – und ein ungewöhnlicher Wahlkampf.
In der Erfurter Regierungsstraße 73 wird es am Montagvormittag eng werden. Wenn der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus nach fast vier Monaten Abwesenheit wieder seinen Platz in der Staatskanzlei einnimmt, werden die Medien schon da sein. In Kampfstärke. Denn viel Neugier, auch Emotionen und Ungewissheiten haben sich aufgestaut seit jenem tragischen Neujahrstag, als der Skifahrer Althaus auf der Riesneralm in Österreich mit einer 41-jährigen Frau kollidierte, die ihren Verletzungen erlag. Der CDU-Politiker erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Ein österreichisches Gericht verurteilte ihn Anfang März wegen fahrlässiger Tötung zu 33.300 Euro Geldstrafe und 5000 Euro Teilschmerzensgeld.
So bringt Althaus nun auch die Last dieser Schuld und die Unwägbarkeiten seines Gesundheitszustandes mit in den Dienst. Und er zieht damit in die bevorstehenden Wahlkämpfe. Denn der Spitzenkandidat der Thüringen-CDU will bei der Landtagswahl am 30. August die absolute Mehrheit verteidigen – nach den jüngsten Umfragen ein schier aussichtsloses Ziel, das gerade dadurch den Ehrgeiz der Christdemokraten anstachelt.
So viele Wochen haben sie gottergeben auf ihren Spitzenmann gewartet, haben trotzig an ihm festgehalten – ungeachtet des eindeutigen Urteils, trotz mancher Zumutung, die ihnen der Chef selbst auferlegte: Indem er ausgerechnet an jenem Wochenende einer großen Zeitung ein umfangreiches Interview gab, an dem sie ihn auf der Landesvertreterversammlung offiziell zum Spitzenkandidaten wählten und er sie mit einer kurzen schriftlichen Botschaft abspeiste. Mancher war auch verwundert, als Anklage, Schuldeingeständnis und Gerichtsverfahren Anfang März ganz überraschend und wie von übermächtiger Hand gesteuert in hastiger Abfolge über die Bühne gingen.
Und dann gab es, als er schon wieder zu Hause in Heiligenstadt war, jenes merkwürdige Hintergrundgespräch in einem Erfurter Hotel mit einer Anzahl handverlesener Journalisten. Alle Teilnehmer waren irritiert über Althaus’ formelhafte Äußerungen zu seinem Umgang mit der Schuld, die er nicht als solche bezeichnen mochte. Und sie waren pikiert über die Inszenierung dieser Veranstaltung, bei der Regierungssprecher Fried Dahmen den anwesenden Journalisten untersagt hatte, Althaus zu zitieren.
Das alles, so die Hoffnung der Parteifreunde, soll nun endgültig hinter ihnen liegen. Der Blick geht nach vorn. In der Regierungsstraße wird wieder regiert, in der Friedrich-Ebert-Straße, wo die CDU-Zentrale ihren Sitz hat, wird mit Volldampf Wahlkampf gemacht. Der CDU-Vorsitzende sei "voll im Bilde", habe sich in den vergangenen drei Wochen umfassend über alles informiert, sagt Parteisprecher Heiko Senebald. Althaus sei "voll arbeitsfähig", bescheidet auch Regierungssprecher Dahmen. Er habe sich mit allen Regierungsmitgliedern und den führenden Parteifreunden getroffen, er habe "politisch alles fest im Griff".
Sein Terminkalender ist voll: Am Montag 10 Uhr Pressekonferenz, dann Eröffnung einer Klinik in Rudolstadt, dazwischen wohl noch ein langes Fernsehinterview, am Abend Landesvorstandssitzung. Dienstag Kabinett und Pressekonferenz, Mittwoch Fraktionssitzung, Pressekonferenz und eine Werkseröffnung, am Donnerstag Besuch der Hannover-Messe, am Freitag Bürgersprechstunde im Heiligenstädter Wahlkreis. Am Montag darauf folgt dann bei der Präsidiumssitzung der Bundes-CDU sein erster Auftritt auf der Berliner Bühne.
- Datum 20.04.2009 - 14:52 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





...ihren Fortgang.
Es bleibt zu hoffen, daß Thüringens Wähler die CDU samt Ski-Killer Althaus in die Schranken weisen werden.
(Anmerkung: Bitte tragen Sie durch Ihre Wortwahl zu einer sachbezogenen Debatte bei. Die Redaktion/jk)
Sondern klassenjustiz.In einer welt in der millionenschwere wirschaftskriminelle ihre geldtrafen mit der staatsanwaltschaft aushandeln ist eben auch ein totschlagsvergehen aushandelbar
die justiziellen Überprüfungen durch die Justiz in Österreich haben einen sehr üblen Beigeschmack. Weder in Österreich noch n Deutschland gibt es eine Gleichheit aller vor dem Gesetz. Ich nennen für D nur mal so ein paar Namen. Da war doch mal was mit Bubi Scholz, Ben Tewaag (Sohn U. Glas), Max Strauss, Zumwinkel. Die "Kleinen" werden wegen "peanuts" härtestens belangt, findet in der Regel der öffentlichen Beifall von x Promi-Anwälten und Jura-Professoren, während Promis das Recht meist so gedreht und "vergewaltigt" wird, dass es meist mit einer Art Geldbuße (Freikauf) "abgeht".
So ist sie nun mal die Gesellschaft in Österreich nach Habsburg, hier festzumachen am Beispiel Althaus, aber auch wir in D. haben auf diesem Gebiet mehr als genug zu tun und sind (leider) keinen Deut besser als unsere alpenländischen Nachbarn.
Da Herr MP Althaus somit durch die Justiz quasi einen "Persilschein" erhielt, sollte / müßte er als guter Christ die Sache mit seinem Gewissen und mit dem Allerhöchsten ausmachen. Der allerhöchste Richter wird, das ist mein Glaube, einst ein viel härteres Urteil sprechen.
In Thüringen geht es aber um die Bilanz der Landespolitik. Ich kann es aus südlicher Nachbarschaft gut beobachten. Da gibt es sehr viele Defizite. In der Wirtschafts-, Finanz-, Sozial-, Schul-, Bildungs-, Hochschul-,Landesentwicklungs- , Agrar- und Umweltpolitik. In keinem dt. Bundesland werden die Arbeitnehmerrechte so mißachtet, so hochprozentig "Hungerlöhne" gezahlt.
Es ist daher hohe Zeit für eine politische Wende in Erfurt. Dabei wäre mir, und im wohlverstandenen Interesse, wie ich hoffe, wohl auch den meisten Thüringern ein etwas antriebsarmer Matschie lieber als ein Herr Ramelow aus einer mit Recht verrufenen politischen Partei wie der DIE LINKE, die zudem mit sehr vielen politischen Altlasten, also untragbaren Personen, verunklart und verunziert ist.
Übrigens darf man nach fast 20 Jahren seit der Wende daran erinnern, dass der heutige Personalbestand der Union Thüringen aus politischen Bündnispartnern der SED-Herrschafft entstammen (Ost-CDU, Bauernpartei und deren Nukleus). Demgegenüber befinden sich in der SPD weit weniger "Fußvolk" der SED von ehedem, ist also im demokratischen Sinne "sauberer". Wird durch eine bestimmte Konzern-Presse immer andersherum dargestellt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren