Musikpresseschau Klappe zu, Aggro tot
Das HipHop-Label Aggro Berlin ist am Ende: Der Markt hat den Gangsta-Rap gefressen. Außerdem spiegelt unser Echolot das Urteil im Pirate-Bay-Prozess
Die erste Runde im Streit um die Filesharing-Plattform The Pirate Bay haben der schwedische Staat und die Medienindustrie gewonnen, meldet der Nachrichtendienst Heise. Die vier Betreiber seien in Stockholm zu "jeweils einem Jahr Haft und Schadensersatz in Höhe von insgesamt 2,75 Millionen Euro" verurteilt worden. Heise berichtet, die Verteidigung hätte darauf beruht, "dass The Pirate Bay die Dateien nicht selbst hostet, sondern nur den Austausch vermittelt. Eine solche Vermittlung genieße das gleiche rechtliche Privileg wie das der Zugangsanbieter, die nicht für Verstöße ihrer Kunden haftbar gemacht werden können." Die Schöffen des Bezirksgerichts hätten das offenbar anders gesehen und die vier Piraten auch deshalb verurteilt, weil sie sie für "wohlorganisiert und kommerziell orientiert" hielten.
Das Urteil war schon vor der offiziellen Verkündung öffentlich geworden, einer der Verurteilten kommentierte spöttisch via Twitter: "Früher waren es nur Filme, jetzt kommen schon Urteile vor der offiziellen Veröffentlichung raus." Bei The Pirate Bay sei man dennoch bester Laune, heißt es bei Heise, sofort habe man Berufung eingelegt. "Beide Seiten, die Piraten und die Medienindustrie, werden das Verfahren durch alle Instanzen bringen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil kann es noch eine Weile dauern. Die Piratenbucht wird also vorerst nicht trockengelegt", schreibt Heise in einer anderen Meldung. The Pirate Bay selbst ist weiter siegesgewiss: "Nichts wird The Pirate Bay, uns oder dem Filesharing passieren, was auch immer. Das ist bloß Theater für die Medien."
Heise hält das Gerichtsurteil für bizarr, in der Welt äußert Wieland Freund eine andere Lesart. Seit Jahren stilisierten sich die Betreiber der Seite "zu Robin Hoods eines virtuellen Sherwood Forest, die für die Freiheit der Information streiten und den armen Usern geben, was sie der reichen Industrie nehmen." Er nennt die Verurteilten "Scharfmacher, die am Tausch 'Peer to Peer' nicht schlecht verdient haben".
Freund berichtet, The Pirate Bay habe gewaltverherrlichende Inhalte geduldet und sei etwa von dem Rechtspopulisten Carl Lundström finanziert worden – er ist einer der nun Verurteilten. Im Gerichtssaal hätten "die Angeklagten zwar von großmäulig auf maulfaul umgestellt, unter dem Tisch aber bewiesen sie wie gewohnt ihre technische Überlegenheit. Während des Prozesses starteten sie einen Anonymisierungsdienst, während des Schlussplädoyers starteten sie die Pirate-Bay-Server neu – per Fernwartung."
- Datum 20.04.2009 - 12:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...sollte man was daran ändern oder lieber nichts schreiben. Denn es ist jawohl allen bekannt das es der Musikindustrie insgesamt sehr schlecht geht. Deshalb kämpft jetzt jeder um sein überleben. Die Zeiten wo man seine zweitklassig rappenden Homies mit durchfüttern kann sind nunmal vorbei. Bei Aggro und auch bei Optik gab es da ein paar. Am Ende bleiben ein paar schlechte Rapper auf der Strecke und die guten setzen sich durch, quasi ein erzwungener Selbstheilungsprozess. Was dem "wahren" HipHop am Ende sogar noch gut tut. Die meisten etablierten Rapper haben sich schon beschwert, das nun jeder kommen kann, um auf den Kommerzzug mitaufzuspringen. Kool Savas, Sido, Fler, Bushido,Samy Deluxe, alle machen weiter und ein paar kurzzeitig gehypete eben nicht, weil keiner sie pusht, featured oder mitdurchzieht. Ich finde das gar nicht soo schlecht, auch wenn es auf Kosten der Vielfalt geht, doch die Qualität wächst dadurch. Sie müssen sich halt mehr Mühe geben. Scheisse, Ficken, Killen reicht halt nicht mehr.
Ich frage mich, warum geht es der Musikindustrie so schlecht, doch die Filmindustrie erzielt Rekordergebnisse. Wo doch beide vom File-Sharing betroffen sind. Solange mir das keiner beantworten kann, hab ich auch kein schlechtes Gewissen;)
welche guten Rapper?????
welche guten Rapper?????
Bester dantheman,
dass es der Musikindustrie sooo dermaßen schlecht geht, wie sie selber behauptet, bezweifle ich. Und auch, dass diese angenommene wirtschaftliche Krise den HipHop nun wirklich in "wahr" und "unwahr" bzw. ganz darwinistisch in "überlebensfähig" und "nicht überlebensfähig" sortieren wird. In meinen Ohren durchlebt der HipHop unserer Tage doch eher eine kreative Krise - Geld verdienen ja vor allem diejenigen, die weiterhin Grütze produzieren.
Und an welchen der im Text Zitierten richtet sich nun eigentlich Ihr Vorwurf der Ahnungslosigkeit?
Bestes, jk
im Zeitraum von 1995 bis 2005 um 35 Prozent zurückgegangen (etwa 1 Milliarde Euro). 2006 wurden 374 Millionen Tracks illegal runtergeladen, das ist 14-mal mehr als bei den legalen. Um in die Charts zu kommen reichen im Vergleich zu früher wenige Plattenverkäufe. Immer mehr Künstler erzielen ihr Gehalt durch Live-Auftritte, statt durch CD-Verkäufe oder ähnlich.
Was gut und schlecht oder wahr und unwahr ist, bleibt sicherlich Geschmackssache. Fakt ist das viele weitermachen, nur die Labels sind nicht mehr wirtschaftlich genug sind.
Kreative Krise, kann ich nicht feststellen. Bin seit Jahren Hip-Hop Fan und picke mir die guten Sachen heraus, ist manchmal ganz schön schwer bei dem ganzen Müll, aber es geht. Ich denke in Zukunft wird es einfacher, denn viele Möchtegerne werden es erst gar nicht versuchen, da Geld ja nicht mehr viel zu holen ist. Es bleiben also die Rapper über, die es aus Überzeugung machen, und ein paar mit einer riesen Fanbase wie Bushido oder Sido. Und die Überzeugten sind meiner Meinung nach auch die guten und auch oft anspruchsvolleren.
Ich denke Sie hören selbst keinen Hip-Hop und wenn nur den Mainstream-Kram und beurteilen daher nur die Oberfläche.Hip-Hop ist eine Kultur die nicht deshalb entstanden ist, weil es dort Geld zu holen gibt.Nur einige haben den späteren Erfolg ausgenutzt und viele von denen werden nun verschwinden.
Die Ahnungslosigkeit richten sich an den Schreiber des Artikels, wen sonst.
Kool Savas, Sido, Fler, Bushido,Samy Deluxe, alle machen weiter und ein paar kurzzeitig gehypete eben nicht, weil keiner sie pusht, featured oder mitdurchzieht.Dass die namentlich genannten weitermachen, dürfte daran liegen, dass sie entweder bei einem Majorlabel verpflichtet sind oder mit einem solchen einen Vertriebsdeal haben; das ist etwas das sie - Zitat: - "mitdurchzieht", völlig unabhängig von künstlerischer Qualität oder handwerklichem Können.
doch die Qualität und das Können ist der Grund warum sie solche Deals haben und ich bin mir sicher, das genannte Rapper alle (Bushido eventuell nicht) auch weitermachen würden, hätten sie diese Deals nicht. Und das sich Genannte anpassen, halte ich für völlig natürlich, denn auch sie werden älter und reifer. Das heisst nicht gleich das sie sich verbiegen für die Kohle.Ich könnte noch mehrere Rapper nennen die gut sind und trotz Krise weitermachen, aber die Namen hat man hier wohl doch eher selten gehört.
doch die Qualität und das Können ist der Grund warum sie solche Deals haben und ich bin mir sicher, das genannte Rapper alle (Bushido eventuell nicht) auch weitermachen würden, hätten sie diese Deals nicht. Und das sich Genannte anpassen, halte ich für völlig natürlich, denn auch sie werden älter und reifer. Das heisst nicht gleich das sie sich verbiegen für die Kohle.Ich könnte noch mehrere Rapper nennen die gut sind und trotz Krise weitermachen, aber die Namen hat man hier wohl doch eher selten gehört.
doch die Qualität und das Können ist der Grund warum sie solche Deals haben und ich bin mir sicher, das genannte Rapper alle (Bushido eventuell nicht) auch weitermachen würden, hätten sie diese Deals nicht. Und das sich Genannte anpassen, halte ich für völlig natürlich, denn auch sie werden älter und reifer. Das heisst nicht gleich das sie sich verbiegen für die Kohle.Ich könnte noch mehrere Rapper nennen die gut sind und trotz Krise weitermachen, aber die Namen hat man hier wohl doch eher selten gehört.
welche guten Rapper?????
Bushido, Samy, Dende, ... ich empfinde es eigentlich fast als beleidigend von mir, diese in einem Atemzug zu nennen. Bei ihnen und vielen vielen anderen handelt es sich schlicht um Schnee von gestern, die mit der Jugendkultur Hiphop von heute einfach nicht mehr viel zu tun haben - der eine weniger, der andere viel weniger.
Da finde ich es auch nahezu albern, dass ein guter MC wie Laas unltd. sich gleich Savas, Banjo, Franky Ku ... auf seine Platte zieht. Das hat der Lümmel ansich nicht nötig. Der Track ist gut, aber durch seine (zwar guten) Features dennoch ein wenig befremdlich.
In Hamburg würde ich nach der näheren Zukunft zuerst suchen; da geht dieser Tage wieder was. Junge Crews, tighte Freestyler, Jungs, für deren Rap-Sozialisation Blumentopf ebenso selbstverständlich dazu gehörten wie Samy, Aggro oder Savas: Das findet man da. Zum Einstieg möge man sich etwa AchWas reinziehen. Myspace bietet ein gutes Netz, um das Rap-Angebot zu durchforsten, das nicht durch Major-Labels vorselektiert ist. Müll-Toleranz sollte man auch oder gerade dort deshalb haben. Hiphop lebt.
Schade, dass in dem Text nicht erwähnt wurde, dass der "Richter" in dem Prozess zusammen mit den Klägern in ein und derselben Organisation gegen Urheberrechtsverletzungen ist: http://www.tagesschau.de/...
Eine schöne Welt in der die Musikindustrie und Filmindustrie statt guter Inhalte nun einfach Richter bereitstellt um an ihr Geld zu kommen.
Piratebay könnte z.B. auch Hollywoodbay heißen und von ein paar smarten Geschäftsmachern aus Hollywood betrieben werden - und eine Menge Geld machen, aber man klagt ja lieber und kriminalisiert die halbe Welt.
Am gleichen Tag an dem die Piratebay Betreiber zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurden, hat übrigens Obama den Folterern von Guantanamo Straffreiheit versprochen. Aber man sollte in dieser globalisierten Welt nicht allzu global denken, es könnte sein, dass man sich übergeben müsste. Immerwieder.
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