Musikerziehung Mit der Geige aus den SlumsSeite 3/3

Die meisten Musiker träumen davon, die Leiter des "Systems" weiter zu erklimmen und irgendwann auf der höchsten Stufe zu stehen. An der Spitze der Pyramide steht das Simón Bolívar Jugendorchester, das in aller Welt gefeiert wird. Sein Chefdirigent Gustavo Dudamel, bisher auch musikalischer Leiter des Sinfonieorchesters Göteborg, nimmt im Herbst als Nachfolger von Esa-Pekka Salonen die Spitzenposition beim Los Angeles Philharmonic ein.

Auch die Kontrabassistin Mairi Padron aus La Rinconada wollte in ein weiterführendes Orchester aufrücken. Ausgerechnet am Tag des Vorspiels habe man ihr aber in ein Bein geschossen, erzählt sie vor laufender Kamera. Dennoch mobilisierte die heute 18-Jährige ihre Kräfte, ging in die Schule und spielte ihr Instrument trotz großer Schmerzen. Inzwischen studiert sie Erdölingenieurwesen. Nicht alle Jugendlichen in den Orchestern werden später professionelle Musiker. Sie alle entwickeln aber ein anderes Verhältnis zu Musik als diejenigen, die nie ein Instrument erlernt haben. So sieht es auch Gustavo Dudamel, der einmal stolz erklärte, nirgendwo sonst als in Venezuela gebe es ein so gebildetes Konzertpublikum.

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Filme wie El Sistema sind wichtig, weil sie dabei helfen, Abreus Philosophie, die Entwicklung des venezolanischen Orchesternetzwerks und den Alltag der Musiker über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Mehrere Länder Lateinamerikas sind bereits diesem Modell gefolgt, das auch in Europa auf großes Interesse gestoßen ist. Innerhalb Venezuelas tauschen die Musikschulen regelmäßig Videos von Proben und Aufführungen aus, um sich gegenseitig zu unterstützen. Jugendliche aus den Orchestern stellen die Filme auf Portale wie Facebook und YouTube, kommentieren sie und verschicken Einladungen zu Konzerten. Ihre Begeisterung könnte Altersgenossen in aller Welt davon überzeugen, dass klassische Musik kein Dasein im Elfenbeinturm führen muss.

Der Dokumentarfilm von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier, eine Koproduktion von EuroArts mit ARTE France, NHK und SF, ist vom 16. April an in deutschen Kinos zu sehen.

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