Partnersuche im Internet Digitale DuftmarkeSeite 2/2

Der Schnelltest, den die Schweizer Forscher entwickelt haben, misst die MHC-Determinanten im Speichel. Das Profil wird dann in Form von Einsen und Nullen übertragen. "Die Konfiguration der MHC-Determinanten ist charakteristisch für die Geruchskomponente, also für das Geruchsprofil, und bestimmt den Code", erklärt August Hämmerli, Biologe und Gründer von Basisnote.

Der Immungenetiker Andreas Ziegler vom Institut für Immungenetik der Charité Berlin steht dem Test kritisch gegenüber: "Ich halte es für Unsinn, den individualspezifischen Körpergeruch allein auf MHC-Moleküle zu beschränken, obwohl sie sicherlich eine wesentliche Rolle spielen." Ziegler sieht das Hauptproblem darin, dass nicht nur diese Moleküle Einfluss auf den Körpergeruch haben, sondern auch andere Moleküle, die entweder der Mensch selbst oder der Mikroorganismus produziert.

Dass Tiere ihre möglichen Paarungspartner über den Geruch auswählen, ist schon lange bekannt. "Der individualspezifische Geruch ist ganz sicherlich vorhanden, Hunde zum Beispiel können so etwas riechen. Aber warum das so ist, ist noch absolut ungeklärt. Bei der Maus weiß man zum Beispiel, dass die Hauptgeruchsbestandteile im Urin nicht die MHC-Moleküle sind, sondern, dass es ganz andere Proteine sind, die die Männchen insbesondere zur Markierung ihrer Territorien nutzen. Aber diese Moleküle gibt es beim Menschen gar nicht", sagt Ziegler.

 

Dass sich auch Menschen bei ihrer Partnerwahl unbewusst am Körpergeruch orientieren, hat in den neunziger Jahren der Biologe Claus Wedekind festgestellt. An der Universität Bern führte er eine Studie durch, bei der Studentinnen an getragenen T-Shirts männlicher Testpersonen riechen mussten. Die Frauen sollten angeben, welcher Duft ihnen am angenehmsten war. Das Ergebnis bestätigt die Idee hinter dem Schnelltest aus der Schweiz: Die Studentinnen wählten konsequent die Männer, deren Immunsystem sich am stärksten von ihrem eigenen unterschied.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Entwicklungszeit des Körpergeruchstests. Auf welcher Online-Datingplattform der Test ab Herbst zum Einsatz kommen wird, ist noch geheim. Bis dahin müssen Singles ihre Internetbekanntschaften also weiterhin mindestens einmal persönlich treffen, um zu prüfen, ob die Chemie stimmt.

 
Leser-Kommentare
    • Fokko
    • 25.04.2009 um 14:49 Uhr

    Das habe ich eigentlich auch immer als Problem gesehen: Da verliebt sich jemand im Internet in jemanden und wenn die beiden sich dann im RL treffen, passt die Chemie nicht.

    Aber ob sich sowas mit Zahlencodes agleichen lässt?

    Fokko
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