Gesundheitskarte "Wir vertrauen der Technik"Seite 2/2

Schröder: Die Beschlüsse zum Rollout wurden mit 85 Prozent der Stimmen der Selbstverwaltungsorganisationen in der gematik gefasst. Dort haben Kostenträger (Kassen) und Leistungserbringer (Ärzte, Apotheker etc.) je 50 Prozent der Stimmanteile. Der Beschluss erfolgte somit sowohl mit einer großen Mehrheit innerhalb der Leistungserbringer als auch mit den Stimmen aller Kostenträger. Ich denke, das spricht für sich selbst.

ZEIT ONLINE: Kürzlich tauchten die Daten von 20.000 amerikanischen Patienten im Internet auf. Wer wäre in Deutschland in so einem Fall verantwortlich?

Schröder: Der geschilderte Fall ist im Zusammenhang mit der elektronischen Gesundheitskarte ausgeschlossen, da die Daten verschlüsselt und damit für Außenstehende unlesbar und folglich unbrauchbar sind.

ZEIT ONLINE: Wie kann sich ein Patient schützen, wenn er bei seiner Bank auf einmal – etwa wegen eines ungünstigen Krankheitsbildes – keinen Kredit oder keinen Ausbildungsplatz erhält?

Schröder: Der Schutz der Gesundheitsdaten vor unberechtigtem Zugriff hat bei der elektronischen Gesundheitskarte höchste Priorität. Mittels der Gesundheitskarte gespeicherte Informationen können nur gelesen werden, wenn die Patientin und der Patient dem zustimmt und sowohl die eigene elektronische Gesundheitskarte als auch ein elektronischer Heilberufsausweis eines zugriffsberechtigten Arztes oder Apothekers gleichzeitig eingesetzt werden. Nur durch Eingabe der PIN können Patienten die Einsicht in die über die Gesundheitskarte verwalteten medizinischen Daten ermöglichen. Heilberufler können also nur mit dem Einverständnis und der Mitwirkung ihrer Patienten auf Daten der Gesundheitskarte zugreifen. Es gibt keinen Generalschlüssel auf alle in der Telematikinfrastruktur gespeicherten Daten. Jeder Zugriff wird protokolliert. Ein unberechtigter Zugriff wird strafrechtlich verfolgt.

ZEIT ONLINE: Nehmen wir an, ein Patient wird aufgrund eines Fehlers in seiner zentral gespeicherten Krankenakte falsch therapiert. Wer haftet? Der Facharzt? Der Hausarzt? Die Betreiber der zentralen Infrastruktur? Oder die Krankenkasse?

Schröder: Ärztinnen und Ärzte und medizinische Einrichtungen werden auch künftig ihre eigenen Krankenakten führen. Mithilfe der elektronischen Gesundheitskarte wird es darüber hinaus jedoch möglich, auf Wunsch der Patienten medizinische Informationen, die bisher ausschließlich in lokalen Praxis- beziehungsweise Krankenhausakten dokumentiert wurden, zusätzlich einrichtungsübergreifend verfügbar zu machen. Eine Speicherung erfordert den Einsatz des Heilberufsausweises der behandelnden Ärztin oder des Arztes. Hierbei werden die eingetragenen Daten mit der elektronischen Unterschrift der Ärztin oder des Arztes rechtsgültig signiert. Nachträgliche Änderungen beispielsweise aufgrund technischer Fehler werden damit unzweifelhaft erkennbar. Inwiefern die verfügbaren Daten für die aktuelle medizinische Behandlung des Patienten nützlich sind, muss von den behandelnden Ärzten beurteilt werden.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, dass der rechtliche Schutz und die technische Sicherheit der Daten Ihrer beiden Kinder in der zentralen Infrastruktur ausreichen?

Schröder: Die Sicherheitsstandards werden, wie dies bei solchen Projekten üblich ist, kontinuierlich entsprechend dem aktuellen Stand der Wissenschaft fortentwickelt. Ja, ich vertraue den gesetzlichen Regeln und den technischen Vorkehrungen.

Klaus Theo Schröder ist Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit.

Die Fragen stellte Joachim Jakobs.

 
Leser-Kommentare
  1. die zentrale datenspeicherung ist der garant dafuer, dass daten im grossen massstab entweichen werden. Da koennen diese typen noch viel von verschluesselung labern. Jeder it-fuzzy mit pc-halbbildung versteht wie schnell und wie viele kopien entstehen koennen. Der diebstahl einer kopie wird nichtmal bemerkt.

    Entwichene daten sind fuer ewig freigsetzt und koennen nicht eingefangen werden.

    Das tolle an der heutigen infrastruktur ist folgendes:
    1. dezentrale speicherung
    2. unverschluesselt
    3. papierbasiert
    4. robust und praxisbewaehrt

    D.h: Es gibt keinen zentralen angriffspunkt fuer datendiebe. Die fehlende verschluesselung grenzt menschen ohne computerwissen oder alte, angehoerige, ... nicht aus. Die speicherung auf papier verhindert das einfache erstellen von kopien. Papierspeicherung ermoeglicht einen kompatiblen datenaustausch zwischen arzt, facharzt, krankenhaus, ... Die papierspeicherung hat sich seit jahrtausenden bewaert und ist gegen stromausfall, versehentliches loeschen, inkonsistente datenbestaende, ... eigentlich sehr robust. Das eine praxis abbrennt oder einstuerzt dagegen gibt es schon seit jahrzehnten gute stahlaktenschraenke und aufbewahrungsvorschriften.

    • Chali
    • 22.04.2009 um 9:16 Uhr

    wo die Ahnung am kleinsten.

  2. Bei den miesen Gehältern in der Gesundheitsindustrie werden sicher bald nach Einführung die ersten geklonten Daten-DVDs auf dem Schwarzmarkt angeboten.

    Da wir Pflichtversicherten erst gar nicht gefragt wurden, bleibt uns eigentlich nur der stille Streik: Wenige Sekunden in der heimischen Microwelle sorgen für spurloses Versagen des Microchips und ratlose Gesichter in der Arztpraxis oder bei Fachleuten ;)
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  3. Daten sind immer maximal so sicher wie Menschen perfekt und nicht korrupt sind.

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    • Chali
    • 22.04.2009 um 11:16 Uhr

    welchen der vielen beteiligten Firmen wird der Herr Staatssekretär nach dem hoffentlich baldigem Ende seiner Amtszeit seine Arbeitszeit widmen?

    • Chali
    • 22.04.2009 um 11:16 Uhr

    welchen der vielen beteiligten Firmen wird der Herr Staatssekretär nach dem hoffentlich baldigem Ende seiner Amtszeit seine Arbeitszeit widmen?

    • Chali
    • 22.04.2009 um 11:16 Uhr

    welchen der vielen beteiligten Firmen wird der Herr Staatssekretär nach dem hoffentlich baldigem Ende seiner Amtszeit seine Arbeitszeit widmen?

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    Deshalb fordere ich schon lange: 100% Steuern auf alle Nebentätigkeiten von Abgeordneten und auf alle Tätigkeiten nach der Abgeordnetenzeit. Dafür dürfen auch die Abgeordneten-Diäten und -Renten kräftig steigen.

    Deshalb fordere ich schon lange: 100% Steuern auf alle Nebentätigkeiten von Abgeordneten und auf alle Tätigkeiten nach der Abgeordnetenzeit. Dafür dürfen auch die Abgeordneten-Diäten und -Renten kräftig steigen.

  4. Deshalb fordere ich schon lange: 100% Steuern auf alle Nebentätigkeiten von Abgeordneten und auf alle Tätigkeiten nach der Abgeordnetenzeit. Dafür dürfen auch die Abgeordneten-Diäten und -Renten kräftig steigen.

  5. Zentral verwaltete Patientendaten sind ein gefundenes Fressen für die Hacker. Wer anders darüber denkt, ist ignorant, so wohl auch der Herr vom BGM. Villeicht zahlt sich seine Ignoranz für ihn nach seinem Ausscheiden aus der Politik ja aus, so etwas sah man ja schon öfter (Gasleitung-Schröder z. B.).

    • kkr
    • 22.04.2009 um 14:07 Uhr

    durch systematisches Blockieren durch Lobbyisten und Ärzte, die hoffen das System nach der Wahl zu Grabe tragen zu können. Dies ist nicht diskussionsfähig, da sie ihre Privilegien auf unsere Kosten sichern wollen. Die werden sich wundern, wenn sie erkennen müssen, dass nicht ihre Interessen sondern der finanzielle Druck den Ausschlag geben wird, das System -trotz aller Bedenken [JSF]- eingeführt wird.

    Der Zwang zur Kostensenkung wird noch viele in die Knie zwingen. Mir fallen da neben dem Gesundheitswesen, noch die Rente und auch die Banken ein. Wer noch nicht verstanden hat, das mit dieser Krise der Wohlstand der westlichen Welt zur Disposition steht, der sollte die SPD wählen.

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