HSV-Trainer Martin Jol Der brummende Holländer
Trainingsanzug, Adiletten und eine mächtige Stimme: Martin Jol ist das Markenzeichen des HSV und kann den Klub heute zum größten europäischen Erfolg seit 26 Jahren führen.

© Martin Rose/Bongarts/Getty Images
Brummt und lacht: Martin Jol in Hamburg
Martin Jol hat anstrengende Wochen vor und hinter sich. Am Wochenende musste der HSV in letzter Sekunde eine 0:1-Niederlage in Stuttgart verkraften, heute müssen seine Spieler in England gegen Manchester City antreten (Live-Blog auf ZEIT ONLINE). Das Hinspiel im Uefa-Cup endete 3:1, das Erreichen des Halbfinales ist möglich und wäre für die Hamburger der größte europäische Erfolg seit 26 Jahren.
Doch vor der Abreise ist in den Katakomben der HSV-Arena von Euphorie keine Spur. Während die Profis nach einer kurzen Trainingseinheit gegelt und in modischen Klamotten aus den Trainingsräumen eilen, steht Martin Jol in Trainingsanzug und Adiletten vor den Reportern. Er referiert mit verschränkten Armen über die Unmöglichkeit, in drei Wettbewerben – Bundesliga, DFB-Pokal und eben Uefa-Cup – erfolgreich zu sein ohne gleichzeitig personell "auf dem Zahnfleisch zu gehen".
Martin Jol ist ein netter Kerl, doch an diesem Tag brummt er seine Statements unwirsch in die Mikrophone. Wobei: eigentlich brummt Jol immer, wenn er etwas sagt. Meistens freundlich, immer sachlich. Diese sonore, gradlinige, tief aus einem mächtigen Bauch kommende Stimme hat den Coach nach nur elf Monaten in Hamburg zum Markenzeichen des HSV gemacht.
Begonnen hat es am 21. Mai 2008 im edlen Hamburger Elysee Hotel vor einem großen Medienaufgebot. Nach einer sechs Monate langen Trainerfindungsarie präsentierten die Verantwortlichen des HSV Martin Jol als neuen Cheftrainer. Der Niederländer bestach sofort durch sein freundliches Wesen und strahlte eine authentische Souveränität aus. Stets begleitet von seinem meditativen Brummton.
Jols Verpflichtung sollte der Gegenentwurf zu seinen beiden Vorgängern Huub Stevens und Thomas Doll sein. Doll hatte sich solange als Kumpeltyp geriert, bis ihm sämtliche Distanz zu Fans, Medien und vor allem seinen Spielern verloren ging. Der autoritäre Stevens trieb seine zynisch-bissige Seite am Ende derart auf die Spitze, dass schließlich alle im Umfeld des HSV froh waren, als er ging. Wenn Doll "meine Jungs" sagte, klang es nach Erlebnispark Fußball, wenn Stevens über die Spieler sprach, zischte es aus seinen Mundwinkeln.
"'Meine Jungs haben Charakter", brummt Jol in sich ruhend. Dann mahnt er trocken an, dass diese Saison ein einziger Kraftakt sei. Auch die verschränkten Arme gehören zu seinem Repertoire. Sie drücken etwas Erhabenes aus. Martin Jol will sich nicht verstecken.
- Datum 22.04.2009 - 19:48 Uhr
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"Er steht für den englischen One-Touch-Football à la Arsenal London."
Man könnte allerdings auch sagen, dass dieser One-Touch-Football in England, der grundsätzlich dem spanischen "tiki taki" entspricht, alte holländische Fußballschule ist, und der holländische Einfluss auf den Weltfußball sollte ja eigentlich unbestritten sein.
Dass mir als Österreicher, der unserer Nationalmannschaft seit Jahren weinenden Auges zuzusehen genötigt ist, dazu noch mehr an Geschichte einfällt, versteht sich: denn die Holländer haben, wird berichtet, in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Wiener "Scheiberlspiel" beobachtet und anschließend für sich adaptiert. Wobei das Scheiberlspiel von den Wienern aus Prag ("male ulica", die kleine Gasse, die durch den flachen Kurzpasswirbel in die gegnerische Verteidigung geschlagen wird) importiert wurde (bekanntlich waren noch die Wiener "Wunderteam"-Spieler hauptsächlich tschechischer Herkunft). "Erfunden" aber haben das Kurzpassspiel eigentlich die Schotten (in Unterscheidung zum englischen Kick & Rush), von denen die Tschechen ihre Fußballkunst als erste in Mitteleuropa erlernt haben. So könnte man zusammenfassen, dass Martin Jol für die alte holländische Fußballschule steht, die auf die klassische schottische Fußballkunst zurückgeht.
Da ich (jetzt mal aus Fußball-Unterhaltungs-Medien-Sicht) leider in Österreich lebe, schaue ich immer wieder neidisch zur deutschen Bundesliga. Gut, die Qualität, die dort herrscht wird (siehe Barca etc.) von einigen Clubs bzw wenigen Ligen noch übertroffen, aber die Art und Weise, wie Trainer sympathisch am und abseits des Rasens agieren und vor allem informieren, finde ich einfach beneidenswert. Jol, Klopp, Schaaf etc. aber auch Doll und Slomka (leider nicht mehr so present). Jeder ein eigener Typ, aber top auf seine Art und Weise. Man wird mich steinigen, aber auch Klinsmann hat meinen größten Respekt. All diese Leute tragen einen großen Teil dazu bei, dass die deutsche Liga, wenn man mal die internationalen Vorurteile losgeworden ist, die sympathischste Liga ist.
Als standard Ösi müsste ich jetzt wieder wehmütig (mit mindestens 9000 Zeilen) über Ernst Happel berichten - das ist ein alter Hut, und ist, genau wie Cordoba (das schlimmste Ereignis, dass dem österreichischen Fußball passieren konnte) lange vorbei.
Respekt aber an "hronek", ich fand die Aufarbeitung der herkunft des One-Touch-Fußballes sehr interessant!
EinGangLion
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