80 Jahre James Last Lalala und ohne Ende tanzen

Unser Autor hat James Last sein Leben zu verdanken: Ohne "Non Stop Dancing" wäre er wohl kaum gezeugt worden. Auch ein Grund, dem großen Kapellmeister zu gratulieren

Jetzt hat Guenter Krueger wieder viel zu tun. Der größte James-Last-Fan Deutschlands muss Journalisten seine Sammlung zeigen: fünfeinhalbtausend Ton- und Bildmedien. Krueger ist immer da, wenn eine Plattenfirma alte Plakate für ein Booklet braucht oder ein Radiosender jemanden sucht, der ein James-Last-Special aufpeppt. An runden Geburtstagen ist der frühpensionierte Systemtechniker aus Berlin-Marienfelde besonders gefragt. James Last wird am 17. April 80 Jahre alt.

Krueger, in den ersten Jahren der Bundesrepublik in Wolfenbüttel geboren, hat seiner Frau Karin schon 1969 die Platte Non Stop Dancing 9 geschenkt, aber erst 1982, bei einem Open-Air-Konzert in der Berliner Waldbühne, packte ihn das, was er das "große James-Last-Fieber" nennt. Krueger hat James Last seither mehrmals getroffen. In den Liner Notes zu einer 4-CD-Kompilation, die er zusammenstellen durfte, lobt Krueger Lasts Bescheidenheit, beschreibt ihn als frei von Starallüren, als liebenswert, als "Mensch zum Anfassen": als einen von uns.

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Non Stop Dancing '65 war das Album, das Hans Last, damals Bassist und Arrangeur im NDR-Tanzorchester, den ersten Erfolg bescherte. Die Idee ging so: Um auf Partys für Stimmung zu sorgen, mischt man Fetengeräusche in die pausenlos weiterdudelnde Musik, die man aus aktuellen Hitparaden abkupfert, in diesem Fall etwa Petula Clarks Downtown, Drafi Deutschers Cinderella Baby und acht Beatles-Songs. Dabei ersetzt man die englischen Texte durch Vokalisen, vulgo: Lalala, um die ältere Generation anzusprechen – die jüngere hört eh die Originale.

Es funktionierte. Es funktionierte ökonomisch so gut, dass Lasts Plattenfirma Polydor Non Stop Dancing zur Serie machte und Hans für den internationalen Markt in James umtaufte. Erfolgreich variierte Last das Prinzip, nahm Songs aus der Volksmusik, aus der Klassik, aus egalwo, Hauptsache bekannt.

Und es funktionierte stimmungsvoll so gut, dass der Autor dieser Zeilen nicht ausschließen kann, nach einer Faschingsparty gezeugt worden zu sein, die Non Stop Dancing 10 befeuerte. Eine ganze Reihe Last-Platten stand jedenfalls unterm Dual-Spieler im Regal, mindestens Trumpet à Go-Go, Polka Party und James Last in Russia sind in Erinnerung.

Happy Sound nannte James Last, was heute Easy Listening heißt. Summende Sängerinnen, satte Bläser, "atmende" Streichergruppen und eine ausgeklügelte Sitzordnung vor dem Stereomikro. Und Toningenieur Peter Klemt, der schon Bert Kaempferts erste Erfolge produziert hatte.

"Einer von uns", so will es der Mythos, blieb Last auch, als der Erfolg kam. Er zog um, aber nur vom Holitzberg 71 in Hamburg-Langenhorn zum Holitzberg 61, aus einem Reihen- in ein freistehendes Haus mit Pool. Im Urlaub campten die Lasts auf Sylt, und den Opel Diplomat fuhren sie bis der Auspuff nicht mehr wollte.

Vielleicht blieb Last in den Augen seiner Fans auch deshalb auf dem Boden, weil das Unglück seinen Erfolg überschattete. Mit der als Ersatz für den defekten Opel erworbenen Limousine hatte Waltraud Last einen lebensgefährlichen Unfall, erlitt Brandnarben und wollte den Strandurlaub auf eine Yacht verlegen. Bei deren Übernahme in Florida kauften Lasts ein Haus und lebten fortan im sonnigen Süden der USA – aber Anlagebetrüger drehten dem Kapellmeister Schund an, er wurde nie so recht reich.

Noch in den frühen Achtzigern, als der Sammler Guenter Krueger in der Waldbühne sein Erweckungserlebnis hatte, gehörte James Last zu Provinzwohnzimmerpartys wie Käseigel, Nudelsalat und Blue Curaçao mit Orangensaft ("Grüne Witwe"). Für die im Halbjahresrhythmus veröffentlichten Last-Alben wurde der Plattenwechsler erfunden: ein Metallstäbchen, auf die Mittelachse des Plattenspielers gesetzt, ließ die nächste Vinylscheibe herunterfallen, wenn eine LP durch war. Das tat den Platten nicht gut. Aber der Stimmung.

Mitte der Achtziger wechselten bei Lasts Label Polydor die Manager. Sein Stammstudio wurde für das Fernsehen umgebaut, aber für Sport auf Sat1, nicht für die großen Showtreppensendungen, die der Mann mit dem Kinnbart im weißen Anzug so häufig vertont hatte. Er kam jetzt seltener ins Fernsehen, tourte durch kleinere Hallen. Der "Karajan des kleinen Mannes" (Friedrich Nowottny über James Last) kam näher zum kleinen Mann. 

Heute ist James Last wieder cool. Quentin Tarantino ließ seinen "Einsamen Hirten" mit der Panflöte im Soundtrack von Kill Bill erklingen. Die HipHopper von Fettes Brot spielten mit dem Mann, der 1950, 1951 und 1952 zum besten Bassisten Deutschlands gewählt worden war. Die Heeresmusikschule Bückeburg kann nicht ganz schlecht gewesen sein, damals, 1942.

Inzwischen trägt Last auch mal schwarz, die Haare kragenlang, den Bart zum Schnäuzer gestutzt. "Johnny-Cash-mäßig", schrieb die Süddeutsche, er ähnele "einem alten Kapitän, der jedes Meer durchquert hat". James Last füllt wieder die Hallen. Seine Geburtstagstournee heißt Mit 80 Jahren um die Welt. Und das Akkordeon spielt Biscaya. Na, denn: Mast- und Schotbruch.

 
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