80 Jahre James Last Lalala und ohne Ende tanzenSeite 2/2
Vielleicht blieb Last in den Augen seiner Fans auch deshalb auf dem Boden, weil das Unglück seinen Erfolg überschattete. Mit der als Ersatz für den defekten Opel erworbenen Limousine hatte Waltraud Last einen lebensgefährlichen Unfall, erlitt Brandnarben und wollte den Strandurlaub auf eine Yacht verlegen. Bei deren Übernahme in Florida kauften Lasts ein Haus und lebten fortan im sonnigen Süden der USA – aber Anlagebetrüger drehten dem Kapellmeister Schund an, er wurde nie so recht reich.
Noch in den frühen Achtzigern, als der Sammler Guenter Krueger in der Waldbühne sein Erweckungserlebnis hatte, gehörte James Last zu Provinzwohnzimmerpartys wie Käseigel, Nudelsalat und Blue Curaçao mit Orangensaft ("Grüne Witwe"). Für die im Halbjahresrhythmus veröffentlichten Last-Alben wurde der Plattenwechsler erfunden: ein Metallstäbchen, auf die Mittelachse des Plattenspielers gesetzt, ließ die nächste Vinylscheibe herunterfallen, wenn eine LP durch war. Das tat den Platten nicht gut. Aber der Stimmung.
Mitte der Achtziger wechselten bei Lasts Label Polydor die Manager. Sein Stammstudio wurde für das Fernsehen umgebaut, aber für Sport auf Sat1, nicht für die großen Showtreppensendungen, die der Mann mit dem Kinnbart im weißen Anzug so häufig vertont hatte. Er kam jetzt seltener ins Fernsehen, tourte durch kleinere Hallen. Der "Karajan des kleinen Mannes" (Friedrich Nowottny über James Last) kam näher zum kleinen Mann.
Heute ist James Last wieder cool. Quentin Tarantino ließ seinen "Einsamen Hirten" mit der Panflöte im Soundtrack von Kill Bill erklingen. Die HipHopper von Fettes Brot spielten mit dem Mann, der 1950, 1951 und 1952 zum besten Bassisten Deutschlands gewählt worden war. Die Heeresmusikschule Bückeburg kann nicht ganz schlecht gewesen sein, damals, 1942.
Inzwischen trägt Last auch mal schwarz, die Haare kragenlang, den Bart zum Schnäuzer gestutzt. "Johnny-Cash-mäßig", schrieb die Süddeutsche, er ähnele "einem alten Kapitän, der jedes Meer durchquert hat". James Last füllt wieder die Hallen. Seine Geburtstagstournee heißt Mit 80 Jahren um die Welt. Und das Akkordeon spielt Biscaya. Na, denn: Mast- und Schotbruch.
- Datum 17.04.2009 - 07:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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