Eisschmelze und Klimawandel Wenn Korallen nasse Füße bekommen

Der Meeresspiegel ist in der Erdgeschichte schon einmal binnen weniger Jahrzehnte um drei Meter gestiegen. Das könnte wieder passieren, warnen Kieler Forscher

Korallenriffe haben ein gutes Gedächtnis. Ändert sich der Meeresspiegel, hinterlässt das Spuren, die auch nach Hunderttausenden von Jahren noch messbar sind.

Jetzt hat eine Forschergruppe aus Deutschland und Mexiko bei der Untersuchung eines Korallenriffs vor der Yucatan-Halbinsel Alarmierendes herausgefunden: Vor 121.000 Jahren muss der Meeresspiegel innerhalb weniger Jahrzehnte um vier bis sechs Meter angestiegen sein. Das berichten die Wissenschaftler um Paul Blanchon von der Universität für Meereswissenschaften in Cancun diese Woche in der Zeitschrift Nature.

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Aber wie funktioniert der Trick, mit dem die Forscher anhand von Riffen in die Vergangenheit schauen? Korallen brauchen Licht zum Überleben, weshalb sie dicht unter der Wasseroberfläche leben. Steigt der Meeresspiegel, sterben die Korallen in den unteren Schichten ab. Übrig bleibt das Kalkskelett der Nesseltiere, das auch nach Jahrtausenden noch erhalten ist. Ähnlich wie Jahresringe eines Baumes bilden sich an einem Riff  im Laufe der Zeit Kalkschichten, an denen sich erkennen lässt, wann Korallen abgestorben und neue entstanden sind.

Das Riff, das Paul Blanchon und sein deutscher Kollege Anton Eisenhauer vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften untersucht haben, besteht aus zwei Stufen, die heute drei und sechs Meter über dem Meeresspiegel ragen. Die Forscher entnahmen Proben aus 40 senkrechten Schnitten, die sich über mehrere Kilometer entlang des Riffs verteilten.

Deren Alter konnten sie mithilfe des radioaktiven Isotops Thorium-230 bestimmen, einem Zerfallsprodukt von Uran, das nicht wasserlöslich ist. Je älter Korallenkalk ist, desto mehr Thorium enthält er. Das Ergebnis: Die Proben aus der tiefergelegenen Stufe des Riffs waren deutlich älter als die der rund drei Meter höher liegenden.

Leser-Kommentare
  1. Wirklich angegangen wird der Klimawandel doch ohnehin erst wenn es zu spät ist. Weil davor ist es ja nicht Kosteneffizient. Hinterher sind die Verantwortlichen dann in der Lage zu jammern und festzustellen wie teuer der Schaden ist. eine vorherige Abschätzung ist nicht erwünscht. Aber das ist die Realität in diesen Kreisen in den wenigsten Fällen. Das könnte ja bedeuten, dass man agieren muss anstatt zu reagieren.

    Also tschüss Venedig. Euer Flutwehr war schon 1970 veraltet. Bei Umsetzung nach diesen Plänen gibts für euch keine Zukunft.

  2. Nicht zu glauben - der Meeresspiegel war schon mal höher als heute - und das ohne man made CO2?

    Der UN-IPCC Report sagt doch eindeutig, klar und unmißverständlich, dass fast ausschließlich man made CO2 für Klimawandel verantwortlich ist. Nicht die Sonne, Wolken oder irgendetwas anderes. Nein, das sind ja alles mindere Kräfte. CO2!

    Und wenn es damals kein man made CO2 gab? Gibt es da eventuell doch noch etwas anderes, etwas was wir noch nicht kennen?

    Ich Dummerle dachte doch, dass die Klimamodelle alles berechnen können! Können sie wohl doch nicht - oder?

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