Datenskandal Drogeriekette Müller soll kranke Mitarbeiter ausfragen

Wer krank war, wird zum Chef zitiert – laut einem Zeitungsbericht ist das "Krankenrückkehrgespräch" beim Drogeriemarkt Müller gängige Praxis. Ein neuer Datenskandal bahnt sich an

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, rund 18.000 Beschäftigte von Müller müssten gegenüber dem Unternehmen regelmäßig Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben. Wer krankheitsbedingt ausfalle, werde nach seiner Rückkehr zu einem Gespräch mit dem Vorgesetzten zitiert, berichtete ein Mitarbeiter dem Blatt. Die Drogeriekette soll gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen haben.

Anfang April war herausgekommen, dass der Discounter Lidl (Neckarsulm) in großem Umfang geheime Krankenakten geführt hat. Der Deutschlandchef von Lidl musste deshalb gehen. Vergangenen Mittwoch wurde bekannt, dass auch der Stuttgarter Autobauer Daimler in seinem Bremer Werk illegal Krankendaten von Beschäftigten erfasst hat. Die zuständige Datenschutzbehörde in Baden-Württemberg überprüft jetzt den Umgang mit gespeicherten Krankendaten im Bremer Werk.

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Die Geschäftsleitung der Drogeriekette Müller wollte gegenüber der Zeitung zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Rainer Dacke von der Gewerkschaft ver.di sagte dem Blatt, dass ihm diverse Hinweise von Müller-Mitarbeitern vorlägen, wonach solche Gespräche zum Krankheitsverlauf bei der Drogeriekette üblich seien. Er sagte: "Keine Frage, solche Fragebögen sind illegal." Viele der Betroffenen trauten sich nicht, solche Auskünfte zu verweigern, "obwohl sie wissen, dass dies gesetzlich nicht zulässig ist".

Laut Süddeutscher Zeitung füllen dabei Mitarbeiter und Vorgesetzter gemeinsam einen Fragebogen aus und unterzeichneten ihn. Das Formular mit dem Titel "Krankenrückkehrgespräch" sehe unter anderem vor, dass der Beschäftigte angebe, ob er wegen "derselben Ursache im laufenden Kalenderjahr bereits krank gewesen" oder "die
Genesung vollständig abgeschlossen" sei.

Das Vorgehen der Geschäftsleitung stößt schon länger auf Kritik bei der Gewerkschaft. Ver.di wirft ihr vor, bundesweit die Mitarbeiter einzuschüchtern und so die Gründung von Mitarbeitervertretungen zu verhindern. Gegen den Willen der Geschäftsleitung war vergangenen Mittwoch in einem Lager in Neu-Ulm (Bayern) ein Betriebsrat gewählt worden. Die Wahl sei nur zustande gekommen, weil die Kandidaten ein besonders dickes Fell gehabt hätten, sagte Dacke nach der Wahl am Mittwoch.
 

 
Leser-Kommentare
  1. ....meine Frau arbeitet bei einem Discounter, welcher noch nie groß negativ in der Presse erwähnt wurde. Dort sind sog. "Krankheitsgespräche" an der Tagesordnung. Dort wird jede noch so kleine Abwesenheit und Grippe hinterfragt und akribisch festgehalten. Natürlich bekommt man dann auch noch gute Tipps, wie man künftig am besten mit dem Kopf unter dem Arm auf die Arbeit kommen kann.

    Die Unternehmen, welche in den Medien bisher angeprangert wurden, hatten eben "Pech". Diese müssen wohl stellvertretend für hunderte andere stehen.

  2. Es wird ja immer wieder behauptet, dass der günstige Einkauf mit der schlechten Behandlung der Mitarbeiter einhergehen muss.
    DM zeigt, dass es anders geht.
    Warum sollte ich bei Müller, Lidl usw. einkaufen, wenn es Alternativen gibt?

  3. Das ist doch derselbe Müller, dessen Gründer Götz Werner sich für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens einsetzt. Da gelten wohl beim Management andere Regeln.

  4. Götz Werner ist der Gründer von dm ... NICHT Müller!

    • Seckel
    • 18.04.2009 um 22:45 Uhr

    Daten zur Lebenslage (Nahnsen/Weisser), der auch Erkrankungen angehören, beispielsweise eines Arbeitnehmers darf entsprechend höchstrichterlicher Rechtssprechung des Bundesfinanzhofs allein ein Sozialwissenschaftler erheben, der ein einschlägiges Hochschuldiplom besitzt und für den dadurch eine Universität dessen Fähigkeit zu eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten nachweist. Leitende Angestellte von Drogerie Müller missbrauchen also akademische Grade und begehen eine Straftat nach § 132a Abs. 1 Ziff. 1 StGB, auf die ein Freiheitsentzug bis zu einem Jahr oder Geldstrafe folgt. Weil es sich indes um ein so genanntes Antragsdelikt handelt, arbeiten dortige leitende Angestellte tatsächlich augenblicklich im Nichts ("Collaps is imminent, if we do nothing!") und schädigen sich selbst auf das Gröbste, wenn ihnen kein Mensch zu Hilfe eilt und bei der Ulmer Staatsanwaltschaft Anklage gegen sie beantragt. Drogerie Müller steht es aber nach wie vor frei, sich selbst zur Anklage zu bringen.

  5. ... aus eigener Erfahrung. Auch an meinem Arbeitsplatz ist es "normal", dass Mitarbeiter nach einer Erkrankung zunächst vor Aufnahme des Dienstes zu einem Gespräch mit der Personalabteilung kommen müssen - offiziell lautet die Begründung, dass man für die Zukunft mögliche Belastungen des Mitarbeiters, welche die Krankheit möglicherweise ausgelöst haben könnten, abstellen will.

    Auch ist dies kein neues Verhalten der Betriebe, denn als ich in den '90ern bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet hatte, war es schon nicht anders.

    Wessen Firma nicht solche Gespräche führt, oder solche Nachforschungen anstellt, der lebt wohl auf der Insel der Glückseligen ...

    Wie sagt mein Sohn so schön dazu: ROFLMAO

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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