Netzsperren Ein Mäntelchen fürs reine GewissenSeite 2/2

Denn die Metapher mit der Ampel ist Unsinn und so irreführend wie ein großer Teil der Argumente der Befürworter. Im Gegensatz zum Straßenverkehr kann im Internet tatsächlich etwas getan werden, um die Übertretung eines solchen – auch jetzt schon gesetzlich geregelten Verbots wirksam zu verhindern.

Nahezu 90 Prozent aller im Internet verfügbaren Kinderpornografie befindet sich in Ländern, die solche Bilder und deren Verbreitung unter schwere Strafen stellen: USA, Kanada, Niederlande, Deutschland. Mit dem internationalen Austausch der Sperrlisten entsteht nun sogar ein Verfahren, dass es allen Beteiligten erlaubt, von Ermittlungen anderer zu profitieren und zu erfahren, was davon auf heimischen Servern lagert. Warum also gehen die Telekommunikationsfirmen nicht einen Schritt weiter und schmeißen die Server raus, die auf den Listen der Polizei stehen? Warum sperren sie nicht die Accounts derjenigen, die die Seiten gemietet haben?

Dann wäre das Stoppschild oder die Meldung "404: server not found" nicht nur ein Flatterband, das sich überwinden ließe. Und das noch dazu den Makel der Zensur trägt. Dann würde es den Server wirklich nicht mehr im Netz geben. Rechtlich möglich ist das längst, kriminelle Inhalte muss kein Provider dulden, im Gegenteil, er hat die Pflicht, sie zu entfernen.

Die Antwort darauf entlarvt die gesamte Initiative: weil die Sperrlisten dazu nicht taugen. Sie sind nicht sicher genug. Die Chance, dass auf ihnen viele Seiten stehen, die zwar bedenkliche, eklige und schlimme Bilder verbreiten, aber eben keine kriminellen, ist offensichtlich zu groß. Die Provider haben Angst vor Klagen unberechtigt entfernter Kunden, wenn sie so weit gehen. Und anscheinend kein Interesse, den Unterschied zwischen widerlich und kriminell auf eigene Rechnung zu prüfen. Denn dann würden sie haften. Für die (sehr viel weniger wirksame) Sperrung jedoch haftet das Bundeskriminalamt, das die Listen aktualisiert und verschickt.

Die Bedenken sind so schwer, dass zwei der fünf unterzeichnenden Provider nicht einmal das Stoppschild des BKA einsetzen wollen. Einer davon ist die Deutsche Telekom AG. Man werde, solange es keine gesetzliche Grundlage gebe, lediglich den Zugang zu den Seiten sperren, sagte René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Telekom. Das Stoppschild verwende man nicht.

Die Telekom hat in Deutschland bei den Internetzugängen einen Marktanteil von 45 Prozent. Auf den von ihr gehosteten Seiten wird es also nicht einmal das Warnschild geben, das Ursula von der Leyen für ein so wichtiges gesellschaftliches Signal hält.

Doch was für ein Signal ist das für die Opfer und die Täter?

 
Leser-Kommentare
  1. Gaaanz langsam wacht die Presse mal auf und erklärt den geneigten Lesern, was für einen Unsinn "Röschen" von der Leyen da verzapft.

    Hätte die verblichene SED eine ähnliche Filtertechnik (unter welchem Vorwand auch immer) installiert - was für einen Aufschrei wäre das gewesen !

    Aber so ? Sind ja unsere Jungs und Mädels, die uns filtern.

    Also alles okay.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    global gesehen macht sie es doch gut an der Vorgaengerin gemessen.
    ich bin leider kein Programmierer sage mir aber: es muesste doch technich
    moeglich sein vor vorneherein solche Programme zu stoppen ?
    Bin wieder zurueck und herzliche Gruesse an alle die dies lesen!
    arno

    nun ja, die DDR war ja auch ein Unrechtsstaat! Und während die den Schiessbefehl hatten gab (und gibt es noch) bei uns den Finalen Rettungsschuss. Dort gab es Zensur, hier gibt es Sperrlisten. Und während die Stasi ausserhalb des geltenden DDR-Rechts agierte machen unsere 19 Geheimdienste und weitere Polizeistellen Lauschaktionen in viel grösserem Ausmas. Allersdings im Rahmen der Gesetze. Und doch: keiner will die DDR zurück. Ich bin froh in einem freien Land geboren zu sein!

    global gesehen macht sie es doch gut an der Vorgaengerin gemessen.
    ich bin leider kein Programmierer sage mir aber: es muesste doch technich
    moeglich sein vor vorneherein solche Programme zu stoppen ?
    Bin wieder zurueck und herzliche Gruesse an alle die dies lesen!
    arno

    nun ja, die DDR war ja auch ein Unrechtsstaat! Und während die den Schiessbefehl hatten gab (und gibt es noch) bei uns den Finalen Rettungsschuss. Dort gab es Zensur, hier gibt es Sperrlisten. Und während die Stasi ausserhalb des geltenden DDR-Rechts agierte machen unsere 19 Geheimdienste und weitere Polizeistellen Lauschaktionen in viel grösserem Ausmas. Allersdings im Rahmen der Gesetze. Und doch: keiner will die DDR zurück. Ich bin froh in einem freien Land geboren zu sein!

  2. ...das sind die Zeichen, die man setzt. KiPo ist schlimm und verachtenswert. Aber hier geht es nicht um KiPo, sondern um ein erstaunliches Maß an Inkompetenz und Berufsblindheit.

    Herr Schäuble köpft sicherlich den Champagner - endlich stellt sich mal ein anderer in den Vordergrund im Kampf für den absoluten Überwachungsstaat. Gratulation an Frau von der Schäu... Leyen!

    • peto1
    • 17.04.2009 um 14:49 Uhr

    "Genau das aber geschieht beim Missbrauch von Kindern. Statt die Server mit den Inhalten abzuschalten, die Flammen also zu löschen, wird nur ein Stoppschild davor gehängt

    Hr. Biermann zu diesem Thema hätten sie auch den gestrigen ARD sendung Panorama sehen sollen da ging es um Lehrer die Schülerin misbraucht haben und weiter unterrichten können und nur zwei häuser weiter vom opfer immer noch wohnen bleiben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • peto1
    • 17.04.2009 um 15:05 Uhr

    Unter dem Titel:Kinderschänder im Klassenzimmer - Schulbehörden schauen weg

    • peto1
    • 17.04.2009 um 15:05 Uhr

    Unter dem Titel:Kinderschänder im Klassenzimmer - Schulbehörden schauen weg

  3. Die Vereinbarung ist ein erster Schritt; sie kann nicht als "Mäntelchen" abgetan werden. Hinter dieser Kennzeichnung könnte sich die Zustimmung von Zeit-on-Line verbergen, es ginge hier im Grundsatz um die informationelle Freiheit. Nach dem Motto: Der Mündige Bürger darf alles.

    Nun. Es gibt nun einmal triebhafte Bürger. Ich jedenfalls bin nicht bereit, diesen triebgesteuerten Wesen eine offene Plattform zu bieten.

    Neben der jetzt getroffenen Vereinbarung könnte man zum Beispiel diesem Päderastenwahn mit schärferen Strafvorschriften begegnen. Jedenfalls eines kann nicht sein, dass sich Zeit-on-Line mit Freenet einreiht in die Verteidiger der Pressefreiheit pur. Das wäre reiner Populismus.

    ______________________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wie konsequent Sie sämtliche im Artikel erwähnten Argumente einfach ignorieren und statt dessen stur die emotionale Schiene fahren.
    Eben genau so wie Big Ursula es vormacht.

    ...wie konsequent Sie sämtliche im Artikel erwähnten Argumente einfach ignorieren und statt dessen stur die emotionale Schiene fahren.
    Eben genau so wie Big Ursula es vormacht.

  4. noch nicht mal ein Viertelchen --

    da kann ich mich im Raubtiergehege genausogut mit einem Schild vor einen hungrigen Löwen stellen, auf dem steht: Zerfleischen verboten!

  5. ...wie konsequent Sie sämtliche im Artikel erwähnten Argumente einfach ignorieren und statt dessen stur die emotionale Schiene fahren.
    Eben genau so wie Big Ursula es vormacht.

    • peto1
    • 17.04.2009 um 15:05 Uhr

    Unter dem Titel:Kinderschänder im Klassenzimmer - Schulbehörden schauen weg

    Antwort auf "Grausig"
  6. Der Artikel ist doch gut. Er zeigt die Schwächen der Initiative deutlich auf. Trotzdem sehe ich das Vohaben nicht so negativ, wie viele es hier scheinbar tun. Ehrlicherweise muss man ja sagen, dass es schwer für die Regierung ist im www Regeln und Gesetze durchzusetzen, ohne wiederum Freiheitsrechte zu verletzen.
    PS I'm watching you ;)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service