Moskauer Kontrolle Russland zieht aus Tschetschenien ab
Der Kreml hat das seit 1999 bestehende besondere Sicherheitsregime für Tschetschenien aufgehoben. Die Lage dort gilt seit einiger Zeit als vergleichsweise ruhig
Das Anti-Terror-Komitee des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB teilte am Donnerstag mit, dass das "Regime" in der nach dem Krieg wieder aufgebauten Republik seit Mitternacht aufgehoben sei. Mit dem Ende des kriegsähnlichen Rechts ist laut Medienberichten in Moskau auch der Abzug von 20.000 russischen Soldaten verbunden.
Damit ende ein schweres Kapitel für die Teilrepublik, sagte der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow, der von Moskau gestützt wird. Er sagte, dass die Konfliktregion im Nordkaukasus nach jahrelangen Angriffen muslimischer Rebellen heute friedlich sei. Das Ende des 1999 eingeführten Anti-Terror-Regimes helfe Tschetschenien bei seiner weiteren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.
Das frühere Kriegsgebiet stand bisher unter besonderer Verwaltung des FSB. Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew hatte den Inlandsgeheimdienst unlängst aufgefordert, diesen Status nach Möglichkeit zu beenden.
Russland hatte die Sicherheitsbestimmungen vor zehn Jahren verhängt, um das Streben der Region nach Unabhängigkeit einzudämmen. Während dieser Zeit herrschten zeitweise Ausgangssperren, es gab Straßenkontrollen. Außerdem erlaubten die Schutzvorkehrungen das regelmäßige Durchsuchen von Häusern und erleichterten Festnahmen.
Die Lage in der Region gilt seit längerem als vergleichsweise ruhig. Insbesondere die von Russland im Krieg zerstörte Hauptstadt Grosny ist größtenteils wieder aufgebaut. Präsident Kadyrow genießt in der vorwiegend muslimischen Bevölkerung ungeachtet einer Arbeitslosenquote von über 50 Prozent breite Zustimmung.
Dagegen weisen einzelne russische Sicherheitsexperten darauf hin, dass Rebellen weiter Anschläge in der Region verüben. Betroffen sind auch die Nordkaukasus-Republiken Dagestan und Inguschetien. Russlands Militär ging 1994 gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Tschetschenien vor, musste jedoch 1996 einen Waffenstillstand akzeptieren.
Nach einer zweiten militärischen Eroberung 2000 wehrten sich die Tschetschenen jahrelang mit Guerilla-Attacken. Terroristen trugen den Kampf immer wieder auch nach außen, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule in der nordossetischen Stadt Beslan im Jahr 2004. Bei den Anschlägen wurden Hunderte Menschen getötet.
- Datum 16.04.2009 - 14:02 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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