Indiskretion Sarkozy lästert über Obama
"Nicht auf der Höhe", Mangel an Erfahrung und Durchblick: Frankreichs Präsident Sarkozy hat an seinem Kollegen Obama herumgemosert - wie schon an anderen Regierungschefs

© Julien M. Hekimian/Getty Images
Treffen in Paris: Sarkozy begrüßt seinen Gast Obama
Nicht ganz die feine französische Art: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist über US-Präsident Barack Obama und andere Spitzenpolitiker hergezogen. Der muntere Lästerreigen entsponn sich nach Informationen der Zeitung Libération am vergangenen Mittwoch bei einem Treffen von etwa 20 Abgeordneten. Sarkozy hatte die Politiker in den Elysée-Palast geladen, um sie über die Ergebnisse des G-20-Weltfinanzgipfels zu informieren.
Das Elysée dementierte umgehend alles, was der Präsident gesagt haben soll: "Das ist alles falsch." Die Teilnehmer des Gesprächs vertrauen dagegen auf ihr Gehör und Gedächtnis und berichteten dem Blatt von den präsidialen Indiskretionen.
Demnach lobte Sarkozy den neuen Herr im Weißen Haus als sehr intelligent und charismatisch. Allerdings sei Obama "nicht immer auf der Höhe, was Entscheidungen und Effizienz angeht". Kein Wunder, so Sarkozy, denn sein amerikanischer Amtskollege sei ja erst seit zwei Monaten im Amt und habe noch nie in seinem Leben ein Ministerium geführt. Bei manchen Dingen habe er einfach "keine Meinung" und auch keinen rechten Durchblick. Dies gelte beispielsweise beim EU-Klimapaket. So habe er, Sarkozy, während des Weltfinanzgipfels zu Obama gesagt: "Ich glaube, dass Du nicht ganz verstanden hast, was wir Europäer zum Thema CO2 gemacht haben."
Nicht nur der neue US-Präsident, sondern auch andere Politiker bekamen laut Libération ihr Fett weg. Über Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Sarkozy gesagt: "Als ihr klar wurde, in welchem Zustand ihre Banken und ihre Industrie sind, blieb ihr nichts anderes übrig, als auf meine Linie einzuschwenken." Und den spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero hält Sarkozy angeblich "vielleicht für nicht besonders intelligent".
Diese jüngst kolportierten Ausfälle sind nicht die einzigen verbalen Entgleisungen, die sich der Präsident geleistet hat. So berichtet die Zeitung Le Parisien über eine Äußerung Sarkozys während einer Kabinettssitzung - ebenfalls am vergangenen Mittwoch. Dort habe er sich heftig über einige Minister aufgeregt, die öffentlich ihr Interesse an einer Beförderung auf wichtigere Posten geäußert hatten. "Sie sind wirklich lächerlich!", soll er ihnen zugerufen haben. Wer sich zu diesem Thema noch einmal in den Medien äußere, könne auch gleich zurücktreten, warnte er.
Legendär ist Sarkozys Auftritt bei der Pariser Landwirtschaftsmesse im Februar 2008. Dort war er Hände schüttelnd duch die Menge geschritten und wollte auch einen älteren Herrn per Handschlag begrüßen. Dieser aber drehte sich von ihm mit den Worten "Oh nein, fass mich nicht an" weg. Der konservative Präsident, der den Franzosen einst einen neuen Regierungsstil versprochen hatte, konnte nicht an sich halten und antwortete sichtlich erbost: "Dann hau doch ab!". Als der Besucher daraufhin nachlegte und sagte "Du beschmutzt mich", schimpfte Sarkozy wiederum: "Dann hau doch ab, du Blödmann!"
Bereits als Präsidentschaftskandidat und amtierender Innenminister hatte der Gatte der Chanteuse Carla Bruni seine Meinung offen geäußert: Mit Blick auf die hohe Jugendkriminalität in den Vorstädten der französischen Hauptstadt hatte er gesagt, man müsse manche Vorstädte "mit dem Kärcher reinigen". Und seine politischen Gegner von der Sozialistischen Partei bedachte er mit den Worten: "Ihr Linken, ihr liebt die Banlieus, aber ihr wollt dort nicht leben."
Viele Franzosen blicken immer wieder erstaunt und beschämt auf das Gebaren ihres Präsidenten. Bei einigen ist die Ablehnung sehr groß: Mehrmals schon erhielt Sarkozy Morddrohungen, die vorerst letzte am vergangenen Freitag. Im Büro des Staatsoberhaupts fand man einen Brief mit zwei Kugeln. Das Schreiben sei in Südfrankreich aufgegeben worden und gleiche anderen Morddrohungen, die zuvor an Sarkozy und Mitglieder seiner Regierung adressiert gewesen seien.
- Datum 16.04.2009 - 18:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, kg
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Sarkozy fehlt der Durchblick für den Zusammenhang der Internationalen Anliegen.
[Anmerkung: Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Herr Sarkozy ist gerade zu besessen davon jederzeit und zu jedem Thema die Hauptrolle zu spielen. Und das um jeden Preis.
Sein handeln ist häufig populistisch geprägt und zudem zweitklassig in der Qualität. Trotzdem konnte er bisher immer viel Anerkennung gewinnen. Zugegeben, bei den übrigen Polit-Dinosauriern von heute war das bisher auch nicht so schwierig.
Mit dem Eintritt von Herrn Obama auf die Bühne der internationalen Politik haben sich die Rahmenbedingungen für Herrn Sarkozy - und auch die übrigen Polit-Dinosaurier - nun deutlich geändert.
Herr Sarkozy hat diese Veränderung durchaus erkannt und interpretiert diese mangels Einsicht und Reife als beginnende Gefährdung seiner persönlichen Reputation und Wertschätzung.
In dieser Situation unterliegt Herr Sarkozy seiner Persönlichkeit, die zwanghaft die bisher innegehabte und geliebte Hauptrolle einfordert. Und er reagiert diesem Trieb und seiner Reife entsprechend: zweitklassig. Ähnliches ist man von Berlusconi und seinesgleichen gewohnt.
Es bleibt nur zu hoffen, dass Polit-Dinosaurier dieser Art immer weniger politischen Raum und Einfluss erhalten und dadurch persönliche und niedere Motivationen einzelner keine entscheidende Rolle mehr übernehmen.
Dann werden die kleinen und großen Probleme unserer Zeit auch lösbar. Einer geht voran. Aber es gibt augenscheinlich viele, die eine solche Änderung nicht wollen. Man erkennt letztere an ihrem (nicht)handeln.
Ich denke mal das diese Plappermäuler wohl nicht noch mal so
locker informiert werden .
Ich mag Sarkozy wirklich nicht und halte ihn auch nicht für ein
besonderes intelligenten Politiker ,aber wenn ich als
Staatsoberhaupt Abgeordnete einlade und sie umfassend
informiere und ganz logisch dabei auch persönliche Eindrücke
schildere ,dann will ich die garantiert nicht ein paar Stunden
später in der Presse lesen .
Schon erstaunlich was da für Charaktere sich im französischen
Parlament aufhalten .
MfG Katana
...beissen nicht. Und (nicht nur) hochrangigen Politikern ist der Bimbes näher, als der Rock. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.
Das war doch eine coole Ansage. Vielleicht sujektiv aber sympathisch.
Und das meiste hat auch noch gestimmt. Zapatero hat wirklich wenig Ahnung - eine Art gutmütige Fach-Idiot (hat vorher glaube ich als Dozent für Steuerrecht an der Uni gearbeitet), Obama hat vielleicht gute Absichten, aber noch nicht umfssendes Wissen, die Gutmenschen wollen nie bei den Ausländern leben, die sie gerne ins Land holen usw. Nur mit Merkel kam der Machismo durch. Ich denke nicht, dass sie auf seine Linie eingeschwänkt war. Aber kommt schon gut vor den Abgeordneten, wenn man es der Führerin des größten EU-Landes gezeigt hat.
Also alles in allem sehr harmlos.
sarko gehört zu dem typus, der neben sich niemanden gelten lassen kann -- worum auch immer es geht, andere sind einfach dümmer als er.
was die abgeordnetne betrifft -- die werden von dreitter seite vermutlich schon sarkos einschlägige äusserungen über sich gehört haben.
immer weider interessant ist doch aber, dass solche typen nie realisieren, dass sie sich selber damit erledigen: jeder empfänger solcher kommentare fragt sich unmittelbar, wie sarko wohl anderen gegenüber über ihn herzieht -- und nenneswertes vertrauen in die kompetenz und integrität sarkos wird damit erst recht nicht erzeugt.
Selbst am Stammtisch wird über den, der gerade nicht da ist, gelästert. Was interessiert das. Solange seine Politik nicht zum Opfer seiner Eitelkeit wird, und er im persönlichen Gespräch mit anderen ausländischen Politikern ein persönliche Brücke bauen kann, kann er im kleinen Kreis doch sagen, was er will.
Viel schlimmer sind die indiskreten Wichtigtuer, die vielleicht noch meinen, ein gutes Werk zu tun. Die begreifen nichts und sind wohl der Auffassung, dass die gute Absicht bereits gute Politik ist.
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