Kohlendioxid in der Umwelt : Saure Meere bedrohen Muscheln und Korallen

Die Versauerung der Ozeane durch die Aufnahme von Kohlendioxid bedroht Teile der Meeresfauna, warnen Forscher. Vor allem Muscheln und Korallen sind in Gefahr.

Aufgrund einer wachsenden Zahl an eindeutigen Studien machen Experten immer nachdrücklicher auf die Versauerung der Meere aufmerksam. So jetzt auch auf einer Tagung von Geowissenschaftlern in Wien: Pro Tag nehme der Ozean 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus der Luft auf – ein Drittel dessen, was von der menschlichen Zivilisation freigesetzt werde, sagte Jelle Bijma vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven am Dienstag.

Der größere Kohlendioxidgehalt mache das Meerwasser saurer. Die ersten ozeanischen Lebewesen zeigten schon Reaktionen: Kalkbildende Organismen bekämen Schwierigkeiten bei der Bildung ihrer Schalen und Skelette, sagte Bijma. Auf lange Sicht könne die Versauerung ganze Nahrungsketten im Meer gefährden, möglicherweise eines Tages auch die Fischwelt.

Dass der Ozean saurer wird, wenn mehr Kohlendioxid in der Luft ist, daran besteht in der Fachwelt nicht der geringste Zweifel. Die chemischen Veränderungen, die im Wasser ablaufen, gelten als gut verstanden. Seit Beginn der Industriellen Revolution vor mehr als 150 Jahren hat der Säuregrad der Weltmeere um etwa 30 Prozent zugenommen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts könnte der Ozean um zusätzliche 150 Prozent saurer werden, wenn der Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Luft nicht deutlich gebremst wird.

Viel Arbeit für die Forscher wartet auf dem Gebiet der Biologie. "Heute ist es am dringendsten, die Reaktionen der Meeresorganismen und Ökosysteme zu untersuchen", sagte der Geochemiker Gert-Jan Reichart von der Universität Utrecht auf der Tagung in Wien. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass einzelne Organismen von der Versauerung profitieren könnten. Insgesamt rechnet er aber mit schädlichen Veränderungen für die Tierwelt.

Zunächst seien die kalkhaltigen Lebewesen betroffen, erläuterte der Niederländer Bijma. So würden die Schalen der nur Zentimeter großen Flügelschnecken, von denen sich Fische ernähren, durch die Versauerung dünner. Auch seien die Schalen einer Art von Foraminiferen – das sind ebenfalls kalkbildende Mikroorganismen – im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 30 bis 35 Prozent leichter geworden. Dies hatten neulich Forscher um Andrew Moy vom australischen "Antarctic Climate and Ecosystems Cooperative Research Centre" im Magazin Nature Geoscience anhand von Sedimentfunden berichtet.

Korallenriffe und Muscheln werden ebenfalls von der Versauerung am Wachstum gehindert. "Vielleicht werden unsere Enkel gar keine Muscheln mehr am Strand finden", sagte Bijma. Ob die Nahrungskette bis hin zu den größeren Fischen betroffen sein werden, müsse sich aber noch herausstellen.

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