SPD-Wahlprogramm Mit Schröders Segen in den WahlkampfSeite 2/2

Dieses Umdenken sei eben Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise, heißt es auch bei den meisten Parteirechten. Und sieht sich im Einklang mit der Stimmung in großen Teilen der Wähler.

Als Erfolg feiern konnte Steinmeier, dass die Vermögensteuer abgewehrt wurde. Die Parteilinke unternahm in der Sitzung nicht mehr ernsthaft den Versuch, ihr Lieblingsprojekt im neuen Manifest unterzubringen. Auch die Forderung nach einer "Schuldenbremse", gegen die die Linke eigentlich Sturm läuft, wurde im Programm untergebracht.

Zu den durchaus bemerkenswerten Teilen im quasi Kleingedruckten des Programms gehört auch die Festlegung, dass die SPD ein Bündnis mit den Linken inklusive Duldung einer Minderheitsregierung "für die gesamte nächste Legislaturperiode" ausschließt. Mit dieser Klarstellung sollte auch den von manchen Sozialdemokraten genährten Spekulationen der Boden entzogen werden, man könne eventuell aus der Regierung heraus mitten in der Wahlperiode einen solchen Wechsel durchaus ins Auge fassen.

Trotzdem gab sich auch die Parteilinke am Ende zufrieden. Beim zähen Kampf um die Spiegelstriche im Programm konnte sie noch einige kleinere Achtungserfolge erreichen. So wurde das Plädoyer für den Bau neuer Kohlekraftwerke semantisch leicht abgeschwächt.

Teilnehmern fiel auf, dass Steinmeier die Verhandlungsführung in der Sitzung weitgehend Müntefering überließ. Über weite Strecken saß der Kandidat als Zuhörer schweigend am Konferenztisch.

Für den Parteichef ist der Programmentwurf ohnehin nur eine "Zwischenetappe". In dem jetzt schon auf 59 Seiten angewachsenen Text soll es bis zum Parteitag Mitte Juni noch eine Reihe von Präzisierungen und Einfügungen geben. Weitere Überraschungen wie die Sache mit dem Steuerbonus sind nicht ausgeschlossen. "Das Beste bewahren wir uns bis ganz zum Schluss auf", wird vielsagend in der Parteiführung angekündigt. (Joachim Schucht, dpa)

 
Leser-Kommentare
    • Timo K
    • 19.04.2009 um 14:36 Uhr

    »Ich habe alles selber gemacht, mir hat keiner was geschenkt«

    Das ist das Zitat von jemandem, dessen die SPD sich schämen sollte, und nicht den Segen bereitwillig empfangen.

    Hoffentlich wird mit diesem Patron das Programm 18 dann Wirklichkeit für diese Arbeiterverräter-Partei.

    • politz
    • 19.04.2009 um 14:58 Uhr

    Das würde ich so nicht sagen. Gerhard Schröder persönlich war es, der 2005 die "Reichensteuer" erfand und mit ihr in den Wahlkampf ging. Der Steuersatz für Bezieher von hohen Einkommen sollte von 42 auf 45 Prozent erhöht werden - drei Prozentpunkte Unterschied. Steinmeier will jetzt von 45 auf 47 gehen, das sind nur zwei Prozentpunkte. Und anders als Schröder, der in den Koalitionsverhandlungen mit der Union seine Reichensteuer ohne Abstriche durchsetzte, muss Steinmeier das noch beweisen. Es ist extrem unwahrscheinlich, wenn nicht ausgeschlossen, dass die Union dies noch einmal mitmachen wird, von der FDP ganz zu schweigen.

    Außerdem reicht es nicht aus, sich nur die Wahlprogramme anzuschauen. Es kommt auf die Summe der getroffenen politischen Entscheidungen der SPD an. Im Wahlprogramm 2005 stand nichts von der Verlängerung des ALG 1, es wurde aber verlängert. Der Mindestlohn hat mit dem Wahlkampf nichts zu tun, sondern wird von der SPD seit 2006/07 gefordert.

    Wenn man alle steuerlichen Maßnahmen der CDU/SPD-Regierung zusammenzählt, kommt man zu einem ernüchternden Ergebnis. Die drastische Körperschaftsteuersenkung von 25 % auf 15 % Anfang 2008 stand nicht im Wahlprogramm, wurde aber dennoch umgesetzt. Die unsoziale Abgeltungssteuer (Flat Tax) auf Kapitalerträge sucht man im Wahlprogramm vergeblich, sie trat aber 2009 in Kraft. Die Mehrwertsteuererhöhung soll hier nicht unerwähnt bleiben.

    2005 gab es die Forderung nach dem Elterngeld, das als linke Maßnahme begriffen wird, heute gibt es ein solches nicht. 2009 fordert die SPD dagegen die Schuldenbremse, die zu einer erneuten Sparrunde und einem Abbau sozialer Leistungen führt. So links ist das Wahlprogramm wahrlich nicht. Übrigens wird im Wahlmanifest von 2005 eine Koalition mit der Linkspartei nicht ausdrücklich ausgeschlossen, heuer wird es getan.

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    • flavio
    • 19.04.2009 um 15:20 Uhr

    [Der Mindestlohn hat mit dem Wahlkampf nichts zu tun, sondern wird von der SPD seit 2006/07 gefordert.] ... und wurde, als die PDS diesen Antrag im Bundestag stellte, von der SPD abgelehnt!

    • flavio
    • 19.04.2009 um 15:20 Uhr

    [Der Mindestlohn hat mit dem Wahlkampf nichts zu tun, sondern wird von der SPD seit 2006/07 gefordert.] ... und wurde, als die PDS diesen Antrag im Bundestag stellte, von der SPD abgelehnt!

    • politz
    • 19.04.2009 um 15:01 Uhr

    Im Wahlmanifest von 2005 stand schon: "Die Tarifvertragsparteien sind aufgefordert, bundeseinheitliche tarifliche Mindestlöhne in allen Branchen zu vereinbaren. Soweit dies nicht erfolgt oder nicht erfolgen kann,werden wir Maßnahmen für einen gesetzlichen Mindestlohn ergreifen."

    Das soll also die große Linkswende zwischen 2005 und 2009 sein? Der Mindestlohn ist doch angeblich die wichtigste sozialpolitische Forderung der SPD. Wenn sich da nichts verändert hat, kann man kaum von einer Wende nach Links sprechen.

    • Fokko
    • 19.04.2009 um 15:12 Uhr

    Glaubt eigentlich noch irgendein einigermaßen denkfähiger Mensch auch nur irgendetwas von dem, was ihm vor einer Wahl erzählt wird?

    Aber von dem mal abgesehen: Was soll dieses Herumgedoktere an Symptomen?

    Ausstieg aus Europa und der Globalisierung, Abschied von fossilen Brennstoffen und Petrochemie sowie Bedingungsloses Grundeinkommen, auch für Kinder, das wäre ein Programm, das uns weiter bringen würde! Alles andere verkennt die Zeichen der Zeit.

    Fokko
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    • flavio
    • 19.04.2009 um 15:20 Uhr

    [Der Mindestlohn hat mit dem Wahlkampf nichts zu tun, sondern wird von der SPD seit 2006/07 gefordert.] ... und wurde, als die PDS diesen Antrag im Bundestag stellte, von der SPD abgelehnt!

    Antwort auf "Linker als früher?"
  1. ruht kein Segen.
    Er hat die Partei runtergewirtschaftet, wie kein anderer Vorsitzender zuvor. Mitglieder und Wähler sind "dank" seiner Bastapolitik in Scharen davongelaufen.
    Von diesem Ex-Kanzler und -Vorsitzenden lässt sich niemand mehr an die Wahlurne locken. Wenn, dann für eine andere Partei. Es gibt immer eine Alternative, nicht "TINA". Wenn man denn überhaupt wählen gehen mag!

  2. Ha, da ist sie wieder. Die Gruppe Schröder ist wieder am Werk.

    Wenn es nicht so traurig wäre, dann sollte man mit dem Spotten gar nicht mehr aufhören.

    Die Geschichte wiederholt sich. Die SPD tritt den Beweis an.

    NÖP, die Erfindung der Wirtschaftsfachleute der Gruppe Ulbricht, hat mit dieser Parole versucht, die Leute in der Ostzone um sich zu versammeln.

    NÖP, die Gruppe Schröder versucht mit dem nochmaligen Aufkochen diesers ausgelaugten Kaffesatzes dem sozialdemokratischen Wähler erneut Sand in die Augen zu streuen. Entweder verliert die SPD die Wahl, dann ist das Thema erledigt.
    Gewinnt sie aber die Wahl und kann eine neue Koalition organisieren, die ihren Funktionären, also den Leuten der Gruppe Schröder, des Seeheimer Kreises, die gleichen hervorragenden Bedingungen zum Absprung in vorab gesicherte Industriemanagementposten gewährleistet, dann wird ein ganzes Buch mit den Gründen vollgeschrieben, weshalb die proklamierten Wahlprogrammpunkte "leider, leider" nicht umgesetzt werden konnten.

    Die Jungs und Mädels der Seeheimer Front werden sich doch ihre schönen Posten und Pöstchen nicht vermasseln. Und wer wissen will, wie das funktioniert, der kann sich bei Johannes Kahrs angucken, wie das geht.
    Erst wird im Haushaltsausschuss die Waffenindustrie richtig gesponsort, dafür
    wird - Prognose - ein nettes Pöstchen irgendwo in einem der zum industriell-militärischen Komplex gehörenden Konzern ein Verwaltungsdirektorenposten
    frei oder geschaffen und von einem hervorragenden Mitglied unserer Exzellenzelite besetzt werden

    Viva los grupos de presión, viva los cabilderos!

    Experience is the only way to understand.

  3. offiziell einzuladen, zeugt von Instinktlosigkeit, oder glaubt jemand, das Merkel es mit einer solchen Taktik, die Vorfahren herbeizuzitieren, geschafft hätte, ihr Image als Kohl's Umwelt-Schubse oder Honecker's Lieblings-FDJ-Aktive Doktorandin abzulegen ? Liebe SPD, am besten noch in Bergmannstracht, und mit Blasmusik, au weia.

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